Nord Stream II ist aus dem Rennen. Nun sollen schwimmende LNG-Terminals unter anderem in Brunsbüttel die Gasversorgung Deutschlands sichern.

Bundeskanzler Olaf Scholz möchte russisches Gas durch Flüssiggas (LNG) ersetzen und dafür Flüssiggasterminals bereitstellen. Brunsbüttel soll ein schwimmendes LNG-Terminal erhalten. Dadurch könnte zusätzliches Gas für die Energieversorgung importiert werden. Bereits seit 2011 bemüht sich Frank Schnabel, Geschäftsführer der Brunsbüttel Ports GmbH, zudem um die Ansiedlung eines festen LNG-Terminals des niederländischen Unternehmens Gasunie. „Der Nordschleswiger“ zitiert ihn selbstbewusst: „Brunsbüttel ist zwar ein kleines Nest, aber wir machen globale Wirtschaftspolitik.“ Nun nimmt das Projekt Fahrt auf. An der Projektgesellschaft German LNG Terminal GmbH beteiligt sich der Bund mit 50 Prozent, Gasunie mit 40 Prozent und RWE mit 10 Prozent. Die Inbetriebnahme ist für das Jahr 2026 geplant..

Brunsbüttel hofft auf Einnahmen

Die Stadt Brunsbüttel kann neue Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler gut gebrauchen. Der aktuelle Haushalt schließt mit einem Fehlbetrag von rund 10 Millionen Euro ab – bei einem Gesamtaufwand von 55 Millionen Euro. Auch in den kommenden Jahren dürfte das Eigenkapital der Stadt weiter aufgezehrt werden. Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer sind in den vergangenen Jahren deutlich von 29,7 Millionen Euro 2018 auf 15,6 Millionen Euro 2021 eingebrochen. Für 2022 plant die Stadt mit 18,8 Millionen Euro. Zwar werden bis zur Inbetriebnahme der Terminals noch einige Jahre verstreichen. Doch bereits jetzt planen einige Unternehmen Investitionen, die die Wertschöpfung und damit das Steueraufkommen vor Ort erhöhen dürften.

Leuchtturmprojekt für Schleswig-Holstein

Das an der Elbemündung gelegene Brunsbüttel verfügt mit dem ChemCoast Park über das größte Industriegebiet Schleswig-Holsteins. Der Energiebedarf ist groß, aber auch das verfügbare Angebot unter anderem an Windstrom. Zusätzlich plant beispielsweise RWE ein Terminal für den Import von klimaneutral erzeugtem Ammoniak, das als Zwischenspeicher für Wasserstoff dient. Damit bietet sich eine enge Zusammenarbeit der ansässigen Firmen an, die zu einer größeren Wertschöpfung vor Ort führt. Die Genehmigungsverfahren für das LNG-Terminal will die Landesregierung im Zusammenspiel mit dem Bund deutlich beschleunigen. Das Projekt wird für Schleswig-Holstein zunehmend zum Aushängeschild für die Gestaltung einer versorgungssicheren Energiewende.

g.schilling@derneuekaemmerer.de

Info

Auch Wilhelmshaven ist als Standort für ein LNG-Terminal vorgesehen. Zur Rolle der Stadt als „Energiedrehscheibe“ hat #Stadtvonmorgen ein Interview mit Oberbürgermeister Carsten Feist veröffentlicht.

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