Hiobsbotschaft aus Sachsen-Anhalt

07.08.14 15:08

Stadtwerkepleite in Wanzleben

Von Tobias Schmidt

Gerade erst hat die Insolvenz der Geraer Stadtwerke und Verkehrsbetriebe Schlagzeilen geschrieben, schon folgt die nächste Stadtwerkepleite. Diesmal kommt die Hiobsbotschaft aus Sachsen-Anhalt.

Am Donnerstag vergangener Woche haben die Stadtwerke Wanzleben GmbH, eine 100-prozentige Tochter der Stadt Wanzleben-Börde, ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet. Die 15 Mitarbeiter der Stadtwerke leisten die örtliche Wärmeversorgung und betreiben einen Bauhof, ein Spaßbad eine Biogas- sowie eine Solaranlage. Wanzleben-Börde hat rund 15.000 Einwohner und liegt im Bundesland Sachsen-Anhalt.

 

Anfallende Reparaturkosten im sechsstelligen Bereich für ein ausgefallenes Blockheizkraftwerk waren einer der Auslöser der Insolvenz. Nachdem die Zahlungsunfähigkeit eingetreten war, sah sich der erst seit dem 1. Juli dieses Jahres amtierende Geschäftsführer Uli Scholz zur Insolvenzanmeldung gezwungen. Sein Vorgänger Hans-Walter Franke ist erst seit Anfang August im Ruhestand. Offenbar war die äußerst brenzlige Lage der Stadtwerke für Scholz eine handfeste Überraschung. Hätte er dies geahnt, hätte er den Posten gar nicht erst angetreten, sagte Scholz gegenüber DNK.

 

Zwei Tage vor der Insolvenzanmeldung war der Stadtrat noch zu einer nicht-öffentlichen Sitzung zusammengekommen. Den Bedarf zur Vermeidung einer Insolvenz bezifferte man mit einem Betrag zwischen 600.000 und 750.000 Euro, heißt es aus Verwaltungskreisen. Eine Finanzspritze aber kam für Bürgermeisterin Petra Hort nicht infrage. Nicht zuletzt aufgrund der jüngsten Gebietsreform sei die Haushaltslage der Stadt zu angespannt.

 

Im vergangenen Jahr sah das noch anders aus. Bereits damals konnte eine Insolvenz der Stadtwerke nur durch eine Finanzspritze der Stadt über 300.000 Euro vermieden werden. Damals waren die Konten gesperrt worden, nachdem die Stadtwerke einen Rechtsstreit mit einer Berliner Firma wegen angeblichen Pfuschs bei einer Biogasanlage verloren hatten.

Wie geht es weiter?

Als vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Amtsgericht Magdeburg Prof. Dr. Lucas F. Flöther von der Kanzlei Flöther & Wissing bestellt. Der Betrieb werde fortgeführt, versicherte Flöther, die Mitarbeiter erhielten noch bis Ende September Insolvenzgeld.

 

Er werde nun mögliche Sanierungsoptionen prüfen und habe bereits „erste Einzelgespräche mit Gläubigern geführt“, so Flöther gegenüber DNK. Diese hätten ihre Unterstützung zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes zugesagt. Zudem stehe er bereits in Gesprächen mit potentiellen Investoren.

 

Für Petra Hort (Linke), Bürgermeisterin der Stadt Wanzleben-Börde und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke, wäre der Verkauf an einen Investor nur die zweitbeste Lösung. „Wir streben eine Planinsolvenz an, bei der die Stadtwerke vollständig in der Hand der Stadt verbleiben“, sagte Hort gegenüber DNK. Sie räumte aber auch ein, dass sie auf das Insolvenzverfahren keinen direkten Einfluss hat, denn über das weitere Schicksal der Stadtwerke entscheidet Insolvenzverwalter Flöther.

 

Nachdem nun die vorläufige Insolvenz angemeldet worden ist, könnte finanzielle Hilfe von außen wieder in greifbare Nähe rücken. Die Politik habe ihre Bereitschaft zur Unterstützung des Sanierungsprozesses zum Ausdruck gebracht, so Flöther. Inwieweit eine finanzielle Beteiligung möglich sei, könne er jedoch derzeit noch nicht sagen.

 

Die Stadt prüft momentan, ob Hilfe vom Land kommen könnte. Man sei hierzu mit Landesvertretern im Gespräch, sagte Bürgermeisterin Hort. In den kommenden Wochen solle geklärt werden, ob Fördermittel des Landes zur Rettung der Stadtwerke infrage kommen.