Investoren beharren auf Rating

01.10.15 10:44

Studie: Alternative Finanzierung für Kommunen immer wichtiger

Von Katharina Gail

Schuldscheindarlehen, Anleihe, Crowdfunding: Bislang standen deutsche Kommunen derlei alternativen Finanzierungsformen zögerlich gegenüber. Nun weist eine Studie aus: Auch wenn Kämmerer den Aufwand so mancher Alternative nach wie vor scheuen, das Interesse wächst.

Angesichts eines sich verknappenden Kreditangebots steigt unter den Kommunen das Interesse für alternative Finanzierungsquellen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der IKB Deutsche Industriebank, die in Zusammenarbeit mit Beratungsunternehmen IR.on entstanden ist. Darin haben die Autoren 20 Kämmerer aus der Gruppe der 150 größten deutschen Kommunen sowie 20 Investoren und Finanzinstitute mit einer Bilanzsumme zwischen 300 Millionen Euro und 900 Milliarden Euro befragt.

 

In der Studie gaben rund zwei Drittel der befragten Kämmerer an, heute weniger Angebote von Banken zu erhalten als noch vor fünf Jahren. Insbesondere hoch verschuldete Städte betrachteten sich als abhängig vom Kreditmarkt. Sie seien deshalb offen für alternative Formen der Kommunalfinanzierung.

Vor- und Nachteile alternativer Finanzierungsformen

Nach den interessantesten Alternativen zum Kredit befragt, benannte die Mehrheit der Kämmerer das Schuldscheindarlehen. Als Vorteile dieser Finanzierungsform wurden günstige Konditionen, lange Laufzeiten und der Umstand benannt, die Investorenbasis damit zu erweitern.

 

Öffentlich Private Partnerschaften (ÖPP) seien in den Kommunen darüber hinaus fest etabliert, schreiben die Autoren. Daneben befänden die befragten Kämmerer auch Bürgerkredite als potenziell geeignet zur Projektfinanzierung. Wenn dieser auch aus wirtschaftlichen Motiven nicht sinnvoll sei, könne politisch sinnvoll sein, Bürger übers Crowdfunding in Projekte einzubeziehen.

 

Auch wenn der Aufwand abschreckt, kann sich die Hälfte der Kämmerer neben den genannten Modellen auch eine Städte- bzw. Gemeinschaftsanleihe vorstellen oder hat bereits eine am Markt platziert.   

Investoren plädieren für ein Rating der Kommunen

Die befragten Investoren und Finanzinstitute zeigen an den Kommunen unterdessen großes Interesse. Gleichsam plädiert aber ein Teil dieser Gruppe für ein externes Rating der Städte. Das erleichtere die Einschätzung der Bonität. Ratings, Reportings oder Investorenpräsentationen, wie am Kapitalmarkt üblich, würden von den Kämmerern bislang kaum bereitgestellt.

 

Die konkrete Finanzlage einer deutschen Kommune sei für die Investoren zwar nach wie vor kein Ausschlusskriterium. Gleichzeitig würde aber innerhalb der Assetklasse zwischen der Bonität einer jeweiligen Stadt ausdifferenziert.

 

k.gail@derneuekaemmerer.de