Energiewende stürzt Steag in die Krise

13.09.16 10:54

Steag-Krise kostet NRW-Städte Millionen

Von Katharina Schlüter

Der Energiekonzern Steag wird in den kommenden Jahre keine Dividende mehr zahlen. Damit kollabiert das Finanzierungskonstrukt der beteiligten kommunalen Unternehmen. Denn das Stadtwerkekonsortium hatte den Steag-Kauf mit Krediten finanziert, der Schuldendienst sollte über die Dividenden finanziert werden.

Quelle: Steag

Das Kraftwerk in Duisburg-Walsum: Die Folgen der Energiewende machen der Steag zu schaffen.

Der Energiekonzern Steag hat einen radikalen Sanierungskurs angekündigt. Bis zu 1.000 Stellen will der Konzern streichen, Gewinnausschüttungen soll es in den kommenden Jahre keine mehr geben. Für die sieben kommunalen Eigentümer sind dies extrem schlechte Nachrichten. Denn das Stadtwerkekonsortium finanzierte den Steag-Kauf mit Krediten, der Schuldendienst sollte über die Dividenden finanziert werden. Während dieser Plan in den letzten Jahren aufging und sogar noch ein kleines Plus bei den Steag-Eigentümern verbliebt, sieht es für die kommenden Jahre nun düster aus.

 

#Insbesondere den größten Steag-Eigentümer, die Duisburger DVV, trifft dies hart. Der Stadtkonzern war selbst in finanzielle Schieflage geraten, die Stadt half ihrer Tochter mit einem Kredit in dreistelliger Millionenhöhe aus der Finanzierungsklemme. Aktuell läuft im Konzern ein Sanierungsprogramm, hunderte von Stellen werden gestrichen. Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD) äußerte sich gleichwohl verständnisvoll: „Ich befürworte die Strategie der Steag, sich den schwierigen Herausforderungen und nachhaltigen Veränderungen auf dem Energiemarkt zu stellen“, zitiert die WAZ den Oberbürgermeister. Seit dem Erwerb der Steag durch das Stadtwerke-Konsortium hätten sich die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen massiv verändert. Nahezu jedes Unternehmen in der Energiebranche sei von diesen Entwicklungen betroffen. „Aus Sicht der Stadtwerke Duisburg als Anteilseignerin können wir das Vorhaben der Steag, ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu sichern und die Ergebnissituation mittelfristig wieder zu stabilisieren, nur unterstützen“, so Link weiter.

War der Steag-Deal „Zockerei“?

Die aktuelle Krise des Steag-Konzerns bestätigt die vielen Kritiker des Steag-Deals. So hatte beispielsweise Christoph Schmidt, Präsident des Essener Wirtschaftsforschungsinstituts RWI, den beteiligten Städten „Zockerei“ vorgeworfen, die mit dem Steag-Erwerb verbundenen Risiken seien für die Kommunen zu groß und nicht zu überblicken.

 

Zur Historie: Im Dezember 2010 unterzeichnete das Stadtwerke-Konsortium Rhein-Ruhr (KSGB) den Vertrag über eine Mehrheitsbeteiligung an Evonik Steag. Beteiligt waren die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung, die Energieversorgung Oberhausen sowie die Stadtwerke Dortmund, Bochum, Essen, Dinslaken und Duisburg. 

 

k.schlueter@derneuekaemmerer.de