Blockchain in der Finanzierung

28.06.17 15:57

Daimler platziert Schuldschein via Blockchain

Von Katharina Schlüter

Daimler hat gemeinsam mit der LBBW erstmals einen Schuldschein mithilfe der Blockchain-Technologie platziert. Es lohnt also der Blick über den öffentlichen Tellerrand.

Als eines der ersten Unternehmen überhaupt  hat Daimler die Blockchain-Technolgie genutzt, um einen Schuldschein zu platzieren. Gemeinsam mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hat der Stuttgarter Autobauer den gesamten Emissionsprozess erfolgreich mit Hilfe der neuen Technologie dargestellt: von der Initiierung über die Zuteilung bis hin zum Vertragsabschluss. Auch Zinszahlungs- und Rückzahlungsbestätigungen werden über die geschlossene Blockchain komplett digital abgebildet. Wie die DNK-Schwesterpublikation Der Treasurer berichtete hat der Autobauer so 100 Millionen Euro eingesammelt, weitere Transaktionen sollen folgen.

 

Wie der Treasurer weiter berichtet gilt der Schuldschein schon länger als idealtypischer Anwendungsfall für die neue Technologie. Grund dafür sind drei entscheidende Vorteile der dezentralen Datenkette, die die Blockchain darstellt: Alle Teilnehmer verfügen in Echtzeit über denselben Informationsstand, Aktualisierungen der Datensätze können nur im Konsens erfolgen, die dezentral gespeicherten Daten werden zudem kryptografisch signiert. Rückwirkend herrscht damit volle Transparenz, Sicherheit, Datenintegrität und verteiltes Wissen.

Automatisierte Prozesse dank Blockchain

Bei Schuldscheinen automatisiert die Blockchain damit die vielen manuellen Prozessschritte und erleichtert den Austausch zwischen den diversen involvierten Parteien – Emittent, Banken und Investoren. Sogenannte Smart Contracts – also intelligente Verträge in einer programmierbaren Computerform, die sich selbst überwachen – spielen dabei eine wichtige Rolle. Auch andere Banken wie etwa die HSH Nordbank experimentieren deshalb mit Schuldscheintransaktionen per Blockchain.

 

Einige Experten denken schon weiter: Bis 2025 werde auf Basis der Technologie eine Infrastruktur entstehen, über die Geschäfte mit sämtlichen handelbaren Assets – Wertpapiere, Derivate, Devisen, Grundstücke und Co. – abgewickelt werden können, prognostiziert Markus Krall, Managing Director bei der Unternehmensberatung Goetzpartners: „Es werden völlig neue Gebührenmodelle im Banking entstehen“, sagt Krall im Interview mit FINANCE-TV.

 

k.schlueter@derneuekaemmerer.de