Konzern in der Krise

17.02.16 14:14

RWE streicht Großteil der Dividende

Von Ariane Mohl

Schock für die kommunalen Aktionäre von RWE: Der gebeutelte Energiekonzern zahlt keine Dividende. Den Kommunen gehen Hunderte Millionen Euro durch die Lappen. Essens Stadtkämmerer Klieve reagiert entsetzt.

Für viele Kommunen in Nordrhein-Westfalen ist es eine Hiobsbotschaft: Der Energiekonzern RWE hat im vergangenen Jahr ein Minus von 200 Millionen Euro eingefahren. Dividende sollen nun nur noch die Inhaber von Vorzugsaktien erhalten. Die Städte und Gemeinden, die Anteile an dem angeschlagenen Energieriesen haben, heißt das: Sie gehen leer aus.

 

Insbesondere für die Stadt Essen ist das ein harter Schlag. Sie besitzt knapp 19 Millionen RWE-Aktien. 18,3 Millionen Euro Dividende flossen 2015 in die Stadtkasse. Das ist nun Geschichte. Entsprechend entsetzt reagiert Essens Kämmerer Lars Martin Klieve auf die Ankündigung von RWE. „Das übertrifft meine schlimmsten Alpträume“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Nach Klieves Angaben hatte die Stadt 2016 Dividende in Höhe von 9 Millionen Euro erwartet und in den Haushalt eingeplant. „Damit galten wir im kommunalen Lager als Pessimisten. Jetzt zahlt RWE gar nichts, ein herber Schlag“, zitiert ihn die Rheinische Post. Die Stadt wolle nun prüfen, ob angesichts des Lochs in der Haushaltskasse Leistungen gestrichen werden müssen.

 

Die Nachricht, dass die Stadt Essen in diesem Jahr leer ausgehen wird, traf den Kämmerer nach eigenen Angaben völlig unvorbereitet. Der Energiekonzern habe ihn nicht vorab informiert. Für Klieve angesichts der Millionensumme, die den kommunalen Aktionären entgeht, ein Unding. „Der RWE-Vorstand muss sich fragen lassen, ob seine Strategie und die Kommunikation mit den Kommunen richtig sind“, sagte er der Rheinischen Post.

 

Beim nächsten Treffen des RWE-Aufsichtsrates am 3. März will Klieve reinen Tisch machen. „Das wird kein gemütliches Kaffeetrinken“, kündigte der Kämmerer gegenüber der dpa an.

 

Im vergangenen Jahr hatte RWE noch 150 Millionen Euro an die kommunalen Aktionäre gezahlt, die rund 25 Prozent der Anteile besitzen.

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de