EWE-Skandal

23.02.17 12:59

EWE-Skandal: Vorstandschef Matthias Brückmann entlassen

Von Anne-Kathrin Meves

Matthias Brückmann, Vorstandsvorsitzender der Oldenburger EWE AG, verliert seinen Job. Damit reagierte der Aufsichtsrat auf zahlreiche Vorwürfe, die sich gegen Brückmann richten, sowie eine eigenmächtig überwiesene Spende an die Klitschko-Stiftung. Doch mit dem Rauswurf des Vorstandsvorsitzenden dürfte der Skandal noch nicht beendet sein.

Der EWE-Vorstandsvorsitzende Matthias Brückmann ist mit „sofortiger Wirkung aus seinem Amt und dem Unternehmen zu entlassen“. Die Entscheidung für den Rauswurf aus dem Oldenburger Energieversorger begründete der Aufsichtsrat mit einem Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG über mehrere Vorwürfe, darunter eine Spende in Höhe von 253.000 Euro an die Klitschko-Stiftung, sowie mit „einer Vielzahl diverser grober Verfehlungen“, wie es in der gestrigen Unternehmensmitteilung heißt. Weitere Details wurden jedoch nicht genannt.

Im vergangenen Dezember gingen bei EWE anonyme Briefe ein. Diese enthielten laut Handelsblatt eine ganze Reihe an Vorwürfen gegen Brückmann, der das Unternehmen seit Oktober 2015 leitete. Unter anderem soll der nun geschasste Vorstandsvorsitzende einem Pizzeria-Kellner bei der Stromrechnung geholfen, sowie Fahrerflucht mit seinem Dienstwagen begangen haben. Der schwerwiegendste Vorwurf ist jedoch die Spende an die Klitschko-Stiftung, die Brückmann eigenmächtig überwiesen haben soll.

Brückmanns Anwalt rückt diese Vorwürfe jedoch in ein anderes Licht. Beim Stichwort Pizzeria gehe es um den Zahlungsrückstand eines Kellners, der zugleich EWE-Kunde war, berichtet die Zeitung. Der Mann habe Brückmann um Hilfe oder Rat gebeten. Doch bevor der Vorstandsvorsitzende aktiv werden konnte, sei die Rechnung schon beglichen gewesen. Die angebliche Fahrerflucht sei in Wirklichkeit ein Lackschaden. Brückmann touchierte eine Betonwand und meldete den Vorfall am nächsten Tag an der zuständigen Stelle im Unternehmen.

Brückmann zahlte Spende an EWE zurück

Bei der Spende räumte Brückmann hingegen Fehler ein. Im Februar zahlte er schließlich die 253.000 Euro aus eigener Tasche an die EWE zurück. „Das ist ein starkes Signal und zeigt Größe. Dieses werden wir selbstverständlich bei unserer Bewertung mit berücksichtigen“, kommentierte Anfang Februar Aufsichtsratschef Stephan-Andreas Kaulvers. Trotzdem wurde Brückmann nun entlassen.

Sein Anwalt kündigte bereits vorab juristische Schritte an. Brückmann sei „jegliche Möglichkeit genommen, gegenüber dem Aufsichtsrat zu den erhobenen Vorwürfen persönlich Stellung zu nehmen und diese damit in dem zuständigen Gremium auszuräumen“, schrieb der Anwalt laut Zeitungsbericht. Nicht einmal der bestellte Untersuchungsbericht von KPMG zu den angeblichen Vergehen von Brückmann sei komplett gewesen, als das Aufsichtsratspräsidium Brückmanns Abberufung empfahl.

Doch bei der EWE dürfte es auch nach Brückmanns Rauswurf noch rumoren. Denn gegen einen der beiden verbliebenen Vorstände, Michael Heidkamp, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Anfangsverdachts der Untreue, schreibt das Handelsblatt. Dazu kämen Unregelmäßigkeiten in der größten Konzernsparte EWE Netz. Schon im Oktober 2016 habe es dort Hinweise auf Geschäfte mit „Bargeldzahlungen und Geldkuverten“ gegeben. Der Aufsichtsrat will diese Vorwürfe laut Unternehmensmitteilung nun unter Hinzunahme einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft rückhaltlos aufklären.

anne-kathrin.meves@frankfurt-bm.com