Neue Studie zur Energiewende

12.04.16 14:43

Energiewende: Finanzielle Bürgerbeteiligung führt nicht unbedingt zu höherer Akzeptanz

Von Ariane Mohl

Werden Energiewende-Projekte eher akzeptiert, wenn die Bürger sich finanziell an ihnen beteiligen? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine aktuelle Studie der Uni Leipzig – und kommt zu einem differenzierten Ergebnis.

Die Erwartung, dass der Bau neuer Stromnetze oder die Errichtung neuer Windparks an Akzeptanz gewinnen, wenn die Bürger sich finanziell an solchen Energiewende-Projekten beteiligen, ist nur in Teilen berechtigt. Das ist das Ergebnis einer Studie des Kompetenzzentrums Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge e.V. an der Universität Leipzig. Die Macher der Studie haben 102 Unternehmen aus den Sparten Energieerzeugung und Energienetze gefragt, welche Erfahrungen sie mit finanzieller Bürgerbeteiligung gemacht haben, welche Ziele die Bürger damit verbinden und ob diese Instrumente in der Realität tatsächlich genutzt werden.  

 

„Wenngleich infolge des hohen Finanzbedarfs der Energiewende auch neue Finanzierungsquellen zu erschließen sind, so scheinen die bisherigen Modelle finanzieller Bürgerbeteiligung hier nur bedingt bzw. nur für bestimmte Vorhaben geeignet zu sein“, erläutert Oliver Rottmann, Studienleiter und Geschäftsführender Vorstand des Kompetenzzentrums, das zentrale Ergebnis seiner Studie. Insbesondere beim extrem kostenintensiven Netzaus- und -umbau müsse bezweifelt werden, ob eine finanzielle Bürgerbeteiligung ihren Zweck erfülle. Hier müssten andere Instrumente entwickelt werden. „Dies könnte beispielsweise in Form einer Infrastrukturbürgeranleihe realisiert werden“, schlägt Rottmann vor.      

 

 

Im Bereich der Energieerzeugung hingegen sei eine finanzielle Beteiligung von Bürgern durchaus sinnvoll. In der Praxis gebe es beispielsweise zahlreiche gut funktionierende Energiegenossenschaften. Diese würden Bürgern die Möglichkeit geben, ausgewählte Projekte der Energiewende direkt mitzugestalten.

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de