Eine gewisse Bräune muss sein: Das befanden nun auch Richter in Braunschweig und erlaubten einer Betreiberin eines Sonnenstudios die Wiederaufnahme ihres Betriebs.

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22.05.20

Braungebrannt durch Corona

Eine Sonnenstudiobetreiberin in Niedersachsen musste ihre Betriebe wegen Corona schließen. Sie wehrte sich jetzt erfolgreich.

Gerade in Zeiten von Corona ist es wichtig, eine kräftige Portion Vitamin D zu sich zu nehmen, um die Abwehrkräfte zu stärken und die Stimmung zu heben. Eine zwar nicht natürliche, aber durchaus effiziente Einnahmemöglichkeit ist das Sonnenstudio. Umso bedenklicher, dass diese derzeit in vielen Kommunen geschlossen bleiben müssen – auch an Regentagen.

Ein unhaltbarer Zustand, wie auch eine Betreiberin zweier Studios fand. Sie wehrte sich gegen ein Verbot, das zuvor der Kreis Goslar und die Stadt Salzgitter ausgesprochen hatten. Das Sperrung ihres Betriebs wollte die Besitzerin aber nicht hinnehmen, weil sie für ihre Studios ein „Club-System“ entwickelt hat, um die Gefahr einer Infektion zu minimieren. 

Danach sollen sich Stammkunden, die den überwiegenden Teil der Nutzer ausmachten, selbst voll automatisch und ohne Kontakt zu Mitarbeitern oder anderen Kunden in eine Kabine einchecken können. Das Konzept sieht vor, dass die Kabinen vom Personal gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Nach der „Besonnung“ kann der Kunde die Kabine wieder verlassen – ohne Kontakt zu anderen Besuchern oder zum Personal haben zu müssen.

Sonnenstudio ≠ Sportstudio

Die Sonnenstudiobesitzerin machte ernst und zog mit ihrem Anti-Corona-Konzept schließlich vor das Verwaltungsgericht Braunschweig. Die 4. Kammer hat nun im Eilverfahren entschieden, dass die Betreiberin wieder öffnen darf. Die Sonnenstudios seien nicht als private Sportanlagen oder als „ähnliche Einrichtungen“ im Sinne der Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen anzusehen, die nach den Regelungen der Verordnung zu schließen sind.

Der Besuch eines Sonnenstudios sei dem Urteil zufolge nicht mit einer körperlichen Betätigung verbunden, wie sie für die Ausübung eines Sports typisch sei. Sonnenstudios könnten auch nicht als „ähnliche Einrichtungen“ angesehen werden: Die Studios würden nicht in Gruppen genutzt, außerdem komme es wegen der Separierung in Einzelkabinen nicht zu Körperkontakt, argumentieren die Richter. In den Studios würden auch keine „körpernahen Dienstleistungen“ erbracht, die nach der Corona-Verordnung ebenfalls verboten seien.

In diesen tristen Zeiten sind das gute Nachrichten für alle Sonnenanbeter, denen die Quelle der UV-Strahlung egal ist. Urlaub im Süden ist momentan zwar nicht möglich. In Goslar und Salzgitter können die Menschen jetzt aber dank der uneinsichtigen Betreiberin zumindest einen 15-minütigen Kurzurlaub in der Sonnenbüchse erleben.

j.eich(*)derneuekaemmerer(.)de