Schaffe, schaffe, Häusle modernisiere

Mit neuen Finanzierungsmodellen Klimaschutzziele im Gebäudemanagement umsetzen

Von Susann Bollmann

Öffentliche Gebäude sollen energieeffizienter werden, hat die Bundesregierung vorgegeben. Die Finanzierung obliegt weitgehend den Kommunen.

106.000 Gebäude sind hierzulande im Besitz der öffentlichen Hand. Wollte man diese den deutschen Klimaschutzzielen entsprechend modernisieren, müsste der Staat dafür 3,3 Milliarden Euro aufbringen. Gegenwärtig werden davon nur 0,6 Milliarden Euro mobilisiert. Die jährliche Investitionslücke liegt damit bei rund 2,7 Milliarden Euro. Einen Großteil davon werden in Zukunft die Kommunen stemmen müssen. Besitzen diese doch vier Fünftel des öffentlichen Gebäudebestands.

 

Für Kommunen birgt die Gebäudemodernisierung neben dem finanziellen Aufwand unterdessen auch Vorteile: Die Energiekosten verringern sich nachhaltig und entlasten so den Haushalt. Außerdem können Städte und Gemeinden über die Modernisierung Arbeitsplätze sichern, sofern sie die Aufträge regional vergeben. „Defizitäre“ und „notleidende“ Kommunen werden trotzdem deutlich seltener aktiv als solche Städte und Gemeinden, denen es gutgeht. Der Zugang zu Fördermitteln ist ihnen häufig versperrt, weil selbst KfW-Programme Eigenanteile voraussetzen.* Eine angespannte Haushaltslage hemmt die Kommunen aber auch indirekt, die Energiesparprojekte umzusetzen: Oftmals haben sie weder die Möglichkeiten, Fachleute einzustellen, noch Berater oder Sachverständige zu beauftragen. Das führt häufig zu Wissensdefiziten über Modernisierungspotentiale und behindert die Planung und Koordination von Projekten.

 

Um auch Kommunen mit knappen Kassen den Zugang zu Energieeffizienz- Finanzierungen zu erleichtern, hat unter anderem das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit das Projekt „effin – Finanzforum Energieeffizienz in Gebäuden“ ins Leben gerufen. Die Projektgruppe, koordiniert von der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) und dem WWF, hat Ansätze ausgearbeitet, wie Kommunen die Modernisierung ihres Gebäudebestands finanzieren können: z.B. durch das sogenannte Contracting. Bei diesem Ansatz überträgt ein Gebäudeeigentümer die Anforderung der Effizienzsteigerung an einen externen Dienstleister.

Bürger beteiligen

Wie eine Kommune ein Modell aus der New Economy erfolgreich einsetzen kann, zeigt ein Beispiel aus Frankfurt am Main: In nur 28 Tagen investierten Bürger im Rahmen eines Crowdfundings insgesamt 79.950 Euro in ein modernes Blockheizkraftwerk (BHKW). Das Kraftwerk versorgt das zentral gelegene „Livingston Palais“ mit Wärme und Strom. Die jährlichen CO2-Emissionen des Gebäudes wurden um 37 Prozent gesenkt, die Energiekosten um über 8 Prozent. Für dieses Projekt hat die Stadt Frankfurt mit dem Planungs- und Contracting-Unternehmen Kraftkontor und der Crowdfunding- Plattform bettervest.de zusammengearbeitet. Der Stadt gehört das Gebäude, Kraftkontor plante und installierte die Kraft-Wärmekopplungsanlage, und bettervest organisierte das Crowdfunding. Eine Finanzierungsform, bei der ein Schwarm an Kleininvestoren ein Projekt stemmt.

 

Nachdem keine Investitionskosten für die Stadt anfielen, ergaben sich zusätzliche Vorteile durch die alternative Finanzierung: Weil die Wärmekosten über drei Jahre 200.000 Euro nicht übersteigen, bestand keine Ausschreibungspflicht nach VOL/A. Städtische Vergaberichtlinien kamen ebenfalls nicht zum Tragen. Das ermöglichte einen unbürokratischen Prozess. Die entscheidenden Weichen für den Erfolg der Modernisierung wurden gleich am Anfang gestellt, denn die Barrieren lagen nicht nur in den planerischen und technischen Herausforderungen, sondern auch in mangelnden Ressourcen. So war in Frankfurt der in BHKW-Fragen geschulte Mitarbeiter in den Ruhestand gegangen. Deswegen holte Kraftkontor das Energiewirtschafts- und das Liegenschaftsamt der Stadt an einen Tisch. Für die Abschätzung der konkreten Machbarkeit musste die Stadt Objektdaten wie die Nutzungsart des Gebäudes und Abrechnungen für Strom und Wärme vorlegen.

 

Die öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP) setzt sich unterdessen im laufenden Betrieb fort: Die Kommune hat mit Kraftkontor ein Contracting mit Einspargarantie vereinbart. Das Unternehmen liefert nun nicht nur die Wärme, sondern betreibt und wartet auch die Heizungsanlage, zu der neben dem BHKW ein Spitzenlastkessel gehört.

Wartungsrisiko entfällt

Das Wartungsrisiko für die Stadt entfällt also. Sie verpflichtet sich lediglich, die Wärme zum vereinbarten Preis abzunehmen. Darüber wird wiederum das Projekt refinanziert. Das Blockheizkraftwerk gehört zunächst Kraftkontor. Am Ende der Vertragslaufzeit hat die Kommune die Möglichkeit, während der Verlängerung des Contractings die KWK-Anlage zum Übernahmekaufwert in ihr kommunales Eigentum zu übernehmen, oder sie kann Kraftkontor dazu verpflichten, die Anlage zurückzubauen.

 

Die Kombination des Contractings mit dem Crowdfunding bietet noch weitere Vorteile: Bürger erhalten die Möglichkeit, sich an der städtischen Energiewende zu beteiligen und davon finanziell zu profitieren. Die Kommune kann das Projekt wiederum für Public-Relations-Aktivitäten nutzen.

Susann Bollmann ist Projektmanagerin bei der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF). Weitere Praxisbeispiele innovativer Finanzierungen für Kommunen finden sich unter www.effin.info.

 

susann.bollmann@deneff.org


* Klarstellung durch KfW

"In dem Artikel geht es um energieeffiziente Sanierungen an öffentlichen Gebäuden durch Kommunen. Die KfW bietet speziell zu diesem Zweck das Förderprogramm „IKK – Energetische Stadtsanierung – Energieeffizient Sanieren“ (Programm Nr. 218) an. Mit diesem durch den Bund besonders zinsverbilligten Förderdarlehen lassen sich sowohl Sanierungen öffentlicher Nichtwohngebäude auf einen KfW-Effizienzhausstandard finanzieren, als auch energetische Einzelmaßnahmen. Für Ersteres gibt es neben dem Zinssatz von derzeit 0,05% Zinsen p.a. (20 Jahre Laufzeit, 10 Jahre Zinsbindung) sogar Tilgungszuschüsse. Evtl. im Programm 218 nicht abgedeckte Investitionskosten können ergänzend über unser Basis-Programm „IKK – Investitionskredit Kommunen“ (Programm 208) finanziert werden. Somit ist über die KfW eine 100%-Finanzierung der Investitionskosten für energetische Sanierungen ohne Erbringung eines Eigenanteils möglich."