Studie zur Finanzlage der Kommunen

22.11.16 11:38

Großstädte verschulden sich immer weiter

Von Ariane Mohl

Alarmierendes Ergebnis einer neuen Studie: Stark verschuldete Städte geraten immer tiefer in die Verschuldung. Besonders bedrohlich ist die Situation in NRW. Droht die kommunale „Zweiklassengesellschaft“?

Thinkstock/Getty Images/filmfoto

Bedrohliche Entwicklung: Die Gesamtverschuldung der ohnehin stark verschuldeten Städte steigt weiter an.

Trotz sprudelnder Steuereinnahmen und niedriger Zinsen rutschen immer mehr deutsche Städte tiefer in die roten Zahlen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, für die die Verschuldungssituation von Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern unter die Lupe genommen wurde. Neben den Kernhaushalten wurden auch die Schulden der Extrahaushalte und Unternehmen, an denen die Kommunen zu 100 Prozent beteiligt sind, berücksichtigt.

 

Von 73 untersuchten Großstädten hatten demnach im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte mit einem Schuldenanstieg zu kämpfen. Betroffen sind vor allem die nordrhein-westfälischen Städte: 19 von 29 NRW-Städten mussten zusätzliche Kredite aufnehmen.

 

In vielen anderen Bundesländern, insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg, gab es hingegen eine positive Entwicklung. Die meisten Städte konnten Schulden abbauen. Im Ergebnis ging die Gesamtverschuldung aller untersuchten 73 Großstädte um 0,2 Prozent auf 80,9 Milliarden Euro zurück.

Wer arm ist, wird noch ärmer

Die Studie bezeichnet es als problematisch, dass stark verschuldete Städte immer tiefer in die Schuldenfalle geraten. Daran könne offenbar auch die positive Konjunktur- und Einnahmeentwicklung der vergangenen Jahre nichts ändern. Vor allem die Entwicklung in NRW sei besorgniserregend. Von 20 deutschen Großstädten mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung liegen 13 in Nordrhein-Westfalen. Schaut man sich die Liste mit den 20 Städten an, die am niedrigsten verschuldet sind, tauchen dort gerade mal drei NRW-Städte auf: Düsseldorf, Paderborn und Hamm. Die Großstädte mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung sind Oberhausen (9.792 Euro), Saarbrücken (8.739 Euro) und Mülheim an der Ruhr (8.527 Euro).

 

Bernhard Lorentz, bei EY zuständig für den öffentlichen Sektor, warnt angesichts dessen vor einer weiteren „Zementierung der Zweiklassengesellschaft unter deutschen Kommunen“. Diese könne nur schwer wieder rückgängig gemacht werden. „Es muss eine Lösung gefunden werden für hoch verschuldete Städte in strukturschwachen Regionen, die kaum von der guten Konjunktur profitieren und deren Attraktivität sowohl für Bürger als auch für Unternehmen zunehmend leidet“, fordert Lorentz.

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de