Quelle: Peter Prengel, Stadt Essen

Skyline der Stadt Essen

Bauboom belastet Kassen von Kommunen

29.06.17 14:33

Kostenexplosion bei Bauprojekten macht Kommunen zu schaffen

Von Ariane Mohl

Kostensteigerungen um über 40 Prozent, immer weniger Angebote auf Ausschreibungen: Der Boom in der Baubranche bereitet Kommunen Kopfzerbrechen.

Der aktuelle Boom in der Bauwirtschaft stellt Kommunen in ganz Deutschland vor große Herausforderungen. Wie die WAZ berichtet, wird es immer schwieriger, Bauprojekte zu den kalkulierten Kosten umzusetzen. So musste die Stadt Essen in mehreren Fällen Neuausschreibungen auf den Weg bringen, weil die eingegangen Angebote um mehr als 20 Prozent über den Vorstellungen der Stadt lagen.

 

Zusätzlich stehe die Stadt vor dem Problem, sowohl im Hoch- als auch im Tiefbau aus immer weniger Angeboten wählen zu können. Dieter Schmitz, stellvertretender Dezernent der Stadt Essen für den Baubereich, kritisiert in der WAZ, dass ausgerechnet öffentliche Förderprogramme, etwa für die Schulsanierung, eine Kostenexplosion beförderten. Die Stadt Essen will laut Schmitz künftig versuchen, Projekte so wie früh wie möglich auszuschreiben, um Kosten zu sparen.

Kostenexplosion: Stadtrat legt Bauprojekt auf Eis

Andernorts ist die Situation offenbar noch dramatischer. In dieser Woche stoppte der Stadtrat der 20.000-Einwohner-Stadt Auerbach im sächsischen Vogtlandkreis ein bereits beschlossenes Bauprojekt am Schlossplatz. Der Grund: Die Befestigung des Areals mit Pflastersteinen und Asphalt wäre für die Stadt über 40 Prozent teurer geworden als geplant, schreibt die Freie Presse. Das könne man den Bürgern nicht vermitteln. Schließlich würden der Stadt auch bei drei Straßenbauprojekten die Kosten davonlaufen.

 

Kommunen, die ihre marode Infrastruktur sanieren müssen, empfiehlt der Freiburger Ökonom und Wirtschaftsweise Lars Feld, bei Bauprojekten unbedingt Prioritäten zu setzen (vgl. DNK 2/2017). „Wer jetzt seine ganze Infrastruktur auf Vordermann bringt, wird dies unnötig teuer bezahlen“, warnt er. Kommunen seien gut beraten, bei nicht aufschiebbaren Projekten klare Kosten-Nutzen-Analysen vorzunehmen und auf unwirtschaftliche Insellösungen zu verzichten.  

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de