NRW-Gemeinschaftsanleihe geht in die nächste Runde

19.02.15 18:06

„Die Investoren haben Interesse an langen Laufzeiten“

Von Tobias Schmidt

Zum zweiten Mal haben sechs NRW-Städte eine Gemeinschaftsanleihe emittiert. Bei einer Laufzeit von 10 Jahren wollen sich die Kämmerer unter anderem günstige Zinsen für ihre Kassenkredite sichern. Die Kommunalaufsicht habe damit kein Problem, sagt Wuppertals Stadtkämmerer Dr. Johannes Slawig.

Auf ein Neues: Zum zweiten Mal wagen sich sechs NRW-Kommunen gemeinsam an den Kapitalmarkt.

Nach dem Debüt im vergangenen Jahr haben am Donnerstag sechs NRW-Städte zum zweiten Mal eine Gemeinschaftsanleihe emittiert. Insgesamt 500 Millionen Euro sammelten die Städte Essen, Wuppertal, Solingen, Herne, Remscheid und Bochum am Kapitalmarkt ein. Das Volumen war damit noch größer als bei der Premiere 2014. Damals waren es 400 Millionen Euro.


Dieses Mal ist Bochum neu dabei, dafür machte Dortmund nicht mit. Derzeit bestehe kein Bedarf, so Dortmunds Stadtkämmerer Jörg Stüdemann (SPD) gegenüber DNK. Zu einem späteren Zeitpunkt sei man aber gerne wieder dabei. Bochum dagegen hatte bei der letzten Emission keinen Bedarf gehabt, nun aber schon. „Wir waren schon an der ersten Auflage der Gemeinschaftsanleihe interessiert“, sagte Frank Zillmann, Leiter der Arbeitsgruppe Zinsmanagement und Finanzsteuerung der Stadt Bochum. „Damals sprachen jedoch kreditstrategische Gründe dagegen, weil wir erst kurz vorher mehrere großvolumige Schuldscheine platziert hatten.“

Umschuldung von Kassenkrediten

Anders als 2014 setzten die NRW-Kämmerer dieses Jahr vollständig auf eine lange Laufzeit von 10 Jahren bei fixem Zinssatz. „Im Zuge der letzten Emission haben wir bemerkt, wie groß das Interesse der Investoren an längeren Laufzeiten ist“, sagte Wuppertals Stadtkämmerer Dr. Johannes Slawig (CDU) gegenüber DNK. „Uns passt das gut, weil wir uns so das derzeit günstige Zinsniveau langfristig sichern können.“ Mit dem erzielten Zinssatz von 1,125 Prozent ist Slawig zufrieden. Dieser sei mit Kommunalkreditkonditionen vergleichbar.


In erster Linie setzen die Kommunen das eingesammelte Geld für die Umschuldung von Liquiditätskrediten ein. Die Kommunalaufsicht habe mit der langfristigen Umschuldung von Kassenkrediten kein Problem, sagte Slawig. Für die Anleihe hätten die Städte nicht einmal eine besondere Genehmigung einholen müssen. Slawig setzt die gesamten 50 Millionen Euro, die er durch die Anleihe erhält, für die Ablösung von Kassenkrediten ein. Andernorts fließen aber auch einige Euros in die Investitionsfinanzierung. Die Stadt Bochum beispielsweise will laut Zillmann von ihrem Anteil in Höhe von 125 Millionen Euro insgesamt 40 Millionen Euro zur Investitionsfinanzierung einsetzen.


Das erklärte Ziel der Emittenten, mit der Maßnahme ihren Gläubigerkreis zu erweitern, haben diese offenbar erreicht. Neben Banken und Sparkassen waren nach Angaben der Deutschen Bank auch Fonds im In- und Ausland beteiligt. Für die Kommunen sind nicht nur institutionelle Investoren interessant, sondern beispielsweise auch Sparkassen aus anderen Bundesländern. Arrangiert wurde die Anleihe von fünf Banken.

Weitere Emissionen?

Nach dem Debüt im Jahr 2014 sei der Aufwand für die zweite Emission deutlich geringer gewesen, sagte Wuppertals Kämmerer Slawig. Das liege  auch daran, dass im Wesentlichen die gleichen Kommunen beteiligt waren wie 2014. Eine weitere Auflage kann  sich der Kämmerer gut vorstellen. Bei einem Kassenkreditbestand von 1,5 Milliarden Euro liegt der Anteil des Anleihevolumens in Wuppertal nach der Emission vom Donnerstag noch bei unter 10 Prozent.


Nicht nur eine Neuauflage der NRW-Anleihe, sondern auch eine neue Gemeinschaftsanleihe wäre in nächster Zeit denkbar. „Zahlreiche Städte prüfen aktuell die Emission von Gemeinschaftsanleihen“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bank. Allerdings könne er derzeit noch keine Namen nennen. Bereits im Jahr 2013 gab es entsprechende Gespräche in Rheinland-Pfalz. Nachdem man in Schleswig-Holstein die Idee einer Gemeinschaftsanleihe zunächst verworfen hatte, wurde hier im vergangenen Jahr über eine gemeinschaftliche Schuldscheinfinanzierung diskutiert.


t.schmidt@derneuekaemmerer.de