Kommunaler Flughafen pleite

23.04.14 17:52

Dubioser Investor fährt Flughafen Lübeck an die Wand

Von Tobias Schmidt

Chaos in Lübeck: Gerade erst hat der ehemalige kommunale Flughafen einen neuen Eigentümer, schon hat er Insolvenz angemeldet. Der neue Investor sei ein sogenannter „Unternehmensbestatter“, meint ein Insider. Die Opposition wirft Oberbürgermeister Bernd Saxe (SPD) unterdessen bewusste Täuschung vor.

Ende 2012 hatte die Stadt Lübeck ihren Flughafen für einen symbolischen Euro verkauft, doch das Problem ist sie nicht los: In einem Eilverfahren hat der Flughafen nun Insolvenz angemeldet. Es sei eine vorläufige Insolvenzverwaltung eingerichtet worden, sagte eine Sprecherin des Amtsgerichts Lübeck am Mittwochnachmittag gegenüber DNK. Der Rechtsanwalt Prof. Dr. Klaus Pannen wird von nun an als Insolvenzverwalter das weitere Vorgehen bestimmen, wie seine Kanzlei bestätigte. Die Pressestelle des Flughafens war am Mittwochnachmittag nicht mehr besetzt. Kurz vor der Insolvenzanmeldung hatte der Ex-Flughafenchef Siegmar Weegen als Notgeschäftsführer wieder das Zepter übernommen. Ein Notgeschäftsführer kann eingesetzt werden, wenn der eigentliche Geschäftsführer nicht erreichbar ist. Und das ist in Lübeck der Fall.

Unseriöser Investor

Mitte April hatte sich der Investor Mohamad Rady Amar aus dem Staub gemacht und seine Anteile an der 3-Y-Logistic und Projektbetreuung GmbH verkauft, die wiederum als Muttergesellschaft die Flughafenbetreibergesellschaft Yasmina Flughafenmanagement GmbH umfasst. Seine Anteile verkaufte Amar an den Berliner Geschäftsmann Adam Wagner.

 

Mit Wagner hatten weder die Stadt, noch das Land, noch der Flughafen selbst bislang Kontakt. Ein Insider sagte gegenüber DNK, bei dem neuen Eigentümer handle es sich um einen sogenannten “Unternehmensbestatter“. Damit sind Unternehmen gemeint, die andere Unternehmen – meist kleine Baufirmen – kurz vor der Insolvenz aufkaufen und einen Geschäftsführer installieren, der nicht selten bereits eine eidesstattliche Versicherung im Rahmen einer Zwangsvollstreckung geleistet hat. Anschließend werden dann die Konten des aufgekauften Unternehmens geräumt, um das Geld dem folgenden Insolvenzverfahren zu entziehen. Gute Aussichten für den Flughafen sind das nicht gerade. Insolvenzverwalter Pannen wird nun vor allem damit zu kämpfen haben, die Betriebsgenehmigung aufrecht zu erhalten.

„bewusste Täuschung“

Oppositionsvertreter werfen Lübecks Oberbürgermeister Bernd Saxe unterdessen vor, die Bürgerschaft “bewusst getäuscht” zu haben. Saxe hatte diese Woche bekanntgegeben, dass der Flughafen bereits seit Oktober 2013 keine Miet- und Pachtzahlungen mehr an die Stadt geleistet habe. Er habe dies damals noch nicht als Alarmsignal gesehen, sagte Saxe zu den Vorwürfen gegenüber DNK. Er könne nicht die Bürgerschaft über jedes laufende Mahnverfahren unterrichten. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Andreas Zander sagte gegenüber DNK, man werde Saxe die Chance geben, die derzeitige Lage und das weitere Vorgehen in einer Sondersitzung des Hauptausschusses am 29. April zu erklären. Ob die Opposition ein Abwahlverfahren einleiten werde, könne derzeit noch nicht gesagt werden.

 

Da der Flughafen mit den Miet- und Pachtzahlungen in Kürze bereits sechs Monate im Zahlungsverzug sein wird, greift bald ein Sonderkündigungsrecht. Ob die Stadt davon Gebrauch machen werde, sei gemeinsam mit der Bürgerschaft zu entscheiden, so Saxe. Allerdings gibt er zu bedenken, dass man damit dem Flughafen die Grundlage für den Weiterbetrieb entziehen würde.

 
t.schmidt@derneuekaemmerer.de