Alternative Finanzierung in Mainz

29.11.13 09:40

„Anleihe günstiger als Kommunalkredit“

Von Tobias Schmidt

Herr Beck, die Stadt Mainz hat mit einer 125 Millionen Euro schweren Anleihe den Kapitalmarkt angezapft. Warum?

Günter Beck

Mit einer Floater-Anleihe hat die Stadt Mainz 125 Millionen Euro am Kapitalmarkt eingesammelt. Die Konditionen seien günstiger gewesen als eine vergleichbare Finanzierung über den Kommunalkredit, sagt der Mainzer Stadtkämmerer Günter Beck (Foto) im DNK-Interview.

 

 

Wir haben in letzter Zeit verstärkt festgestellt, dass die normale Kreditaufnahme bei Banken für uns schwieriger wird. Ich gehe davon aus, dass dies mit Basel III und allgemeinen Veränderungen im Bankenbereich zu tun hat. Daher haben wir eine Anleihe ausprobiert, um eine längerfristige Sicherheit ins Schuldenportfolio zu bekommen.

Haben Sie durch die Anleihe den Gläubigerkreis wesentlich erweitern können?

Ja, wenn auch der Großteil Banken und Sparkassen sind, finden Sie unter den Investoren kaum Institute, bei denen wir bislang bereits Darlehen aufgenommen haben. Außerdem sind 10 Prozent des Volumens bei Pensionsfonds und weitere 8 Prozent bei Versicherungen untergekommen. Erfreulich ist auch, dass 8 Prozent des Gesamtvolumens bei ausländischen Investoren im Portfolio gelandet sind.

Und wie war die Nachfrage insgesamt?

Sehr hoch. Das Orderbuch war eine dreiviertel Stunde geöffnet, in dieser Zeit gab es eine Überzeichnung bis auf über 400 Millionen Euro. Aufgrund der hohen Nachfrage haben wir den Betrag von den ursprünglich geplanten 100 Millionen auf 125 Millionen Euro aufgestockt.

Nutzen Sie das Geld in erster Linie für die Investitionsfinanzierung oder für Kassenkredite?

Das Geld wird für die Umschuldung von Kassenkrediten verwendet. Wir wollen mit Blick auf die Zukunft nicht darauf angewiesen sein, im Kassenkreditbereich immer nur quasi das Girokonto zu überziehen. Wir wollen böse Überraschungen vermeiden und uns die erforderliche Liquidität längerfristig sichern.

Sie haben einen Floater emittiert, das heißt eine Anleihe mit variabler Verzinsung. Die Marge orientiert sich am 3-Monats-Euribor. Damit sichern Sie sich zwar die Liquidität, nicht aber die Zinsen …

Das ist zwar richtig, Sie müssen das Instrument aber im Zusammenhang mit unserem gesamten Schuldenmanagement sehen. Die langfristige Sicherung der günstigen Zinsen erreichen wir getrennt von der Anleihe über entsprechende Zinssicherungsinstrumente. Uns ist wichtig, mit Blick auf das Gesamtportfolio die Zinsen möglichst niedrig zu halten und gleichzeitig eine langfristige Kalkulationsbasis zu schaffen.

Die Konditionen der Anleihe sind bei einem Aufschlag von 40 Basispunkten auf den 3-Monats-Euribor gelandet. Sind Sie damit zufrieden?

Ja, damit sind wir sehr zufrieden. Die Anleihe war für uns günstiger als eine entsprechende Finanzierung über Kommunalkredite. Selbst wenn man alle Kosten mit einbezieht, die im Zusammenhang mit der Anleihe entstanden sind, liegen wir unter Kommunalkreditniveau.

Demnach dürften Sie Lust auf mehr haben. Derzeit wird viel über Gemeinschaftsanleihen diskutiert. Steht das bei Ihnen auch auf der Agenda?

Wir haben hierzu bereits eine Vielzahl von Anfragen bekommen. In der kommenden Woche werden wir auch einige Kommunen zu Besuch haben, mit denen wir darüber diskutieren werden. Da das an uns herangetragen wird, werden wir uns darüber Gedanken machen. Eine Notwendigkeit, diesen Weg zu gehen, gibt es für uns aber nicht.

 

t.schmidt@derneuekaemmerer.de