Quelle: Stadt Kassel/Martina Eull

Der Obelisk des Künstlers Olu Oguibe auf dem Königsplatz gehörte zu den aufsehenerregendsten Kunstwerken der diesjährigen Documenta.

Standort Athen verursacht Defizit bei Documenta

21.09.17 17:49

8-Millionen-Euro-Bürgschaft für die Documenta und viele offene Fragen

Von Ariane Mohl

Der Standort Athen ist für die Kostenexplosion bei der Documenta verantwortlich. Das ist das Ergebnis des Zwischenberichts einer vom Aufsichtsrat beauftragten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Der Kasseler OB Geselle und Hessens Kunstminister Rhein haben viele offene Fragen, wollen die Documenta aber mit einer Bürgschaft retten.

Um das Defizit der Kunstausstellung Documenta auszugleichen, hat der Documenta-Aufsichtsrat auf seiner Sitzung am heutigen Donnerstag ein Darlehen in Höhe von acht Millionen Euro beschlossen. Dieses soll durch eine Bürgschaft der Stadt Kassel und des Landes Hessen zu jeweils 50 Prozent gesichert werden. Das gab Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Hessens Kunstminister Boris Rhein (CDU) bekannt.

 

Nach Angaben von Geselle, der Vorsitzender des Documenta-Aufsichtsrates ist, beläuft sich das bilanzielle Defizit der Documenta auf 5,4 Millionen Euro. Das Liquiditätsdefizit im Wirtschaftsplan der Documenta bezifferte der OB auf die genannten sieben Millionen Euro. Um einen „Sicherheitspuffer“ zu haben, habe man sich auf ein Darlehen in Höhe von acht Millionen Euro geeinigt, führte der SPD-Politiker weiter aus.

 

Für die Budgetüberschreitung machten Geselle und Rhein den Ausstellungsstandort Athen verantwortlich. Details nannten beide nicht. „Die Mitglieder des Aufsichtsrates haben noch offene Fragen zu Personal, Ausstellungsorten und Transport“, so der OB.

Teurer zweiter Documenta-Standort

Minister Rhein ergänzte, dass es sich bei dem Ausstellungsort Athen nicht um eine Fehlentscheidung gehandelt habe. Der Standort sei von Anfang an fester Bestandteil des künstlerischen Konzepts der Ausstellung gewesen und habe nie zur Disposition gestanden. Im Zuge der weiteren Aufarbeitung der Budgetüberschreitung müsse es nun vielmehr darum gehen, die Vorgänge in Athen genau unter die Lupe zu nehmen. „Wir wollen wissen, wer wann welchen Auftrag gegeben und wer wann welchen Knopf gedrückt hat, der dann eine Überweisung ausgelöst hat“, sagte Rhein.

 

 

Auch Oberbürgermeister Geselle betonte mehrfach, wie wichtig die künstlerische Freiheit sei. Diese schließe aber nicht die Freiheit von dem einmal festgelegten wirtschaftlichen Rahmen der Veranstaltung aus.

Documenta künftig gemeinsam mit dem Bund?

Rhein führte weiter aus, dass die Documenta organisatorisch wie auch finanziell mehr und mehr an ihre Grenzen stoße. Daher sei es nötig, für kommende Kunstausstellungen zu überlegen, ob man andere Strukturen brauche. OB Geselle ergänzte, dass dazu auch ein zeitgemäßes Controlling gehöre. Das bisherige Controlling der Documenta sei offenbar „ausbaufähig“.

 

Nach Überzeugung von Rhein sollte darüber hinaus überlegt werden, mit dem Bund einen dritten Gesellschafter ins Boot zu holen. Das könnte ein wichtiger Mosaikstein in der künftigen Ausrichtung der Documenta sein.

Documenta-Chefin bleibt an Bord

Nicht äußern wollten sich Geselle und Rhein zu möglichen personellen Konsequenzen. Die bisherige Documenta-Geschäftsführerin Annette Kulenkampff behält also vorerst ihren Vertrag.

 

Kritik an der Arbeit des Aufsichtsrates wiesen Geselle und Rhein zurück. Das Kontrollgremium habe am 28. August von dem Finanzloch erfahren und umgehend reagiert. Beide kündigten an, weiter Licht ins Dunkel der Beinahe-Insolvenz bringen zu wollen. Bei dem vorliegenden Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft handele es sich lediglich um ein Zwischenergebnis. „Dabei hat sich gezeigt, dass es weiterer Untersuchungen bedarf“, sagte Rhein. Hierbei sei Gründlichkeit wichtiger als Schnelligkeit.

 

Am kommenden Montag sollen der Kasseler Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung über die Bürgschaft für die Documenta entscheiden. „Wer dagegen stimmt, sollte sich darüber klar sein, dass er die gGmbH in die Gefahr einer Insolvenz bringt“, betonte OB Geselle.  

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de