Die Stadt Ratingen legt ein Strategiepapier zur Digitalisierung vor. Das hat auch Ressourcenschonung und Klimaschutz im Blick.

Die Stadt Ratingen arbeitet an der Digitalisierung. Dabei begreift sie ihren Weg zur Smart City als Teil der gesellschaftlichen Transformation – und als Instrument des Klimaschutzes.

Die Digitalisierung als Zukunftsentwurf

Die Vision klingt futuristisch, doch sie ist greifbar: Stadtinformationen sind jederzeit online verfügbar, alle Verwaltungsleistungen sind immer und von überall abrufbar, jeder hat ein persönliches Bürgerkonto, mit dem er authentifiziert seine Behördengänge virtuell erledigen kann. Die Verwaltungsprozesse laufen ausschließlich digital ab, die Rathausmitarbeiter kommunizieren dezentral miteinander, der Stadtrat kommt in hybriden Sitzungen zusammen.

Das Digitale durchdringt die Lebenswelt der Menschen, Dinge werden smart. Sensoren in Abfallbehältern messen deren Füllstände, Schüler lernen mit digitalen Medien, intelligente Gebäudetechnik macht Wasser- und Energieverbräuche transparent, die Mobilität funktioniert verkehrsmittelübergreifend vernetzt.

Ratingen auf dem Weg zur Smart City

Diese Vision verfolgt die nordrhein-westfälische Stadt Ratingen. Dafür arbeitet sie an ihrem Profil als Smart City. Im Zusammenhang mit der Neuorganisation der eigenen IT und deren Auslagerung an einen externen Dienstleister, das kommunalnahe Unternehmen „regio iT“, hat die Stadt unter dem Titel „Ratingen.digital 2025plus“ nun ein Strategiepapier vorgelegt. Das zeigt – neben der Vision einer smarten Stadtgesellschaft – den Stand und die Perspektiven der Digitalisierung in Ratingen auf. Zudem macht es auf eine besondere Facette der Digitalisierung aufmerksam: den Klimaschutz.

Erarbeitet wurde es federführend von einem Team um den Stadtkämmerer und Umweltdezernenten Martin Gentzsch. Das Strategiepapier zielt darauf ab, „die Chancen der Digitalisierung über die gesetzlichen Vorgaben hinaus zu nutzen“. Dabei begreift es die Digitalisierung als tiefgreifende gesellschaftliche Transformation.

Verwaltungen müssten diese aktiv gestalten. Denn sie stünden diesbezüglich von mehreren Seiten unter Handlungsdruck: Die digitalen Ansprüche der Bürger an sie stiegen, gleichzeitig erwarteten Mitarbeiter eine fortschrittliche IT-Ausstattung und moderne Kommunikationsmittel. Darüber hinaus gewinne die Verfügbarkeit von transparenten und umfassenden Datensätzen an Relevanz: etwa als Grundlage für Entscheidungen von Politik und Wirtschaft.

In zahlreichen Projekten arbeitet die Verwaltung bereits an der Digitalisierung. Die reichen von der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes bis zum lokalen Glasfaserausbau. „Die Herausforderung ist deshalb so gewaltig, weil die Aufgabenvielfalt einer Stadtverwaltung außergewöhnlich groß ist“, sagt Kämmerer Gentzsch. Das Strategiepapier zeigt die einzelnen Arbeitsfelder auf und priorisiert sie.

Dabei definiert es Zeitfenster für die Umsetzung einzelner Projekte – in den nächsten drei Jahren, innerhalb von fünf Jahren oder später. „Mit den drei Prioritätsstufen haben wir einen realisierbaren Fahrplan entwickelt, dessen Umsetzung aus heutiger Sicht nicht zu Verzögerungen und Überforderungen führen sollte“, erklärt Gentzsch.

Sensibilität für Klimaschutz bei der Digitalisierung

Zudem richtet das Strategiepapier ein Augenmerk auf die globale Herausforderung des Klimawandels. Die Digitalisierung könne einen Beitrag zur Ressourcenschonung und für eine nachhaltige Entwicklung leisten, heißt es in dem Papier. Exemplarisch sind die intelligente Steuerung von Energieverbräuchen sowie die Verkehrsmittelvernetzung zur Förderung einer emissionsarmen Mobilität genannt. In der Arbeitswelt könne die Entwicklung hin zu standortunabhängigem Arbeiten mittels digitaler Medien dazu führen, dass das Verkehrsaufkommen und der Büroflächenbedarf sinken.

Auch die Verwaltung müsse sensibel für Fragen der Nachhaltigkeit sein. Etwa müssten Klimaschutz und technologische Ressourcenfreundlichkeit bei der Beschaffung von Hard- und Software entscheidende Kriterien sein. Gleiches gelte für den Umgang mit Equipment. Bevor Altgeräte dem Recycling zugeführt werden, müsse geprüft werden, ob sie noch aufrüstbar sind. Zudem müssten sie erst dem IT-Second-Hand-Markt angeboten werden.

Genauso müsse sichergestellt sein, dass der Einsatz digitaler Anwendungen nicht den Verbrauch von Ressourcen sowie CO2-emmissionsintensiver Energien erhöhe. Um entsprechende Energiebedarfe zu decken, müssten die Verwaltungsgebäude mit Fotovoltaikanlagen zur Produktion von regenerativer Energie ausgestattet werden, heißt es in dem Strategiepapier.

a.erb@derneuekaemmerer.de

Info

Der hier veröffentlichte Artikel ist zuerst in der aktuellen Zeitungsausgabe von Der Neue Kämmerer 04/2021 erschienen.

Mehr zu den Themen Digitale Verwaltung und Stadt von morgen gibt es auf unseren Themenseiten.

Aktuelle Beiträge

Der Newsletter für Kämmerer
– jeden Freitag in Ihr Postfach
Newsletter abonnieren »
Newsletter abonnieren »
Der Newsletter für Kämmerer – jeden Freitag in Ihr Postfach