Neue Studie zur Energieversorgung

19.05.16 14:50

Kommunale Energieversorger wirtschaften nicht schlechter als private

Von Ariane Mohl

Eine aktuelle Studie des DIW räumt mit dem Vorurteil auf, dass private Energieversorger effizienter arbeiten als kommunale Unternehmen. Anders als gemeinhin angenommen, gebe es dabei keinen allgemeinen Trend zur Rekommunalisierung.

Private Energieversorger wirtschaften nicht effizienter als Energieunternehmen, die sich in staatlicher Hand befinden. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), für die erstmals verfügbare Daten von Energiestatistiken, Jahresabschlüssen öffentlicher Fonds, Einrichtungen und Unternehmen sowie das Unternehmensregister ausgewertet wurden. „Unsere Analysen zeigen, dass kommunale Energieunternehmen ihre Leistung ebenso effizient erbringen wie private Unternehmen. Das gilt nicht nur für den wettbewerblich organisierten Stromvertrieb. Auch die kommunalen Netzbetreiber arbeiten genauso effizient wie die privaten“, sagt DIW-Forscherin Maria Nieswand.

 

Das sei nicht zuletzt deshalb bemerkenswert, „als öffentliche Unternehmen anders als private nicht auf reine Gewinnmaximierung abzielen, sondern weitergehende Interessen verfolgen“, fügte Nieswand hinzu. Aus diesen Erkenntnissen sollte man nach Einschätzung der DIW-Forscher jedoch keine Rückschlüsse auf Rekommunalisierungsvorhaben einzelner Kommunen ziehen. „Bei diesem Thema muss man sich immer den Einzelfall anschauen“, sagte Nieswand.

Die Umsatzanteile der kommunalen Versorger schwinden

Das Forscherteam des DIW ist auch der Frage nachgegangen, ob es in Deutschland einen generellen Trend zur Rekommunalisierung gibt. Einen solchen können die Wissenschaftler nicht erkennen. Zwar sei die Zahl der öffentlichen Energieversorger in den Jahren 2003 bis 2012 um 17 Prozent gestiegen. Im selben Zeitraum habe allerdings die Zahl der privaten Versorger um 49 Prozent zugenommen. „Von einer Verdrängung privater Energieversorger durch Rekommunalisierungen kann keine Rede sein“, sagt Astrid Cullmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am DIW.

 

Auch die Umsatzentwicklung liefere keinerlei Anzeichen für einen Rekommunalisierungstrend. Im Gegenteil: Die öffentlichen Versorger haben laut DIW-Analyse Umsatzanteile verloren. Sie erwirtschafteten im Jahr 2012 nur noch etwas mehr als ein Viertel der Umsätze im Energiesektor, obwohl sie die Mehrheit der Unternehmen stellten. 

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de