Stadtwerke – fit für die Zukunft?

24.01.17 12:42

Studie: Stadtwerke stellen sich der Energiewende

Von Anne-Kathrin Meves

Der Energiesektor befindet sich im Umbruch, die konventionelle Energieerzeugung steht schwer unter Druck. Kämmerer werden sich daher auf rückläufige Ausschüttungen ihrer Stadtwerke einstellen müssen.

Thinkstock

Stadtwerke sind durch die Energiewende stark unter Druck geraten. Das zeigt auch das Beispiel des modernen Würzburger Heizkraftwerkes, wie Stadtkämmerer Robert Scheller und OB Christian Schuchardt im Interview erklären.

Die Chefs von Stadtwerken sehen sich durch die Energiewende vor große Herausforderungen gestellt: In den aktuell wichtigsten Bereichen Vertrieb von Strom und Gas sowie Netze für Strom und Gas erwarten die Unternehmenslenker in den kommenden fünf Jahren sinkende Ergebnisbeiträge. Den Einbrüchen im traditionellen Bereich begegnen die Stadtwerke mit dem Einstieg in neue Geschäftsfelder. Hoffnungsträger sind insbesondere Energiedienstleistungen, Telekommunikation, Erzeugung aus erneuerbaren Energien sowie Speichertechnologien. Fraglich ist allerdings, ob diese neuen Geschäftsfelder aufgrund ihrer deutlich kleinteiligeren Struktur das großvolumige Altgeschäft ausgleichen können.

Dies sind Ergebnisse der diese Woche veröffentlichten Studie „Stadtwerke – fit für die Zukunft?“, welche die Zeitung Der Neue Kämmerer in Kooperation mit der Universität Leipzig durchgeführt hat (zur Methodik siehe unten).

Kämmerer müssen auf Ausschüttungen verzichten

Für Kämmerer dürften zwei Ergebnisse der Studie  von besonderen Interesse sein: So kommt die Studie erstens zu dem Schluss, dass sich viele Kommunen auf rückläufige Ausschüttungen ihrer bisherigen Cashcows werden einstellen müssen. Aktuell scheinen zwar schon viele Kommunen dazu bereit, ihre Stadtwerke in Zeiten der strategischen Neuausrichtung finanziell zu entlasten. Allerdings wird dies offenbar eher auf Basis der kommunalen Kassenlage als anhand der finanziellen Situation des Stadtwerks entschieden.

Das zweite zentrale Studienergebnis aus kommunaler Sicht ist, dass die Insolvenz der Stadtwerke Gera im Sommer 2014 die Finanzierungsbedingungen deutscher Stadtwerke in der Fläche nicht signifikant verschlechtert hat. Die meisten Stadtwerke können sich nach wie vor unkompliziert über bilaterale Kredite finanzieren.

Für die Studie „Stadtwerke – fit für die Zukunft?“ hat die DNK-Redaktion im Herbst 2016 rund 540 Geschäftsführer und Vorstände deutscher Stadtwerke online angeschrieben, 67 Stadtwerke haben geantwortet. Zusätzlich führte die Redaktion Tiefeninterviews mit den Chefs ausgewählter Stadtwerke. Die Studie wurde in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge an der Universität Leipzig durchgeführt. Unterstützt wurde die Studie zudem von BNP Paribas, BDO sowie Gelsenwasser.

anne-kathrin.meves@frankfurt-bm.com

Inwieweit unterstützt der Haupteigentümer Ihr Unternehmen bei der Finanzierung?

(aktuell und geplant, Mehrfachauswahl, in Prozent)

n=67, Quelle: DNK-Research