Die Kohlesparte des Energiekonzerns Steag erlebt einen zweiten Frühling. Nun wollen die Eigentümer das Unternehmen verkaufen.

Die Beteiligungsgesellschaft KSBG will ihre Anteile am Essener Energiekonzerns Steag verkaufen. Auf dem Versorger lasten hohe Schulden und Pensionsrückstellungen in Milliardenhöhe. Allerdings konnte die Steag zuletzt gute Geschäftszahlen vorlegen. Der Umsatz stieg 2021 um 37 Prozent auf 2,76 Milliarden Euro. Das Konzernergebnis nach Steuern erreichte 307,6 Millionen Euro. Im Vorjahr war noch ein Verlust in Höhe von 170 Millionen Euro angefallen.

Günstiges Marktumfeld für Verkauf

Bereits 2021 hatten sich die Eigentümer für einen Ausstieg aus der Beteiligung entschieden. „Die Aufgabe der STEAG-Geschäftsführung ist es nun, den Eigentümern einen Verkauf ihrer Anteile zu angemessenen Konditionen zu ermöglichen“, erläuterte Andreas Reichel, Vorsitzender der Steag-Geschäftsführung, bei der Vorlage der Geschäftszahlen für 2021 im April. Angesichts des günstigen Marktumfeldes wird der bisher für 2023 geplante Verkauf vorgezogen.

Eigentlich hatte die Unternehmensleitung zunächst die Neuaufstellung vorantreiben wollen. Ralf Schmitz, Finanzgeschäftsführer und Chief Transformation Officer der STEAG GmbH, hatte im April noch erklärt: „Ziel ist es, das Unternehmen neu zu strukturieren, sodass am Ende das Kohlegeschäft und das regenerative Wachstumsgeschäft klar voneinander getrennt, aber unter dem gemeinsamen Dach von STEAG weitergeführt werden können.“

Städte wollen Verluste vermeiden

Der WDR berichtet, dass beispielsweise die Dortmunder Stadtwerke vor zehn Jahren 135 Millionen Euro für die Beteiligung gezahlt hätten. Zwischenzeitlich sei die Beteiligung nur noch die Hälfte wert gewesen. Im Zuge der Sanierung gaben die Ruhrstädte der Steag 2019 ein Darlehen von 100 Millionen Euro entsprechend ihren Anteilen. Der Stadtkonzern DSW21 hält 36 Prozent an der Steag, die Stadtwerke Duisburg 19 Prozent, die Stadtwerke Bochum 18 Prozent und die Stadtwerke Essen 15 Prozent. Jeweils 6 Prozent entfallen auf die Energieversorgung Oberhausen und die Stadtwerke Dinslaken.

Im Herbst soll eine Investmentbank mit der Suche nach einem Käufer beauftragt werden, berichtet das „Handelsblatt“. Als Unternehmenswert werden 2 Milliarden Euro genannt. Die Herausforderung für den Käufer dürfte darin bestehen, die Übergangszeit bis zur Stilllegung der Kohlekraftwerke für den Schuldenabbau zu nutzen. Die übrigen Aktivitäten im Bereich erneuerbarer Energie, thermische Entsorgung und Dienstleistungen könnten weitergeführt werden.

g.schilling@derneuekaemmerer.de

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