Quelle: Kassel Marketing GmbH

Frontansicht des Museum Fridericianum in Kassel, einer der Ausstellungsorte der documenta.

Bürgschaften in Millionenhöhe für die documenta

14.09.17 14:55

Land Hessen und Stadt Kassel retten documenta vor Insolvenz

Von Ariane Mohl

Im Etat der documenta hat sich ein Loch von mehreren Millionen Euro aufgetan. Die Pleite der Kunstschau soll durch eine Finanzspritze des Landes Hessen und der Stadt Kassel abgewendet werden. Oberbürgermeister Geselle will für Transparenz sorgen. Wirtschaftsprüfer sollen sich nun die Bücher der documenta ansehen.

Die documenta in Kassel ist in eine erhebliche finanzielle Schieflage geraten. Um die Veranstalter-Gesellschaft der weltweit bekannten Ausstellung zeitgenössischer Kunst, die gemeinnützige documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs-GmbH, vor der Insolvenz zu bewahren, wollen das Land Hessen sowie die Stadt Kassel Bürgschaften von jeweils über 3,5 Millionen Euro übernehmen.

 

Wie der Aufsichtsratsvorsitzende und Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) am Dienstag mitteilte, fiel die Entscheidung für die Rettung der Kunstschau auf einer Sondersitzung des Kontrollgremiums Ende August. „Der Betrieb der aktuell laufenden documenta 14 ist bis zu ihrem planmäßigen Abschluss am 17. September 2017 in jedem Fall gewährleistet“, fügte der OB in seiner Erklärung hinzu.

Wirtschaftsprüfer nehmen die Documenta unter die Lupe

Zugleich kündigte Geselle an, die Vorgänge um die documenta aufklären zu wollen. Die Geschäftsführung der GmbH sei beauftragt worden, einen ausführlichen Bericht zur wirtschaftlichen Lage der Gesellschaft vorzulegen. Überdies habe der Aufsichtsrat eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beauftragt. Erst sobald deren Bericht vorliegt, will sich auch Hessens Kunstminister Boris Rhein (CDU) zu dem Finanzloch äußern.

 

Eine schnelle Aufklärung des Finanzdebakels fordert auch der Bund der Steuerzahler. „Geschäftsführung und Aufsichtsrat hätten darauf achten müssen, dass das nicht aus dem Ruder läuft“, sagte Joachim Papendick, Vorsitzender des Steuerzahlerbunds in Hessen, der Nachrichtenagentur dpa. Für die nächste documenta müsse es in jedem Fall Konsequenzen geben.

 

Zur Halbzeit der Veranstaltung hatten die documenta-Verantwortlichen noch eine positive Zwischenbilanz gezogen. Die Besucherzahlen seien gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent gesteigert worden.

 

Die Geschäftsführerin der documenta-Gesellschaft, Annette Kulenkampff, hatte allerdings im Mai in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa beklagt, dass der Etat der documenta im Verhältnis zur Finanzierung von Theatern zu niedrig sei.

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de