Sächsischer Rechnungshof präsentiert Kommunalbericht

17.12.15 08:22

Rechnungshof kritisiert kommunale Pilzproduktion

Von Katharina Schlüter

Die sächsische Stadt Hoyerswerda hat eine eigene Shiitake-Pilzproduktion. Diese sei nicht im Interesse des Gemeinwohls der städtischen Einwohner, kritisiert der sächsische Rechnungshof.

Die kommunale Welt wartet immer mal wieder mit Überraschungen auf. So ist dem am Mittwoch vorgestellten Kommunalbericht des Sächsischen Rechnungshofs zu entnehmen, dass sich die Stadt Hoyerswerda eine eigene Shiitake-Pilzproduktion leistet. 70 Prozent der von dem kommunalen Unternehmen Integra Hoyerswerda GmbH produzierten Bio-Pilze gehen dabei ins europäische Ausland. Bei Erreichen der für 2014 geplanten Produktionsmenge, hätte das kommunale Unternehmen rund 29 Prozent der Gesamternte an Shiitakepilzen der Bundesrepublik produziert.

 

Der Sächsische Rechnungshof kritisiert im Kommunalbericht, dass die Pilzproduktion nicht im Interesse des Gemeinwohls der Einwohner von Hoyerswerda läge. Auch kritisierten die Prüfer, dass die kommunale Integra sich nicht – wie im Gesellschaftsvertrag vorgesehen – um die Arbeitsmarktintegration von Langzeitarbeitslosen oder Behinderten kümmert.

 

Die kommunale Pilzproduktion hat wie viele kommunale Kuriositäten historische Wurzeln: Auf der Internetseite der Städtischen Wirtschaftsbetriebe Hoyerswerda wird erläutert, dass die Integra Hoyerswerda GmbH 2013 als kommunales Unternehmen gegründet wurde. Sie war aus der Integra Lausitz GmbH hervorgegangen, welche im Januar 2013 Insolvenz anmeldete. Die Integra Lausitz GmbH hatte neun Menschen, davon vier mit körperlichen Behinderungen beschäftigt. Die Nachfolgegesellschaft übernahm dann 2013 die Mitarbeiter. Aus Sicht der Integra-Muttergesellschaft, Städtische Wirtschaftsbetriebe Hoyerswerda, ist damit weiterhin der Hauptzweck des Unternehmens die Integration von Menschen mit Handicap in den ersten Arbeitsmarkt.

 

k.schlueter@derneuekaemmerer.de