Nach der Stadtwerke-Insolvenz

10.03.16 12:52

Land will Energieversorgung Gera übernehmen

Von Ariane Mohl

Eine Beteiligungsgesellschaft des Landes Thüringen steigt bei der Energieversorgung Gera ein. Nach der Sanierung will die Stadt Gera die Anteile des Unternehmens zurückkaufen.

Noch in diesem Jahr will das Land Thüringen die Mehrheit an der Energieversorgung Gera und deren Kraftwerkstochter übernehmen. Das berichten der MDR und die Ostthüringer Zeitung übereinstimmend. Die Stadt Gera und die Thüringer Aufbaubank haben bereits eine Absichtserklärung unterschrieben. Diese sieht vor, dass die landeseigene Thüringer Industriebeteiligungsgesellschaft (TIB) einen 50,1-Prozent-Anteil der insolventen Geraer Stadtwerke kauft und die kommunalen Unternehmen saniert.

 

Eine Sprecherin der Aufbaubank bestätigte im Gespräch mit der Ostthüringer Zeitung, dass es nun darum gehen müsse, die Verschuldungsquote des Energieversorgers und der städtischen Kraftwerke zu senken. Ziel sei es, das Unternehmen nach der erfolgreichen Sanierung wieder an die Stadt Gera zu veräußern. Die Absichtserklärung räumt der Stadt Gera ein Vorkaufsrecht ein. Bis Ende 2020 soll sie nach Informationen der Ostthüringer Zeitung einen Rückkauf sogar einfordern können.

 

Der Kaufvertrag soll noch in diesem Jahr unterzeichnet werden. Zum Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

 

Die Stadtwerke Gera sind seit 2014 insolvent. Die Energietochter war aufgrund sehr hoher Abschreibungen in eine finanzielle Schieflage geraten, konnte aber durch einen Kredit des Minderheitsgesellschafters GDF Suez stabilisiert werden.   

Die Oberbürgermeisterin kanzelt den Ex-Finanzdezernenten ab

Kürzlich hatte sich der ehemalige Geraer Bürgermeister Norbert Hein mit einem offenen Brief an Oberbürgermeisterin Viola Hahn (parteilos) gewandt. In dem Schreiben äußerte er nach Informationen der Ostthüringischen Zeitung den Vorschlag, die Geraer Stadtwerke „unter Einbeziehung der Bereiche Energie, öffentlicher Nahverkehr, Abfall, Stadthygiene sowie Wasserver- und Entsorgung“ neu zu strukturieren.

 

Hahn nennt die Vorschläge des ehemaligen Finanzdezernenten "erstaunlich". Hein hätte in seiner Amtszeit für diese Ideen um Mehrheiten werben und sie umsetzen können“, so die Oberbürgermeisterin. Sein Vorschlag, die Stadtwerke auf Vordermann zu bringen mute an wie die "Wiederbelebung des gescheiterten Modells, das von vornherein strukturell unterfinanziert war".

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de