EVUs setzten stärker auf Fremdfinanzierung

05.05.15 16:41

Ein Fünftel der EVUs vor Refinanzierungsproblemen

Von Marc-Fabian Körner

Trotz einer stabilisierten Ertragssituation bieten die Finanzkennzahlen von Energie- und Versorgungsunternehmen Grund zur Sorge. Vor allem die durchschnittliche Ausschüttungsquote von über 90 Prozent treibt die EVUs in die Fremdfinanzierung.

Die aktuelle Studie der Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers (PwC) „Finanzwirtschaftliche Herausforderungen der Energie- und Versorgungsunternehmen“ stellt der Finanzierungssituation von Energie- und Versorgungsunternehmen (EVU) kein gutes Zeugnis aus. Untersucht wurden 233 Bilanzen von EVUs aus dem Jahr 2013. Die Autoren der Studie stellen einen Anstieg der Fremdfinanzierungsquote fest. Dies begründen sie vor allem mit den hohen Ausschüttungsquoten von 92 Prozent. Die Eigenmittelquote lag 2013 bei 40,9 Prozent, und sank damit um 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Daneben stößt auch der hohe Investitionsbedarf aufgrund der Energiewende viele Unternehmen in die Fremdfinanzierung.


Generell lässt sich für die größtenteils kommunalen EVUs eine – im Vorjahresvergleich – stabile Ertragslage feststellen, die Unterschiede bei der Finanzsituation der einzelnen Unternehmen weisen jedoch große Diskrepanzen auf: Sind die Autoren im Durchschnitt mit den Kennzahlen zufrieden, befindet sich jedoch ein gutes Viertel „bereits im kritischen Bereich.“


Auch im Bereich der Refinanzierungsmöglichkeiten ergibt sich ein heterogenes Bild: Für immerhin ein Fünftel der EVUs prognostiziert die Studie Refinanzierungsschwierigkeiten, da die Nettofinanzverschuldung zum EBIDT die kritische Marke von 4,0 überschritten habe. Hintergrund hier ist, dass Investitionen und Ausschüttungen nicht aus dem operativen Cashflow gedeckt werden könnten und so der Verschuldungsgrad zunehme. Der größte der Teil EVUs müsse aber aufgrund stabiler EBITDA-Kennzahlen keinen negativen Effekt auf die Kreditwürdigkeit fürchten.


Bernd Papenstein, Finanzierungsexperte bei PwC im Bereich öffentlicher Sektor, kommentiert die Lage der EVUs so: „Trotz der Stabilisierung der Ertragslage und der leichten Verbesserung der Schuldendeckung nimmt die Finanzierungsfähigkeit der deutschen Energie- und Versorgungsunternehmen weiter ab. Maßnahmen zu deren nachhaltigen Sicherung spiegeln sich zumindest in den Finanzkennzahlen von 2013 insgesamt noch nicht wider.“


m.koerner@derneuekaemmerer.de