Drohende Insolvenz der Arena Erfurt

06.10.16 15:58

Stadtwerke Erfurt und Freistaat Thüringen retten Arena Erfurt vor Pleite

Von Ariane Mohl

Die von der Pleite bedrohte neue Erfurter Arena ist gerettet. Die Stadtwerke Erfurt und das Land Thüringen springen mit insgesamt fast 1,4 Millionen Euro ein – für die Opposition im Landtag ein klarer Fall von Verschwendung von Steuergeldern.

Die drohende Insolvenz der Erfurter Arena GmbH ist vorerst abgewendet. Nach den Stadtwerken Erfurt will nun auch das Land Thüringen dem Betreiber der neuen Multifunktionsarena finanziell unter die Arme greifen. Rund 680.000 Euro wird der Freistaat nach MDR-Informationen für die Rettung des Stadions bereitstellen. Ausgezahlt werden soll das Geld allerdings erst, wenn die von den Erfurter Stadtwerken zugesagte Finanzspritze von 714.000 Euro vollständig aufgebraucht ist. Der Freistaat Thüringen ist über die Messe mit 49 Prozent an der Arena Erfurt GmbH beteiligt, die Erfurter Stadtwerke mit 51 Prozent.

 

Thüringens Wirtschaftsstaatssekretär Georg Maier (SPD), der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Messe Erfurt ist, betonte, dass die Betreibergesellschaft des neuen Stadions vor allem durch die Bauverzögerung in Schieflage geraten sei. Das Land stehe deshalb auch weiterhin zur Betreibergesellschaft.

Personalbereich der Arena „zu üppig“ ausgestattet?

Eigentlich sollte die Multifunktionsarena am 31. Juli übergeben werden. Doch dieser Termin war nicht zu halten. Wegen der Verzögerung mussten die Betreiber 15 fest gebuchte Veranstaltungen absagen – und drohten deshalb in die Pleite zu rutschen.

 

Mit der Aufstockung des Kapitals durch Land und Stadtwerke will Maier einen „Geburtsfehler“ der Betreibergesellschaft korrigieren. Man habe seinerzeit nicht ausreichend bedacht, dass es sich bei der Arena Erfurt GmbH um eine Unternehmensgründung handele. „Da ist es immer erforderlich, dass man ausreichend Startkapital zur Verfügung stellt, um eventuelle Risiken abzufedern.“ Wäre der Puffer von Anfang an groß genug gewesen, würde jetzt nicht der Eindruck einer „Rettung“ durch das Land entstehen, betonte der SPD-Politiker gegenüber der Thüringer Allgemeinen. Zugleich mahnte Maier an, dass die Betreibergesellschaft die Kosten vor allem im Personalbereich reduzieren müsse. Dieser sei „vielleicht auch zu üppig ausgestattet“. Langfristig müsse sich die Arena finanziell selbst trage.

Opposition kritisiert Verschwendung von Steuergeldern

Doch daran gibt es deutliche Zweifel. Die Opposition im Erfurter Stadtrat stimmte geschlossen gegen die Finanzspritze. Nach Meinung von CDU und Freien Wählern werde der bewilligte Zuschuss nicht ausreichen, um die Arena dauerhaft wirtschaftlich zu betreiben. Kritik kam auch von der Linken, die der Verwaltung „Überforderung“ vorwarf. Zudem könne man dem Bürger nicht erklären, warum man so viel Geld für die Stadionrettung in die Hand nehme, während die Stadt bei vielen kleinen Projekten mit Blick auf den Haushalt den Rotstift angesetzt habe.

 

Deutliche Worte kamen auch von der Opposition im Erfurter Landtag. Nach Einschätzung des CDU-Landtagsabgeordneten Mario Voigt gibt es „Missmanagement“ – sowohl bei der Stadt als auch bei den Aufsichtsbehörden des Landes. Auch durch die zusätzliche Finanzspritze könne man das Gesamtprojekt kaum dauerhaft auf ein wirtschaftlich solides Fundament stellen. „Die Kosten sind längst aus dem Ruder gelaufen, und die Landesregierung tut nichts, um die Zusammenhänge wirklich nachvollziehbar aufzuklären“, sagt Voigt. Der Abgeordnete fürchtet, dass die Messe Erfurt GmbH durch die Stadion-Rettung selbst in eine finanzielle Schieflage geraten könnte. „Die Messe schreibt rote Zahlen. Ich frage mich, wie sie bei Millionenverlusten die zusätzlichen Lasten schultern soll“, so Voigt. Alles in allem müsse man sich die Frage stellen, ob hier sinnvoll mit Steuergeldern umgegangen werde. Die Stadtwerke Gera, so Voigt, habe man schließlich auch pleite gehen lassen.

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de