Verdacht auf Missmanagement

04.11.15 16:12

Bielefeld dreht Eigenbetrieb den Geldhahn ab

Von Vanessa Wilke

Die Stadt Bielefeld dreht einem ihrer Eigenbetriebe vorübergehend den Geldhahn ab. Diesem droht nun kurzfristig Zahlungsunfähigkeit.

Dem Bielefelder Eigenbetrieb IBB droht kurzfristig die Zahlungsunfähigkeit. Wie die Lokalzeitung Neue Westfälische (nw) berichtete, sollen die Verbindlichkeiten des Informatikbetriebs das Bankguthaben und die Forderungen um fast 1,7 Millionen Euro übersteigen. Betriebsleiter Matthias Böhm habe deshalb gestern die Stadt um die Genehmigung eines Kreditrahmens von bis zu 3,5 Millionen Euro zur Liquiditätssicherung gebeten. Die Politik entschied sich aber gegen die Bewilligung. Sie will zunächst über die Ursachen der Unterfinanzierung unterrichtet werden vermutet und offenbar Missmanagement.

 

In einer Sitzung am 1. Dezember 2015 wollen Böhm und Kämmerer Franz-Josef Löseke die Fragen der Politik beantworten. Der Eigenbetrieb soll im Sommer von hohen IT-Kosten überrascht worden sein. Die Stadtwerke Bielefeld stellten unerwartet hohe Forderungen an den IBB. In einem Einkaufsverbund kaufen die Stadtwerke und der IBB Hard- und Software gemeinsam ein, um Preisvorteile zu erzielen. Ob die hohen Forderungen aus Preiserhöhungen der Programmanbieter resultieren oder ob die Stadtwerke umfangreichere Serviceleistungen in Rechnung gestellt haben, ist bislang noch unklar.

 

Genauso ungewiss ist auch, ob der IBB bis zur aufklärenden Sitzung Anfang Dezember durchhält, oder ob die Stadt schon vor der Sitzung per Dringlichkeitsbeschluss den Kreditrahmen erhöhen muss, um die Insolvenz ihres Eigenbetrieb abzuwenden.

 

Personalseitig hat die Stadt bereits ihre Konsequenzen gezogen. Seit Anfang November ist mit Claudia Kampe eine neue kaufmännische Leiterin beim IBB im Amt. Ihre Vorgängerin wurde ins Ordnungsamt versetzt.

 

vanessa.wilke@finance-magazin.de