Schadenersatz wegen Derivatgeschäften

26.07.16 16:29

Mainzer Wohnbau sucht nach Erben ihres Ex-Geschäftsführers

Von Ariane Mohl

Hochriskante Derivatgeschäfte hätten 2009 fast zur Pleite der Mainzer Wohnbau geführt. Einen Teil des Schadens will sich das Unternehmen von seinem damaligen Geschäftsführer ersetzen lassen. Doch der ist 2015 verstorben. Nun sollen die Erben einspringen.

Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Mainz, Wohnbau, fahndet weltweit nach einem Erben ihres 2015 verstorbenen ehemaligen Geschäftsführers Rainer Laub. Hintergrund dieser ungewöhnlichen Aktion ist ein seit Jahren laufendes Schadenersatzverfahren, in dem es um mehrere Millionen Euro geht.

 

Nach Informationen der Allgemeinen Zeitung hatte Laub in den Jahren 2006 und 2008 hochspekulative Derivatgeschäfte abgeschlossen, die kurz darauf beinahe zur Pleite der Wohnbau geführt hätten. Das Unternehmen reichte daraufhin Klage gegen seinen Geschäftsführer ein. Vor Gericht forderte die Wohnbau Schadenersatz in Höhe von 14 Millionen Euro.

Laubs Erben haben Angst vor den Wohnbau-Forderungen

Eigentlich sollte Laubs Versicherung für den Schaden aufkommen, doch das scheiterte an einer fehlenden Unterschrift des Beklagten. Nach dessen Tod richtete sich die Forderung an Laubs Witwe. Diese einigte sich mit der Wohnbau auf einen Vergleich: Die Versicherung sollte zwei Millionen Euro an das Unternehmen zahlen. Doch ehe der Vergleich rechtskräftig wurde, verstarb auch Frau Laub.

 

Wie der SWR berichtet, sollen die nächsten Erben die Hinterlassenschaft ausgeschlagen haben. Zu groß ist die Angst, im Zusammenhang mit der millionenschweren Schadenersatzforderung der Wohnbau zur Kasse gebeten zu werden.

 

Das kommunale Unternehmen lässt nun nach weiteren Hinterbliebenen suchen. Findet sich niemand, der das Erbe antritt, fällt die Hinterlassenschaft – und damit wohl auch die Schadenersatzforderung – an den Staat.     

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de