Nach der Insolvenz

27.11.15 10:20

Gera: Land will bei Energieversorger einsteigen

Von Katharina Schlüter

Der Ausverkauf der insolventen Stadtwerke Gera geht weiter: Das Land Thüringen will die Mehrheit an der profitablen Stadtwerketochter Energieversorgung Gera übernehmen. Die Stadt soll ein befristetes Vorkaufsrecht erhalten.

Fotoquelle: picture alliance / dpa

Seit Sommer 2014 befinden sich die Stadtwerke Gera im Insolvenzverfahren.

Schritt für Schritt schreitet das Insolvenzverfahren der Stadtwerke Gera voran. Nun will offenbar das Land Thüringen die Mehrheit an der profitablen Stadtwerketochter Energieversorgung Gera übernehmen: Eine Tochter der landeseigenen Thüringer Aufbaubank, die bm-t Beteiligungsmanagement Thüringen, hat ein Kaufinteresse für 50,1 Prozent an der Energieversorgung Gera bekundet. Dies bestätigte eine Sprecherin der Aufbaubank gegenüber der DNK-Redaktion. Ein Einstieg sei wirtschaftlich sinnvoll, außerdem würde er dazu beitragen, die gewerbliche Wirtschaft Thüringens zu unterstützen. Dies sei der Auftrag der landeseigenen Bank.

 

Derzeit gehören diese Anteile noch den seit Sommer 2014 insolventen Stadtwerken Gera und sind damit Teil der von Michael Jaffé verwalteten Insolvenzmasse. Die restlichen 49,9 Prozent der Anteile hält der private Energiekonzern GDF Suez Energie Deutschland. Wie Sprecherin der Aufbaubank bestätigte, soll die Stadt Gera die Vorkaufsrechte für einen befristeten Zeitraum erhalten. Die Länge des Zeitraum sei Teil der Verhandlungen.

 

Nach Informationen der Ostthüringen Zeitung (OTZ) ist die Energieversorgung Gera zwar aktuell profitabel, ob dies zukünftig so bleibt, sei aber offen. So sei die Anlage in den neunziger Jahren auf steigende Bewohnerzahlen ausgerichtet gewesen und die Bestandspflege entsprechend kostspielig. Auch seien Investitionen über viele Jahre vernachlässigt worden.

Laufendes Insolvenzverfahren

Der Verkauf des Energieversorgers wäre ein weiterer Schritt in Richtung Abschluss des Insolvenzverfahrens. So hatte Jaffé bereits unter anderem den Verkehrslandeplatz Gera-Leumnitz privatisiert, und der private Veolia-Konzern hatte seinen Anteil an der GUD Geraer Umweltdienste auf 74,9 Prozent aufgestockt.

 

Auch für die sich in einem getrennten Insolvenzverfahren befindenden Geraer Verkehrsbetriebe soll ein Investor gefunden werden. Wie Jaffé Anfang Oktober mitgeteilt hatte, konnte der Zuschussbedarf der Stadt Gera für die Verkehrsbetriebe im Rahmen des Insolvenzverfahrens halbiert werden. Dank eines mit Stadt und Land abgestimmten Liquiditätsplans bestehe bei der Investorensuchen keine Zeitdruck.

 

Aufgrund des noch laufenden Insolvenzverfahrens ist nach wie vor unklar, ob die Gläubiger der Stadtwerke Gera am Ende auf ausstehende Forderungen werden verzichten müssen. Bei den deutlich kleineren Stadtwerken Wanzleben kam es zu einem Schuldenschnitt in Höhe von rund 90 Prozent.

 

k.schlueter@derneuekaemmerer.de