Quelle: Charité-Universitätsmedizin Berlin

Seit die Berliner Charité umstrukturiert wurde, schreibt das größte deutsche Uniklinikum nun schon zum fünften Mal in Folge schwarze Zahlen.

Ineffiziente Prozesse in öffentlichen Krankenhäusern

21.06.17 14:14

Studie: Öffentliche Krankenhäuser sind nicht effizient genug

Von Melanie Weber

Die Kosten öffentlicher Krankenhäuser liegen deutlich über denen privater und kirchlicher Kliniken, zeigt eine PwC-Analyse. Statt die entstandenen Verluste durch die Träger ausgleichen zu lassen, sollten die Kliniken ihre Prozesse effizienter gestalten, fordern die Autoren. Auch der Krankenhausreport schlägt Alarm: Jede zehnte Klinik steht vor der Insolvenz.

Viele öffentliche Krankenhäuser haben ihre Prozesse noch nicht effizient genug organisiert, , um dem Kostendruck in der Branche gegenzusteuern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Kennzahlen von über 100 deutschen Krankenhäusern durch die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Demnach fallen die Kosten öffentlicher Krankenhäuser gegenüber privaten und kirchlichen Kliniken deutlich höher aus. In öffentlichen Kliniken lagen die Ausgaben für Personal und Material laut Studie im Jahr 2015 bei durchschnittlich 95 Prozent des Umsatzes. Nicht nur die privaten, sondern auch die kirchlichen Krankenhäuser arbeiteten hier deutlich effizienter. Bei ihnen betrug der Aufwand für Personal und Material nur 88 bzw. 89 Prozent. Mit anderen Worten, von 1.000 Euro für die Behandlung von Patienten verblieben öffentlichen Häusern 50 Euro, um beispielsweise Instandhaltungen vorzunehmen. Bei nicht-öffentlichen Häusern waren dies im Schnitt mehr als 100 Euro.

 

Die Autoren der Studie kritisieren, dass öffentliche Kliniken stärker als private oder kirchliche Einrichtungen auf Fremdkapital zurückgreifen, um die Defizite auszugleichen. Rund 43 Prozent ihres Geschäfts finanzieren die öffentlichen Kliniken  laut Studie mit Fremdkapital (Bank- oder Gesellschafterdarlehen). Zum Vergleich: Die privaten Kliniken kamen mit 32,6 Prozent, die kirchlichen mit 31,2 Prozent aus. Bei dieser hohen Abhängigkeit von finanziellen Mitteln sei es umso erstaunlicher, dass die Krankenhäuser das eigene Cash-Management nicht an die Spitze ihrer Prioritätenliste stellen, moniert die Studie. „Statt sich Verluste durch Träger ausgleichen zu lassen, sollte zunächst einmal in effizientere Prozesse investiert werden“, sagt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswesen & Pharma bei PwC. Einen der wohl ineffizientesten Prozesse sieht Burkhart in der manuellen und langsamen Erstellung von Rechnungen.

Krankenhausreport: Große Unterschiede zwischen den Ländern

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der Auch der diesjährige Krankenhausreport der RWI, der Healthcare Business GmbH und der Beratungsgesellschaft Deloitte. Alles in allem sei die wirtschaftliche Situation freigemeinnütziger und privater Kliniken um einiges besser als die öffentlich-rechtlicher Krankenhäuser. Laut Studie erzielen großen Krankenhäuser in großen Städten gute Ergebnisse. Im Gegensatz hierzu schlossen nach Informationen des Tagesspiegel rund 25 Prozent der 600 kommunalen Kliniken in Deutschland das Wirtschaftsjahr 2016 mit einem Defizit ab. Alarmierend: Insgesamt steht laut Krankenhausreport deutschlandweit jede zehnte Klinik vor der Insolvenz.

 

Nach Einschätzung der Experten gibt es deutliche Unterschiede zwischen den alten und neuen Bundesländer. In den sächsischen Kommunen gab es im vergangenen Jahr kaum Krankenhäuser, die negative Zahlen schrieben. Im Gegensatz hierzu ist die wirtschaftliche Situation in den westlichen Ländern, unter anderem in Bayern und Baden-Württemberg, am schwierigsten. Grund dieser Unterschiede sind laut Studie die moderneren Krankenhausstrukturen, die nach der Wiedervereinigung in Ostdeutschland geschaffen wurden. Um effizienter zu arbeiten, legen auch die Autoren des Krankenhausreports den Kliniken ans Herz, die Chancen der Digitalisierung stärker zu nutzen – etwa in Form von  digitaler Krankenakten, Fernbehandlung und Robotik.

 

melanie.weber@frankfurt-bm.com