Neue Stadtwerke-Studie

09.03.16 16:25

Stadtwerke-Chefs blicken skeptisch in die Zukunft

Von Ariane Mohl

Eine aktuelle Studie untersucht die Unternehmensstrategien von kommunalen Energieversorgern. An guten Ideen mangelt es offenbar nicht, doch ein zu dünnes finanzielles Polster macht einigen Kommunalversorgern das Leben schwer. Müssen die Kommunen sich künftig bescheiden, wenn es um die Ausschüttungen geht?

Nicht zuletzt wegen der Energiewende stehen viele Kommunalversorger unter massivem Druck. Sie müssen ihre althergebrachten Geschäftsmodelle überdenken. Dabei geht es immer auch um die Erwartungen der kommunalen Anteilseigner, die fest mit ordentlichen Gewinnausschüttungen rechnen. Doch wie gut sind Deutschlands Stadtwerke für die Zukunft gerüstet? Wie wollen sie die neuen Herausforderungen meistern? Welche Unternehmensstrategie verfolgen sie angesichts der sich verschärfenden Wettbewerbssituation am Markt?   

 

Antworten auf diese Fragen gibt eine aktuelle Studie der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl & Partner, für die 61 Unternehmen in ganz Deutschland befragt wurden. Trotz der vielen Unwägbarkeiten, mit denen sich die Kommunalversorger konfrontiert sehen, bewerten 59 Prozent der Befragten die aktuelle wirtschaftliche Lage als gut bis sehr gut. Der Blick in die Zukunft fällt jedoch weniger positiv aus: 61 Prozent der Befragten rechnen mit einer deutlichen Eintrübung ihrer wirtschaftlichen Situation.

Die Mehrheit der Stadtwerke-Chefs will in den Ausbau der Wärmeversorgung investieren

Die Studie zeigt, dass 78 Prozent der Befragten strategische Zielmarken für ihr Unternehmen definiert haben. So will die große Mehrheit der kommunalen Energieversorgungsunternehmen ihr Leistungsportfolio um neue Geschäftsfelder erweitern und bestehende Geschäftsfelder ausbauen. 80 Prozent der Befragten planen zudem Verbesserungen beim Controlling.

 

Doch womit genau wollen die Versorger in Zukunft Geld verdienen? Die Mehrheit der Teilnehmer an der Befragung will vor allem in den Ausbau der Wärmeversorgung investieren und so den Erfolg des Unternehmens sichern bzw. steigern.

 

Obwohl der Markt hart umkämpft ist, beabsichtigen 61 Prozent der Befragten, ihr Engagement beim Strom- und Gasvertrieb zu intensivieren. Aus Sicht der Autoren ist das eine nachvollziehbare Entscheidung. Die kommunalen Unternehmen sollten sich ihrer Meinung nach jedoch nicht auf einen „Preiskampf“ einlassen, sondern „vielmehr mit ihrem Image als verlässlicher Partner vor Ort punkten“. Weitere 60 Prozent der befragten Entscheidungsträger wollen auf dem Feld der Erneuerbaren Energien wachsen. Fast ebenso viele setzen auf Investitionen in intelligente Energiesysteme wie Smart Meter. Rund die Hälfte der Befragten verfolgt im Bereich des klassischen Kerngeschäfts, den Versorgungsnetzen, eine expansive Strategie – etwa durch die Bewerbung auf auslaufende Konzessionen. Investitionen in das Thema Breitband sind hingegen nur für ein Drittel der Befragten interessant.

Gehören die sehr hohen Ausschüttungsquoten der Stadtwerke auf den Prüfstand?

Auch um die finanzielle Situation steht es bei einigen kommunalen Unternehmen nicht zum besten: 29 Prozent der Studienteilnehmer sehen sich nicht in der Lage, ihre strategischen Ziele mit den ihnen zur Verfügung stehenden finanziellen Ressourcen umzusetzen. Die Auftraggeber der Studie plädieren angesichts dessen dafür, bei der Finanzierung der Investitionen auf einen ausgewogenen Finanzierungsmix zu achten. Um auch künftig von Gewinnen profitieren zu können, müssten die Eigentümer der Unternehmen in Phasen des Umbaus und der Neuausrichtung verstärkt ihren Beitrag zur Finanzierung leisten, heißt es weiter. „In diesem Kontext sollte die bisher geübte Praxis von sehr hohen Ausschüttungsquoten (bemessen am Gewinn) auf den Prüfstand gestellt werden“, fordern Rödl & Partner.

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de