RWE in der Krise

17.09.15 13:35

Energieriese RWE strauchelt

Von Katharina Schlüter

RWE muss seien Atomrückstellungen um bis zu 10 Milliarden Euro aufstocken. Auch die kommunalen Aktionäre beobachten den strauchelnden Energieriesen mit Sorge. Sie fürchten weitere Dividendenkürzungen und Abschreibungen.

Der Energiekonzern RWE geriet diese Woche in heftige Turbulenzen: Am Mittwoch fiel der Börsenkurs um weitere 20 Prozent auf knapp über 10 Euro. Zum Ende der Woche erholte sich der Kurs wieder etwas. Noch vor einem Jahr lag der Kurs bei rund 30 Euro.

 

Auslöser der aktuellen Turbulenzen waren Presseberichte über ein vom Wirtschaftsministerium in Auftrag gegebenes Gutachten. Die Wirtschaftsprüfer der WP-Gesellschaft Warth & Klein Grant Thornton sollen untersuchen, inwieweit die von RWE und den anderen drei Energieriesen gebildeten Rückstellungen für Atomrisiken ausreichend sind. Presseberichten zufolge könnten die Rückstellungen um bis 30 Milliarden Euro zu niedrig sein. Allein RWE könnten danach zusätzliche Rückstellungen von bis zu 10 Milliarden Euro bilden müssen.

 

Der Grund dafür liegt in den Abzinsungsfaktoren. Während die Konzerne dem Vernehmen nach – die genauen Zahlen sind nicht öffentlich bekannt – bei der Berechnung ihrer Rückstellungen einen Diskontierungssatz zu Grunde legen, der auf einem Durchschnittszins der vergangenen 25 Jahre basiert, hat Warth & Klein sich an den aktuellen Abzinsungsfaktoren für die Berechnung von Pensionsrückstellungen orientiert, die 2 bis 3 Prozent betragen. Der Unterschied zwischen beiden Diskontraten dürften rund 200 Basispunkte betragen. Weil die Zeiträume sehr lang sind, in denen die Kosten für die Entsorgung des Atommülls und der abgeschalteten Meiler anfallen, fällt dies stark ins Gewicht. Die Energiekonzerne dementierten den Rückstellungsbedarf in Milliardenhöhe, sie hätten ausreichend vorgesorgt.

 

Für die kommunalen RWE-Aktionäre könnte eine weitere bilanzielle Verschlechterung des ohnehin schon angeschlagenen Energieriesen sehr unangenehme Folgen haben. Erholt sich der Börsenkurs nicht deutlich, müssten diverse Städte ihre RWE-Anteil drastisch abschreiben. So fürchtet Essens Stadtkämmerer Lars Martin Klieve (CDU) einen weiteren Abschreibungsbedarf in dreistelliger Millionenhöhe: „Wenn heute der 31.12. wäre, müsste eine Wertkorrektur um rund 250 Millionen Euro in der städtischen Bilanz vorgenommen werden", sagte Klieve am Dienstag gegenüber der Rheinischen Post.

 

Auch für die in den klammen NRW-Kommunen fest eingeplanten Dividendenzahlungen dürfte dann noch weniger Raum sein. Während 2009 noch Dividenden in Höhe von fast 4,50 Euro je Aktie gezahlt wurde, erhielten die Anteilseigner in 2013 und 2014 nur noch 1 Euro je Aktie. Wie hoch die Dividenden dieses Jahr ausfallen werden, steht noch in den Sternen. Ende August hatte Stadtkämmerer Klieve gegenüber der W.A.Z. gesagt, dass er mit einer weiteren spürbaren Dividendenkürzung auf 50 bis 60 Cent rechnen würde.

 

Presseberichten zufolge erwägen mehrere kommunale Anteilseigner derzeit, ihre RWE-Aktien abzustoßen. Bisher sind die Kommunen bzw. kommunalen Unternehmen mit insgesamt 24 Prozent mit Abstand wichtigster RWE-Anteilseigner. Essens Stadtkämmerer Klieve bekräftigte in diesem Kontext, dass die Stadt Essen weiterhin an RWE festhalten wolle.

 

k.schlueter@derneuekaemmerer.de