Standortsicherung

17.07.15 09:12

Leipziger Stadtkonzern LVV feilscht um Anteile an VNG

Von Katharina Gail

Die Gespräche laufen bereits seit vergangenem Jahr. Nun hat Leipzigs Stadtkonzern LVV dem Energieversorger EWE am Montag ein Angebot über dessen Anteile am Verbundnetz VNG vorgelegt. Mit der Übernahme der Aktien will Leipzig den Verbleib der VNG am Standort sichern.

Hauptsitz des Verbundnetzes VNG in Leipzig.

VNG AG

Bislang hält der Energieversorger EWE 74,2 Prozent der Anteile an dem Verbundnetz VNG.

Die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft LVV will stärker in das Geschäft der Verbundnetz Gas AG (VNG) einsteigen. Am Montag habe man dem Oldenburger Energieversorger EWE ein unverbindliches Angebot über dessen Anteile an der VNG gemacht, sagte ein LVV-Sprecher gegenüber DNK. Von EWE hieß es dazu, intern sei noch nicht entschieden, ob man die Anteile an VNG behalten oder sie weiterentwickeln wolle. Man prüfe derzeit das Angebot.

 

EWE ist mit 74,2 Prozent an VNG beteiligt. Den Rest des Aktienpakets hält ein Zusammenschluss ostdeutscher Kommunen. Bislang verfügen die Städte mit ihrem Anteil an VNG über eine Sperrminorität. Die könnte allerdings in naher Zukunft kippen. Die Stadtwerke Erfurt, die Teil des Bündnisses sind, wollen ihre Anteile verkaufen. Würden die Aktien an EWE gehen, könnten die mit über 75 Prozent allein über VNG bestimmen.

Leipzig bangt um Kontrollverlust an VNG

Dieses Szenario versuchen die Leipziger gerade zu verhindern. Mit über 75 % Aktienanteil hätte die EWE die Möglichkeit, das Verbundnetz zu zerschlagen oder den Standort zu verlegen. In einem solchen Szenario gingen der Stadt neben Arbeitsplätzen auch Einnahmen aus der Gewerbesteuer verloren.

 

Von EWE heißt es dazu, man habe keine solchen Pläne. Im Zuge des Erwerbs der Wintershall-Anteile an VNG im vergangenen Jahr habe man eine Vereinbarung unter den Aktionären getroffen, den Standort bis 2017 zu sichern.

 

Für die Leipziger stehen zwei Optionen zur Debatte, wie sie den Einfluss auf VNG bewahren. Die erste Option wäre für die LVV, die Erfurter Anteile zu kaufen. Leipzig hat ein Vorkaufsrecht, konkurriert hier also nicht mit EWE. Im Moment lässt die Stadt den Wert der Erfurter Beteiligung von einem Gutachter schätzen. Die zweite Option, und darauf scheinen die Leipziger mit ihrem Angebot an EWE eher abzuzielen, würde vorsehen, die Oldenburger komplett als Beteiligte an der VNG auszulösen.

Milliardensumme für VNG-Anteile im Gespräch

Insidern zufolge soll der Leipziger Stadtkonzern eine Milliarde Euro für die Anteile an der VNG angeboten haben. Gegenüber DNK wollte der Sprecher des Konzerns das nicht bestätigen. EWE soll wiederum eine Verkaufssumme von 1,5 Milliarden Euro ins Spiel gebracht haben. Für die Finanzierung der Anteile hat sich die LVV einen strategischen Partner ins Boot geholt, der nach Angaben des Konzerns etwa die Hälfte der Verkaufssumme übernehmen soll. Dabei soll es sich um den australischen Finanzdienstleister Macquarie handeln. Den eigenen Anteil an der Offerte will die LVV mit einem Kredit bedienen.

 

k.gail@derneuekaemmerer.de