Trotz des Wegfalls der Einlagensicherung haben viele Kommunen bei Greensill investiert. Es drohen Millionenverluste. Die aktuellen Entwicklungen in unserem DNK-Newsticker.

10.Oktober: Credit Suisse und GFG Alliance einigen sich über Teil der Greensill-Schulden

Die Schweizer Großbank Credit Suisse hat sich mit dem Gupta-Konzern über einen Teil der Greensill-Schulden geeinigt. Das geht aus einer Pressemitteilung der GFG Alliance, dem Firmenkonglomerat des Unternehmers Sanjeev Gupta, über eine geplante Restrukturierung der Schulden hervor. Die Greensill Bank war laut GFG Alliance ihr größter Geldgeber. Anlagefonds der Credit Suisse hatten wiederum in Greensill investiert. Die Stahlgeschäftsparte der GFG Alliance, Liberty, muss nun ihre Schulden an Greensill und die Credit Suisse zurückzahlen. Das soll laut Mitteilung in Raten bis Juni 2023 vonstatten gehen, genaue Beträge werden jedoch nicht genannt.

Ein Bericht der Credit Suisse über die eigene Aufarbeitung des Greensill-Skandals ist derweil offenbar ins Stocken geraten, meldet das Handelsblatt unter Berufung auf einen Artikel der Financial Times. Anfang November bei der Präsentation ihrer Quartalszahlen wollte die Bank demnach Auszüge aus den internen Ermittlungen vorlegen. Doch der Abschlussbericht werde nun nicht rechtzeitig fertig.

Insgesamt hatte die Credit Suisse vier Anlagefonds im Volumen von insgesamt 10 Milliarden Euro zusammen mit Greensill betrieben. Rund 7 Milliarden Euro davon gelten inzwischen als gesichert mehrere Cash-Tranchen konnte die Credit Suisse bereits an Investoren ausschütten.

Kommunen wollen ihre Anlagerichtlinien anpassen

1. Oktober: Haushaltsplan 2022 – Umsteuern in Schwalbach am Taunus „unausweichlich”

Bürgermeister und Kämmerer der Stadt Schwalbach am Taunus, Alexander Immisch, hat den Entwurf des Haushaltsplans 2022 in die Stadtverordnetenversammlung am 30. September eingebracht. „Mit den Zahlen des vorliegenden Entwurfs des Haushaltsplans 2022 wird die Notwendigkeit zur Umsteuerung in der Schwalbacher Haushaltspolitik unausweichlich”, sagt Immisch laut Mitteilung der Stadt. Ein Grund dafür sei, dass die bei der Greensill Bank angelegten Festgelder in Höhe von 19 Millionen Euro im Haushaltsjahr 2021 in voller Höhe abgeschrieben wurden. Darüber hinaus rechne die Stadt ab Mitte 2024 mit erheblich einbrechenden Gewerbesteuereinnahmen, da ein großes Gewerbeunternehmen dann seinen Standort verlagere.

21. September: Bötzingen will Anlagerichtlinien ändern

Die Gemeinde Bötzingen in Baden-Württemberg hat in einer Einwohnerversammlung über den aktuellen Stand in Sachen Greensill-Pleite informiert. Demnach habe die Kommunalaufsicht keinerlei Verstöße“ seitens der Kommune bei den bei der Greensill Bank getätigten Festgeldanlagen feststellen können. Auch die Vorgaben der Geldanlagerichtlinien, die Bötzingen 2019 als Reaktion auf den Wegfall der Einlagensicherung 2017 erstellt hatte, seien eingehalten worden. Die Gemeinde wolle dennoch ihre Anlagerichtlinien ändern und plane unter anderem, zukünftig keine Anlagen mehr bei privaten Banken zu erlauben.

16. September: VG Diez schreibt Greensill-Verlust haushaltsrechtlich ab

Dem Verbandsgemeinderat (VG) Diez liegt seit der Sitzung vom 16. September das Ergebnis der überörtlichen Prüfung des Rechnungshofs Rheinland-Pfalz vor. Das Prüfungsergebnis des eigenen Rechnungsprüfungsausschusses soll in der nächsten Sitzung im Dezember vorliegen. Aus der Mitte des Rates sei daher vorgeschlagen worden, erst in dieser nächsten Sitzung die Angelegenheit intensiver zu erörtern, wie die Verbandsgemeinde gegenüber DNK erläutert. Im Rahmen des Erlasses der 2. Nachtragshaushaltssatzung mit -plan 2021 wurde unter anderem der infolge der Greensill-Insolvenz entstandene Verlust abgeschrieben und bilanziell wertberichtigt. Im vierten Quartal 2020 hatte die Verbandsgemeinde laut eigener Darstellung insgesamt 7 Millionen Euro bei der Greensill Bank mit Laufzeiten von drei bis acht Monaten und einem Zinssatz von 0 bis 0,08 Prozent angelegt. Damit sollten vor allem die bei anderen Geldinstituten drohenden Negativzinsen vermieden werden.

16. September: Externe Prüfung ergibt „keine Fahrlässigkeit“ der Stadt Monheim

Mehrere Abschlussberichte einer Sonderprüfung der städtischen Finanzanlagen haben laut Mitteilung aus Monheim gezeigt, dass die Stadt bei Abschluss der Geldanlagen bei der mittlerweile insolventen Greensill Bank „nicht fahrlässig gehandelt“ hatte. Demnach haben sich in den vergangenen Monaten die städtische Rechnungsprüfung, ein unabhängiges Wirtschaftsprüfungsunternehmen und eine von der Stadt beauftragte Rechtsanwaltskanzlei vor allem mit der Frage beschäftigt, „ob im Zusammenhang mit den Geldanlagen Fehler seitens der Verantwortlichen bei der Stadt gemacht wurden“. Nach Auswertung aller Berichte sei der Rechnungsprüfungsausschuss der Stadt zu dem Ergebnis gekommen, dass ein solcher Verstoß nicht festzustellen ist. „Vor Betrug, wie ihm im Falle von Greensill sogar die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und der Prüfungsverband deutscher Banken aufgesessen sind, kann man sich nicht schützen“, fasst Bürgermeister Daniel Zimmermann die Diskussion im Rechnungsprüfungsausschuss in der Mitteilung zusammen.

Die Stadt hatte noch Ende vergangenen Jahres 38 Millionen Euro bei der Greensill Bank angelegt DNK berichtete. Als Lehre aus der Insolvenz der Bank will die Stadt Monheim nun ihr Liquiditätsmanagement überarbeiten. Künftig soll es zudem nicht mehr möglich sein, Gelder bei kleineren Privatbanken anzulegen. Neben dem Rating einer Bank soll auch ihrer Bilanzsumme eine „entscheidende Rolle“ zukommen.

Konsequenzen aus der Insolvenz

30. August: Darum zog Wirtschaftsprüfer Bestätigungsvermerk zurück

Als die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ebner Stolz im April diesen Jahres ihr Testat für den Greensill-Jahresabschluss 2019 widerrief, kam dies für viele Anleger zu spät. Jetzt hat der Wirtschaftsprüfer laut eines Berichts von FAZ.net  dargestellt, warum er den Bestätigungsvermerk zurückgezogen hat. Laut einer Veröffentlichung im Bundesanzeiger vom 16. August soll die Greensill Bank ihren Abschlussprüfern wichtige Verträge vorenthalten haben. „In der Folge hat Ebner Stolz nach Maßgabe des geltenden Berufsrechts das Testat widerrufen und einen Versagungsvermerk erteilt“, sagte ein Sprecher von Ebner Stolz gegenüber der FAZ.

Demnach seien in der Bilanz von Greensill Forderungen an Kunden aus Lieferkettenfinanzierungen mit einem Buchwert von 2,2 Milliarden Euro erfasst, die zum Stichtag 31. Dezember 2019 rund 58 Prozent der Bilanzsumme beziehungsweise das 4,2-fache der Eigenmittel ausmachten. Im Rahmen der Jahresabschlussprüfung 2019 seien Ebner Stolz hierzu Verträge zur Beurteilung des Geschäfts mit Forderungen an Kunden aus dem Lieferkettenfinanzierungsgeschäft mit einer Schwestergesellschaft der Bremer Greensill Bank vorgelegt  worden. „In Februar 2021 haben wir Kenntnis darüber erhalten, dass uns weitere, bereits 2019 abgeschlossene Verträge, die das Lieferkettenfinanzierungsgeschäft betreffen sollen, im Rahmen der Jahresabschlussprüfung 2019 vorenthalten worden sind”, heißt es in der Veröffentlichung im Bundesanzeiger. Mit Datum vom 16. Februar 2021 habe die Greensill Bank in Bremen auf Nachfrage die vorenthaltenen Verträge zur Verfügung gestellt. Auf dieser Grundlage habe sich Ebner Stolz nicht mehr in der Lage gesehen zu beurteilen, ob die Darstellung der Lieferkettenfinanzierung in der Bilanz 2019 zutreffend gewesen war.

23. August: Prüfbericht des Landkreises Wesermarsch liegt Nordenham vor

Der Landkreis Wesermarsch hat der Stadt Nordenham seinen Prüfbericht über die Geldanlagen der Kommune bei der Greensill Bank vorgelegt. Daraus geht laut einem Sprecher der Stadt hervor, dass Bürgermeister Carsten Seyfarth kein Dienstvergehen vorzuwerfen sei, die Stadt allerdings gegen Haushaltsrecht verstoßen haben soll. Der Prüfbericht sei an die Ratsmitglieder weiter geleitet worden, erklärt der Sprecher auf Nachfrage von DNK. Für den 1. September sei eine interfraktionelle, nicht öffentliche Sitzung des Rates anberaumt. Die Stadt hatte 13,5 Millionen Euro bei der mittlerweile insolventen Greensill Bank angelegt DNK berichtete.

3. August: Greensill-Insolvenz führt zu Projektrisiken bei Bühnen Köln

Bei der Sanierung der Bühnen Köln ergibt sich eine Steigerung der Kostenprognose um rund 10 Millionen Euro auf jetzt 652 Millionen Euro. Dies habe laut einer Mitteilung der Bühnen die vorgelegte Risikobewertung ergeben. Hauptursache für die erhöhten Risiken sei die Insolvenz der Greensill Bank. Bei der Bank hatten die Bühnen 15 Millionen Euro deponiert – DNK berichtete. Ein weiteres neues Risiko habe sich durch Lieferengpässe in Folge der Corona-Pandemie ergeben. Die Kostenentwicklung ohne Risiken liegt laut Mitteilung weiterhin bei 619 Millionen Euro und sei im Vergleich zum Mai leicht gesunken.

20. Juli: Stadt Osnabrück liegt Gutachten vor

Die Stadt Osnabrück berichtet über die Ergebnisse eines Gutachtens, das sie im April 2021 beauftragt hatte, um die städtischen Geldanlagen bei der seit März 2021 insolventen Greensill Bank prüfen zu lassen. Thema des Gutachtens sei die Frage, ob die Geldanlagen bei der Bank mit den bei der Stadtverwaltung Osnabrück geltenden Vorgaben und Rechtsvorschriften vereinbar gewesen seien, heißt es jetzt in einer Mitteilung der Stadt.

Anfang Juli hatte der Finanzausschuss demnach sowohl in nichtöffentlicher Sitzung als auch in öffentlicher Sitzung über den Schlussbericht beraten. Laut Gutachten hätten „die Verantwortlichen der Stadt Osnabrück” vor der Entscheidung über die Anlage bei der Greensill Bank „umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um die Geldanlagen nach den kommunalen Grundsätzen ‘ausreichende Sicherheit, angemessener Ertrag, und rechtzeitige Verfügbarkeit’ zu bewirtschaften”. Hierzu zählten die städtische Finanzrichtlinie, die Einholung von Finanzmarktinformationen, interne Organisation, Berichte von Wirtschaftsprüfern, die Kontrolle und Überwachung der Geldanlagen.

Verschiedene Auslegungen gäbe es jedoch zu der Einhaltung des Kontrahentenlimits, also des maximalen Anlagebetrages bei einem Institut. Um diesen Interpretationsspielraum zukünftig zu vermeiden, will die Stadt „zeitnah” die Finanzrichtlinie an mehreren Punkten konkretisieren und überarbeiten. In der Mitteilung weist die Stadt außerdem darauf hin, dass sie gemeinsam mit weiteren Kommunen noch andere juristische Gutachten in Auftrag gegeben habe, um zu prüfen, ob Haftungsansprüche gegen die Bafin, den Wirtschaftsprüfer oder die beteiligten Finanzmakler erhoben werden können.

12. Juli: Weitere Top-Manager verlassen Credit Suisse

Die Compliance-Leiterin der Swiss Universal Bank (SUB), Floriana Scarlato, tritt mit sofortiger Wirkung zurück. Zudem verlässt sie laut Mitteilung der Credit Suisse ihren Posten als Mitglied des Management Committe der SUB und als Mitglied der Geschäftsleitung der Credit Suisse. Über ihre Nachfolge werde zu „gegebener Zeit“ informiert.

Faz.net berichtet derweil über einen weiteren Jobwechsel auf Managementebene der sich um Umbruch befindenden Schweizer Bank. Einer internen Mitteilung zufolge würde auf den bisherigen Chief Operating Officer der Asset-Management-Sparte Mike D’Angelo, Markus Rütimann folgen. Nach der Not-Abwicklung von Fonds im Volumen von rund zehn Milliarden Dollar, die die Credit Suissse mit der mittlerweile insolventen Greensill Bank betrieben hatte, sowie der Zusammenbruch des Kunden Archegos Capital haben „bereits eine ganze Reihe von Managern den Job gekostet“. Laut Sprechern der Bank soll es jedoch keinen Zusammenhang zwischen den Personalwechseln und den Skandalfällen geben.

8. Juli: Interessenskonflikte zwischen Scope Group und Greensill Bank?

Seit Juni 2020 wusste offenbar die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) von der parallelen Tätigkeit der Scope Ratings GmbH und ihrer Schwestergesellschaft Scope Risk Solution für die seit März 2021 insolvente Greensill Bank, melden die Parlamentsnachrichten. Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP erteilte die eine Scope-Gesellschaft der Greensill Bank ein Rating während die Scope-Schwestergesellschaft die Greensill Bank bei der Analyse beriet. In der Antwort auf die Kleine Anfrage heißt es, „rückblickend könne das Bestehen von Interessenskonflikten zwischen der Scope Group und der Greensill Bank nicht ausgeschlossen werden“.

5. Juli: Juristische Aufarbeitung der Insolvenz

Laut einem Artikel der Wirtschaftswoche nimmt die juristische Aufklärung der Insolvenz der Bremer Greensill Bank  Fahrt auf. Bereits im April und Mai seien mehrfach Büros der Bank durchsucht, Unterlagen und eine Servereinheit beschlagnahmt sowie Mitarbeiter als Zeugen befragt worden. Zeitweise nutze die Bremer Staatsanwaltschaft ein Büro in der Bank, „um ihre Ermittlungstätigkeit ausüben zu können“, berichtet die Wirtschaftswoche unter Berufung auf einen ihr vorliegenden Bericht des Insolvenzverwalters Michael Frege.

Die Ermittlungen richten sich demnach gegen fünf Beschuldigte. Sie sollen Forderungen falsch bilanziert und die Übersicht über die Vermögensverhältnisse der Bank erschwert haben. Zudem lasse Frege Schadensersatzansprüche gegen ehemalige Vorstände, Aufsichtsräte, Berater und die Greensill-Eigentümerfamilie prüfen. Dabei kämen laut Bericht „Pflichtverletzungen“ bei der Führung der Bank und den Risikobeurteilungen in Betracht.

Gläubigerversammlung in Bremen

30. Juni: Neckarsulm ändert Anlagerichtlinien

Die Stadt Neckarsulm gehört zu den Kommunen, die Geld bei der Greensill Bank angelegt hatten. Als Reaktion auf die Pleite der Bank hat die Stadt jetzt ihre Anlagerichtlinien geändert, wie der Leiter der Stadtkämmerei Jürgen Kaufmann gegenüber faz.net schilderte. Ab Juli würden strengere Regeln gelten. „Wir haben klargestellt in den Richtlinien, dass auch ein negativer Zins akzeptiert wird“, sagte Kaufmann im Gespräch mit der Zeitung. Bislang habe es geheißen, dass ein Ertrag erzielt werden müsse, was sich in der Zeit sinkender Zinsen immer schwieriger einrichten ließe.

22. Juni: Staatsanwaltschaft Bremen stockt Personal auf

Die Staatsanwaltschaft Bremen will zusätzliche Stellen schaffen, um den Mehrbedarf an Personal auch im Zuge der Ermittlungen um die Insolvenz der Greensill Bank zu decken. Der Bremische Richterbund begrüßt in seiner Mitteilung diese Planungen – konkret geht es um 7,5 „zusätzliche temporäre Stellen”. Neben dem Insolvenzverfahren besteht für geschädigte Kommunen die Möglichkeit, weitere Ansprüche, wie etwa Haftungsansprüche vor Gericht durchzusetzen, wie Insolvenzverwalter Michael Frege auf der Gläubigerversammlung in Bremen Anfang Juni  schilderte.

22. Juni: Keine Beratung der BaFin für Kommunen nach Greensill-Pleite

Laut ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen lehnt die Bundesregierung die Bereitstellung von Beratungsangeboten für Kommunen zu den Themen Geldanlage und Einlagensicherung ab. Eine solche Bereitstellung sei keine Aufgabe, die der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) obliege, begründet die Bundesregierung ihre Entscheidung in einer Mitteilung aus dem Bundestag. Hintergrund für die Kleine Anfrage ist die Insolvenz der Greensill Bank und der damit einhergehende mögliche Verlust kommunaler Einlagen. Ob Haftungsansprüche für Kommunen gegenüber der BaFin bestünden, liege im Fall einer Klage bei den zuständigen Gerichten, schreibt die Bundesregierung.

16. Juni: Bafin-Chef Röseler wehrt sich gegen Vorwürfe

Im Interview mit ZDFheute währt sich Raimund Röseler, Exekutivdirektor der Bafin gegen die Vorwürfe, seine Behörde habe zu spät gehandelt. Misstrauisch geworden sei die Behörde laut Röseler im Frühjahr vergangenen Jahres nach einem Hinweis der englischen Aufsicht. Die Bafin habe die Kommunen demnach aufgrund von Vertraulichkeitsregeln nicht früher über ihre Ermittlungen informieren können. „Jeder Kämmerer, der ein bisschen recherchiert hätte, hätte ja auch gesehen, dass die Greensill Gruppe in England Probleme hatte, Wirtschaftsprüfer zu finden. Das sollte eigentlich professionelle Anleger zum Nachdenken bringen“, moniert Röseler im Interview. Die Bafin habe schnell und richtig gehandelt.

9. Juni 2021: Hoffnung auf die Erstattung eines Viertels der Forderungen

Laut Informationen der dpa hat Monheims Bürgermeister Daniel Zimmermann nach der Gläubigerversammlung gesagt, Kommunen wie seine Stadt könnten darauf hoffen, in den ersten fünf Jahren ein Viertel ihrer Forderungen zurückzuerlangen. Nach dem Plan des Insolvenzverwalters Frege würde 1 Milliarde Euro vorrangig an den gesetzlichen Entschädigungsfonds gehen. Eine weitere Milliarde Euro ginge an den freiwilligen Fonds und die ungesicherten Gläubiger.

8. Juni 2021: Gläubigerversammlung im Amtsgericht Bremen

Die Gläubiger der insolventen Greensill Bank sind vor dem Amtsgericht Bremen zusammen gekommen. In seinem Bericht nährte Insolvenzverwalter Michael Frege von der Kanzlei CMS die Hoffnung der Gläubiger, keinen Totalverlust zu erleiden. Freges Plan: In ein bis zwei Jahren die 1-Milliarde-Euromarke und in zwei bis fünf Jahren die 2-Milliarden-Euromarke bei der Insolvenzmasse zu erreichen. Gleichzeitig stimmte der Insolvenzverwalter die Kommunen allerdings auf ein langes Verfahren ein.

7. Juni 2021: Hessische Kommunen haben 82 Millionen Euro investiert

Insgesamt 82 Millionen Euro haben hessische Kommunen bei Greensill angelegt. Das hat laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung das hessische Innenministerium auf eine parlamentarische Anfrage der FDP-Landtagsfraktion hin mitgeteilt. Fast die Hälfte hat mit 35 Millionen Euro die Stadt Eschborn an Greensill überwiesen. Aber auch für Schwalbach (19 Millionen Euro), Wiesbaden (15 Millionen Euro) und Gießen (zehn Millionen Euro) stehen zweistellige Millionenbeträge auf dem Spiel.

3. Juni 2021: Bankenverband überprüft Risikomanagement

Wie der Bundesverband deutscher Banken (BdB) auf Nachfrage der Börsen-Zeitung bestätigt hat, soll das Risikomanagement des Prüfungsverbands als Konsequenz der Greensill-Pleite anders ausgerichtet und das Personal auf den Prüfstand gestellt werden. BdB-Hauptgeschäftsführer Christian Ossig hat zudem bereits signalisiert, dass der Verband die freiwillige Einlagensicherung überprüfen will. Der Entschädigungsfall der Greensill Bank betrug insgesamt über 3 Milliarden Euro.

2. Juni 2021: Credit Suisse geht offenbar gegen Softbank vor

Laut der Financial Times prüft die Schweizer Bank Credit Suisse offenbar eine Klage gegen den Vision Fund von Softbank-Chef Masayoshi Son. Der Softbank Vision Fund war ein Großinvestor bei Greensill. Gleichzeitig war er Anteilseigner des amerikanischen Bauunternehmens Katerra. Bei dem Rechtsstreit geht es demnach um 440 Millionen Dollar an Forderungen von Credit-Suisse-Kunden gegenüber Katerra. Das Bauunternehmen soll Medienberichten zufolge jedoch kurz vor dem Ruin stehen und bereits zahlreichen Mitarbeitern die Kündigung ausgesprochen haben.

Kommunen ziehen Konsequenzen

31. Mai 2021: HRE-Chefs müssen Berichten zufolge gehen

Bei der verstaatlichten Hypo Real Estate (HRE) hat die Pleite der Greensill Bank offenbar Konsequenzen für das Top Management: Wie der Spiegel berichtet, mussten die Vorstände Wolfgang Groth und Jochen Heuchert vor Ablauf ihrer Vertragslaufzeit ihren Hut nehmen. Die HRE war mit 75 Millionen Euro bei der deutschen Greensill-Tochter investiert.

26. Mai 2021: Nordenhams Bürgermeister zieht persönliche Konsequenzen

Nordenhams Bürgermeister Carsten Seyfahrt wird bei der Bürgermeisterwahl im September nicht erneut kandidieren. Mit dieser Entscheidung zieht Seyfahrt persönliche Konsequenzen aus der Pleite der Greensill Bank, bei der die Stadt 13,5 Millionen Euro angelegt hatte. Er sei sich keines Fehlverhaltens bewusst, übernehme aber die politische Verantwortung für die Ereignisse, schrieb Seyfarth in einer Mail an den Nordenhamer Stadtrat.

18. Mai 2021: Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen Schwalbachs Bürgermeister

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main ermittelt gegen den Bürgermeister der Stadt Schwalbach am Taunus, Alexander Immisch. Vor knapp zwei Wochen hatte sie bereits seine Amtsräume durchsucht. Der Verdacht lautet auf Untreue in Zusammenhang mit Festgeldern, die die Stadt bei der Greensill Bank angelegt hatte.

17. Mai 2021: Greensill-Kunde Gupta Family Group Alliance im Visier der Ermittler

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa ermittelt das britische Serious Fraud Office (SFO) gegen Unternehmen der Gupta Family Group Alliance (GFG). Wie die Behörde demnach vergangenen Freitag mitteilte, besteht der Verdacht auf Betrug, betrügerischen Handel und Geldwäsche. Dabei stünden auch die Vereinbarungen mit Greensill Capital im Fokus. Die GFG hatte mithilfe des inzwischen insolventen Finanzdienstleisters Geschäfte finanziert und ist durch die Greensill-Pleite selbst in Schieflage geraten. Der CEO und Vorsitzende der GFG Sanjeev Gupta saß zudem im Vorstand der australischen Greensill.

12. Mai 2021: Gießen und Köln gehen eigenen Weg

Die Universitätsstadt Gießen und die Stadt Köln wollen gemeinsam Schadensersatzansprüche wegen der Greensill-Insolvenz prüfen. Zuvor hatten beide Kommunen Gespräche mit der Gruppe um die Stadt Monheim geführt, sich aber schließlich für eine andere Taktik entschieden.

10. Mai 2021: Analyse des FINANCE Magazins

Was lief bei Aufsicht, Wirtschaftsprüfern und Geschäftspartnern bei der Pleite der Greensill Bank schief? Dieser Frage gehen die Redakteure des FINANCE Magazins in ihrer Analyse nach. Dabei geht es nicht nur um den kommunalen Blickwinkel, sondern sie schauen auch auf die Auswirkungen auf die Finanzabteilungen großer und mittlerer Unternehmen, die die Supply-Chain-Finance-Plattform von Taulia im Einsatz haben. Das US-amerikanische Fintech hatte lange eng mit Greensill Capital kooperiert.

7. Mai 2021: Kommunen beauftragen gemeinsam Kanzleien

Um die Stadt Monheim herum hat sich ein Konglomerat aus 17 Kommunen formiert, das nun gemeinsam die Kanzleien Dentons und Eckert beauftragt hat. Sie sollen die von der Greensill-Pleite betroffenen Kommunen nicht nur im Insolvenzverfahren vertreten, sondern auch Schadensersatzansprüche prüfen.

4. Mai 2021: Bericht: Ebner Stolz will Testat zurückziehen

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ebner Stolz will offenbar Testate für Jahresabschlüsse der Greensill Bank zurückziehen. Das berichtet die Agentur Bloomberg unter Berufung auf „mit der Angelegenheit vertraute Personen“. Ebner Stolz habe die Behörden bereits von dem geplanten Vorgehen unterrichtet. Wie viele Jahresabschlüsse der Greensill Bank von der Entscheidung betroffen sind, sei allerdings noch nicht klar.

Einige Anleger bekommen Geld erstattet

29. April 2021: Wiesbaden verkauft Greensill-Forderungen nicht

Die Stadt Wiesbaden hat wiederholt Angebote von Banken und Vermittlern abgelehnt, ihre Forderungen gegenüber der insolventen Greensill Bank zu verkaufen. Stadtkämmerer Axel Imholz hält den jetzigen Zeitpunkt im Insolvenzverfahren für zu früh, um Rechte zu veräußern. Zudem will sich die Stadt Wiesbaden solidarisch mit den anderen von der Greensill-Pleite betroffenen Kommunen zeigen.

26. April 2021: Kommune holt ungesicherte Geldanlagen zurück

In Sachsenheim hat der Gemeinderat Ende vergangener Woche einer Änderung der kommunalen Richtlinien zugestimmt. Wie die Bietigheimer Zeitung berichtet, soll die vorzeitige Kündigung noch bestehender ungesicherter Anlagen geprüft werden. Hierfür würden auch Entschädigungszahlungen in Kauf genommen werden. Die Stadt gehört zu den rund 50 von der Greensill-Pleite betroffenen Kommunen. Sachsenheim hatte im Februar 2020 für 30 Monate 1 Million Euro bei Greensill angelegt.

23. April 2021: Rundfunkanstalten haben Greensill-Geld zurückbekommen

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung haben NDR, SWR und SR ihre bei Greensill angelegten Gelder über den Bundesverband deutscher Banken erstattet bekommen. Bei der Greensill Bank hatten die drei Rundfunkanstalten in Summe 105 Millionen Euro als Termingelder deponiert. Im Gegensatz zu Kommunen sind sie durch den Einlagensicherungsfonds geschützt.

23. April 2021: Australische Mutter der Bremer Greensill Bank wird abgewickelt

Die Mehrzahl der 26 Gläubiger der Greensill Capital Pty hat sich offenbar für eine Liquidation der Gesellschaft ausgesprochen. Dies teilte der Insolvenzverwalter Grant Thornton am Donnerstag laut der Agentur Reuters mit. Nun werde auch die Rolle der Manager von Greensill ausführlicher untersucht; im Fokus steht dabei Lex Greensill.

22. April 2021: Durchsuchungen bei Greensill-Mitarbeitern

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge hat die Staatsanwaltschaft Bremen Anfang dieser Woche Wohnungen von Mitarbeitern der insolventen Greensill Bank durchsuchen lassen. Neben den Privatwohnungen von fünf Beschuldigten im Bremer Umland sowie in der Nähe von München seien auch Büros der Bank von den Razzien betroffen gewesen.

20. April 2021: Arbeit des Prüfungsverbands im Fokus

Wie hat der Prüfungsverband deutscher Banken im Fall Greensill gearbeitet? Das will der Bankenverband nun untersuchen lassen, meldet das Handelsblatt. Für die Prüfung greife man auf „externe Hilfe“ zurück, hieß es.

12. April 2021: Markt Lappersdorf hat Entschädigung erhalten

Der von der Greensill-Insolvenz betroffene Markt Lappersdorf ist vom Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken entschädigt worden. Die Kommune profitierte vom Bestandsschutz für Altanleger, da sie ihre Anlagen in Höhe von 100.000 Euro bereits ein Jahr vor der Reform der Einlagensicherung getätigt habe, teilte Christian Hauner, Erster Bürgermeister des Markts, mit. Zusätzlich habe man eine Zinszahlung von 260 Euro erhalten. „Entgegen anderslautender Berichte in der Presse und Stimmen aus der Kommunalpolitik waren die von uns getätigten Einlagen bei der Greensill Bank AG zu keinem Zeitpunkt in Gefahr“, betonte Hauner.

8. April 2021: „Schon 2019 eindeutige Mängel entdeckt“

Viele deutsche Kommunen haben noch Anfang 2021 Gelder bei Greensill angelegt. Die Schweizer Agentur Independent Credit View (I-CV) hat die Greensill Bank allerdings schon 2019 als Ramsch bewertet. Die Hintergründe erklärt I-CV-Partner Christian Fischer im Gespräch mit DNK.

6. April: Großteil der Privatanleger entschädigt

In den vergangenen Tagen ist ein Großteil der Privatanleger der Greensill Bank entschädigt worden. Das hat der Bundesverband deutscher Banken (BdB) am Montag mitgeteilt. Der Einlagensicherungsfonds des BdB und der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) haben demnach mittlerweile mehr als 2,7 Milliarden Euro an über 20.500 Sparer ausgezahlt. Guthaben privater Sparer sind – anders als kommunale Einlagen – bis zu einer Höhe von 100.000 Euro durch die Einlagensicherung geschützt.

Ermittlungen gegen die Greensill Bank

30. März 2021: diese Rechte haben die betroffenen Kommunen

Peter Gundermann und Martin Kühler von der Kanzlei Tilp nennen im Interview mit DNK die möglichen Anspruchsgegner für Kommunen im Fall Greensill.

26. März 2021: Hinweise an Bafin schon im April 2020

Ein anonymer Hinweisgeber soll die Bafin schon im vergangenen April auf Unregelmäßigkeiten bei der Greensill Bank aufmerksam gemacht haben. Das berichtet der Weser-Kurier unter Berufung auf ein internes Papier der Bafin. Der Whistleblower habe demnach jeweils im April und im September 2020 darauf hingewiesen, dass die Bremer Bank Rechnungen falsch diskontiert haben soll. Erste Telefonate zwischen Bafin-Vertretern und Greensill zu möglichen Kreditrisiken sollen schon kurz nach dem ersten Hinweis im vergangenen April stattgefunden haben.

25. März 2021: Greensill beantragt auch in den USA Insolvenz

Auch die US-Tochter Greensill Capital Inc. hat nun Insolvenz angemeldet. Wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Gerichtsunterlagen meldet, habe die Tochter am gestrigen Donnerstag in New York einen Antrag auf Gläubigerschutz. In den USA sollen jedoch vergleichsweise kleine Geldsummen betroffen sein: Laut Meldung geht es um „Vermögenswerte zwischen 10 Millionen und 50 Millionen (US-)Dollar und Schulden zwischen 50 Millionen und 100 Millionen“ Dollar.

25. März 2021: Greensill Bank hat möglicherweise Kreditversicherungen gefälscht

Aufgrund einer forensischen Sonderprüfung, die KPMG im Auftrag der Bafin im vergangenen September durchgeführt hat, mutmaßen Aufseher und Ermittler laut Finanz-Szene.de, Greensill könnte Nachweise von Warenkreditversicherungen gefälscht haben. Demnach fanden die Prüfer ein Papier, das eine Versicherung dokumentieren sollte, welche die Greensill Bank gegen einen Forderungsfall abgeschlossen hatte. Vertreter der Bafin hätten in einer nicht-öffentlichen Sitzung des Finanzausschusses allerdings erklärt, dass das Papier erst nachträglich erstellt worden sei.

Das Pikante: Das ehemalige A-Rating der Bank soll unter anderem auf Kreditversicherungen gefußt haben. „Die Kreditversicherungen, die das Ausfall- und Veritätssrisiko abdecken, sind ein wichtiger Ratingfaktor“, zitiert Finanz-Szene.de aus einem Report der Ratingagentur Scope von August 2019.

25. März 2020: Interkommunale Kredite als Ausweg?

Sicher Gelder anlegen ohne Negativzinsen: Warum Kämmerer nach der Greensill-Pleite mit interkommunalen Krediten neue Wege gehen sollten, erklärt Julius Reiter in seinem Gastbeitrag.

Die Greensill Bank ist insolvent

20. März: Softbank größter Greensill-Gläubiger

Die offenbar mit weitem Abstand größte Summe bei Greensill Capital investiert hat Softbank. Auf den japanischen Konzern entfalle umgerechnet mehr als 1 Milliarde Euro der derzeit bekannten Forderungen von insgesamt 1,14 Milliarden Euro, meldet Bloomberg.

19. März 2021: Gläubiger fordern 1,14 Milliarden Euro von Greensill Capital

Bei einer ersten Versammlung haben 34 Gläubiger der insolventen britisch-australischen Greensill Capital Forderungen von umgerechnet 1,14 Milliarden Euro angemeldet. Das teilte der Insolvenzverwalter Grant Thornton an diesem Freitag mit. Das nächste Treffen ist für den 22. April geplant. Dann solle sich entscheiden, ob die Muttergesellschaft der ebenfalls insolventen deutschen Greensill Bank aufgelöst werde oder es Chancen für eine Restrukturierung gebe.

18. März 2021: Auch verstaatlichte HRE betroffen

Von der Pleite der Greensill Bank betroffen ist auch die mittlerweile verstaatlichte Hypo Real Estate. Sie soll 75 Millionen Euro bei Greensill anlegt haben. Ob ihre Einlagen von der Einlagensicherung des Bankenverbands erfasst werden, ist offenbar unklar. Berichten zufolge geht die HRE davon aus, dass der Einlagensicherungsfonds auch ihre Anlagen schütze. Der Bankenverband dagegen ordne die HRE weiterhin als Kreditinstitut ein, für dessen verlorene Gelder der Fonds nicht einspringen würde.

17. März 2021: Lex Greensill verkaufte 2019 Unternehmensanteile

Am Dienstag wird bekannt, dass die Eigentümerfamilie der Greensill Bank um Lex Greensill 2019 offenbar Unternehmensanteile im Wert von rund 200 Millionen Euro verkauft hat. Das berichtet Business Insider unter Berufung auf die Financial Times. Zu dem Zeitpunkt hatte der Softbank Visions Fund eine Finanzierungsrunde für die mittlerweile insolvente Bank organisiert. Damals war der Wert der Bank auf 3,5 Milliarden Dollar geschätzt worden.

16. März 2021: Kommunen schließen sich zusammen

26 von der Pleite der Greensill Bank betroffene Kommunen planen, sich juristisch gemeinsam für das eingeleitete Insolvenzverfahren aufzustellen. Die Kommunen wollen aus der Insolvenzmasse zumindest noch Teile ihrer Anlagen zurückerhalten, heißt es in einer Mitteilung der Stadt Monheim am Rhein. Darüber hinaus sollen Haftungsansprüche gemeinschaftlich geprüft werden.

Die 26 Kommunen haben laut Mitteilung gemeinsam, dass sie noch bis in das laufende Jahr hinein ihre zumeist kurz- bis mittelfristig anzulegenden liquiden Mittel auf Konten der Bremer Bank als sicher ansehen mussten. Teils sei ihnen von unterschiedlichen Finanzdienstleistern dazu sogar geraten worden.

16. März 2021: Bafin stellt Entschädigungsfall fest

Die Bafin hat am Dienstag den Entschädigungsfall für die Greensill Bank AG festgestellt. Privatanleger können damit ihre Einlagen von der insolventen Bank zurück erhalten. Laut einer Mitteilung der Bafin sei die Bank nicht mehr in der Lage gewesen, sämtliche Einlagen ihrer Kunden zurückzuzahlen.

Mit der Feststellung des Entschädigungsfalles sei jetzt die Voraussetzung dafür gegeben, dass die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) die Ansprüche der Einleger prüft. Bis zu einer Höhe von 100.000 Euro entschädigt die EdB – in besonderen Ausnahmefällen bis zu einer Höhe von 500.000 Euro. Die EdB werde in Kürze von sich aus Kontakt zu den Gläubigern des Instituts aufnehmen.

Die Bafin weist zudem darauf hin, dass die Greensill Bank Mitglied des Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands Deutscher Banken ist. Dieser Einlagensicherungsfonds übernimmt den Teil der Einlagen, der über die gesetzliche Grenze hinausgeht, bis zur jeweiligen Sicherungsgrenze.

16. März 2021: Insolvenzverfahren eröffnet

Das Amtsgericht Bremen teilt mit, dass es das von der Bafin beantragte Insolvenzverfahren eröffnet hat. Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Michael Frege bestellt.

15. März 2021: Bafin stellt Insolvenzantrag

Beim Amtsgericht Bremen ist ein Insolvenzantrag für die Greensill Bank eingegangen, wie eine Sprecherin am Dienstag gegenüber DNK bestätigt. Über den Antrag soll zeitnah entschieden werden.

Kommunen setzen Anlagegeschäfte aus

14. März 2021: Verkaufsversuch gescheitert

Die Verhandlungen über den Verkauf der Greensill Bank sind offenbar geplatzt. Der US-amerikanische Private-Equity-Investor Apollo habe die Gespräche bereits am vergangenen Freitag abgebrochen, berichtet das Handelsblatt.

13. März 2021: Insolvenz für Greensill Bank scheint unausweichlich

Nach Informationen des Nachrichtenportals Business Insider soll die Bafin Anfang kommender Woche einen Insolvenzantrag für die Bremer Greensill Bank stellen. Die Bafin favorisiere laut mehrerer Quellen Michael Frege von der Kanzlei CMS Hasche Sigle als Insolvenzverwalter, der auch die Lehman-Pleite in Deutschland abgewickelt hat. Für die Kommunen wird es brenzlig: Sie müssten ihre Forderungen dann zur Insolvenztabelle anmelden – allerdings soll bei der Greensill Bank kaum Insolvenzmasse vorhanden sein. Im schlimmsten Fall könnten die Kommunen nicht einmal 10 Prozent ihrer Anlagen zurückbekommen, erklärt ein Anwalt gegenüber dem Nachrichtenportal.

12. März 2021: Privatwirtschaft: Greensill „keine seriöse Verbindung“

In welchem Umfang der Greensill-Skandal neben Kommunen auch Unternehmen betrifft, ist im Moment noch völlig unklar. Recherchen der DNK-Schwesterpublikation Der Treasurer (DT) deuten darauf hin, dass die Privatwirtschaft Anlagen bei der Greensill Bank kritischer beurteilt haben dürfte als manche Kommune. Die Greensill Bank sei „keine seriöse Verbindung, für die man Counterparty Limits vergibt“, sagte ein Vertreter der Finanzabteilung eines großen Mittelständlers gegenüber DT.

11. März 2021: Die Bafin will gegen Wirtschaftsprüfer der Greensill Bank vorgehen

Medienberichten zufolge hat die Finanzaufsicht Bafin die Stuttgarter Prüfungsgesellschaft Ebner Stolz bei der Aufsichtskommission Apas angezeigt. Demnach gebe es Zweifel daran, ob die Bilanzprüfung von Greensill ordnungsgemäß abgelaufen sei. Auf Nachfrage des FINANCE-Magazins bestätigt die Apas, am 11. März eine Mitteilung mit Bezug zur Greensill Bank von der Bafin erhalten zu haben.

11. März 2021: Gießen stoppt Festgeldanlagen

Die Gießener Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz verfügt aufgrund der „Turbulenzen bei der Greensill“ einen sofortigen Stopp aller Festgeldanlagen. „Dies entspricht einem freiwilligen Moratorium, um Zeit für eine politische Beratung des künftigen Umgangs mit Anlagen zu schaffen“, teilt die Stadt mit. Nun werde die OBM mit der Stadtverordnetenversammlung über eine Veränderung der bisher geltenden Richtlinien diskutieren. „Wir müssen gerade angesichts des offensichtlichen Versagens aller Sicherheitssysteme insbesondere bei der Bankenaufsicht neu diskutieren, wie wir unser Geld sicher anlegen“, so Grabe-Bolz. Kommenden Montag finde ein virtuelles Treffen mit den betroffenen Städten und dem Deutschen Städtetag statt, in dem überlegt werde, ob die Kommunen gemeinsam rechtlich vorgehen können. Nach derzeitigem Stand haben laut Mitteilung der Stadt mindestens 50 Kommunen Geld bei der Greensill Bank angelegt.

11. März 2021: Auch Eschborn massiv betroffen

Nach Monheim am Rhein ist die ebenfalls gewerbesteuerstarke Stadt Eschborn nach aktuellem Stand am zweitstärksten vom drohenden Ausfall betroffen: Eschborn hat 35 Millionen Euro bei Greensill investiert. Zugleich wird bekannt, dass auch die Länderebene nicht verschont bleibt: Der Freistaat Thüringen hat Gelder in Höhe von 50 Millionen Euro bei Greensill investiert.

11. März 2021: Osnabrück stoppt Geldanlagegeschäfte

Die Stadt Osnabrück gibt bekannt, dass OBM Wolfgang Griesert entschieden hat, überschüssige Liquidität vorerst nicht mehr als Festgeld bei Privatbanken anzulegen. „Ich habe solche Anlagen inzwischen gestoppt, um die Aufarbeitung aller Fragen nicht bloß abzuwarten, sondern auch vorzubeugen“, so Griesert. Die Stadt hat Anlagen in Höhe von 14 Millionen Euro bei Greensill. Die geänderte Strategie sei allerdings auch mit Kosten verbunden, sagt der OBM, jährlich würde die Stadt über 1,1 Milliarden Euro bewegen. „Wenn wir jetzt die bisherige Praxis stoppen, müssen wir auch Verwahrgelder akzeptieren, was wir mit der Festgeldanlage gerade vermeiden wollten.“

10. März 2021: Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten betroffen

Neben mehreren deutschen Kommunen haben offenbar auch mehrere rechtlich-öffentliche Rundfunkanstalten Geld bei der Greensill Bank angelegt. Gegenüber dem Weser-Kurier bestätigen der NDR, der SR und der SWR, dass sie bei der Bank investiert haben. Im Gegensatz zu den Städten und Gemeinden sind die rechtlich-öffentlichen Rundfunkanstalten allerdings nicht von der Einlagensicherung ausgenommen und dürften somit ihr Geld zurück bekommen.

8. März 2021: Greensill Capital in London insolvent

Die britische Tochter der Greensill Capital meldet Insolvenz an. Der Finanzdienstleister gibt bekannt, dass er in Verhandlungen zur möglichen Übernahme von Unternehmensanteilen mit Interessenten steht.

Die Bafin schaltet sich ein

4. März 2021: Erste Kommunen melden sich zu Wort

Zu den Kunden der Greensill Bank gehören offenbar mehrere Dutzend Kommunen. Die Stadt Monheim am Rhein etwa hat nach eigenen Angaben 38 Millionen Euro bei Greensill angelegt. Bürgermeister Daniel Zimmermann habe an diesem Donnerstag eine Sonderprüfung eingeleitet, teilt die Stadt mit. „Es könnte sein, dass der komplette Ausfall des angelegten Geldes droht. Wir verfolgen nun die Untersuchungen der Bafin“, so Zimmermann. Auch die Stadt Osnabrück meldet sich zu Wort: Der städtische Finanzvorstand Thomas Fillep teilt in einem Pressegespräch mit, dass die Kommune 14 Millionen Euro bei Greensill angelegt hat.

3. März 2021: Bafin erstattet Anzeige gegen Greensill Bank

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) erlässt wegen drohender Überschuldung ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot gegenüber der Greensill Bank. Zudem schließt die Bafin die Bank für Kundenverkehr und untersagt ihr die Entgegennahme von Zahlungen, die nicht zur Tilgung von Schulden bestimmt sind. In einer Mitteilung heißt es, die Bafin habe „in einer forensischen Sonderprüfung festgestellt, dass die Greensill Bank nicht in der Lage ist, den Nachweis über die Existenz von bilanzierten Forderungen zu erbringen, die sie von der GFG Alliance Group angekauft hat.“ Hinzu kommt der Vorwurf falscher Bilanzierung, weshalb die Finanzaufsicht auch Strafanzeige gegen Greensill stellt.

2. März 2021: Holding Greensill Capital beantragt Gläubigerschutz

Greensill beantragt Gläubigerschutz in Australien, wo die Holding registriert ist.

2. März 2021: Vermögensverwalter GAM friert Fonds ein

GAM Investments schließt den GAM Greensill Supply Chain Finance Fonds für Zeichnungen und Rücknahmen „aufgrund der jüngsten Marktentwicklungen und der daraus resultierenden Medienberichterstattung“. „Die Schliessung des Supply Chain Finance Fonds markiert das Ende der Geschäftsbeziehung zwischen GAM und Greensill, die bis ins Jahr 2016 zurückreicht“, heißt es in einer Mitteilung.

1. März 2021: Credit Suisse kappt Geschäftsbeziehungen zu Greensill

Die Schweizer Großbank Credit Suisse setzt den Handel von vier gemeinsam mit Greensill Capital betriebenen Lieferketten-Finanzierungs-Fonds aus und löst die Fonds mit einem Gesamtvolumen von rund zehn Milliarden Dollar am 4. März auf. Als Gründe nennt die Bank Bewertungsunsicherheiten in Bezug auf bestimmte Vermögenswerte, die eingeschränkten Verfügbarkeit eines Versicherungsschutzes für neue Fondsinvestitionen und Herausforderungen bei der Beschaffung geeigneter Vermögenswerte.

Vorgeschichte des Greensill-Skandals

2020/Anfang 2021: Greensill Bank im Fokus der Bafin

Nach Informationen der Tageschau hat die Bafin bereits 2020 Zweifel an der Werthaltigkeit der Forderungen, die die Greensill Bank über ihren Mutterkonzern finanziert. Demzufolge beauftragen die Bafin, der Bundesverband deutscher Banken und der Prüfungsverband deutscher Banken gemeinsam eine Sonderprüfung der deutschen Greensill Bank. Ein Beauftragter der Bundesbank überwacht daraufhin seit Anfang 2021 das Tagesgeschäft des Geldinstituts. Die Sonderprüfung wird erst im März 2021 publik.

17. September 2020: Rating-Downgrade für die Greensill Bank

Die Ratingagentur Scope stuft die Bonität der Greensill Bank um ein Notch von A- auf BBB+ herab, die Prognose ist negativ. Der Grund für das Downgrade ist laut Scope das schwierige Marktumfeld, in dem die Mutter Greensill Capital operiert. Man erwarte als Folge der Coronapandemie für Greensill Capital ein geringeres Wachstum und steigende Versicherungskosten, die sich auf die Profitabilität des Unternehmens niederschlagen würden, schreibt Scope.

2019: Greensill-Bilanz geht durch die Decke

2019 bekommt die Greensill Capital von dem japanischen Techinvestor Softbank eine Kapitalspritze in Milliardenhöhe. Die Bilanzsumme der deutschen Greensill Bank steigt daraufhin um 472 Prozent auf rund 3,8 Milliarden Euro.

2017: Einlagensicherung für Kommunen wird gekappt

Ab dem 1. Oktober 2017 sind die Einlagen von Kreditinstituten, Finanzinstituten, Wertpapierfirmen und Gebietskörperschaften nicht mehr vom freiwilligen Einlagensicherungsfonds der Privatbanken geschützt. Die kommunalen Spitzenverbände hatten vor der Beschlussfassung gegenüber dem Bankenverband darauf aufmerksam gemacht, dass Kommunen von diesem Zeitpunkt an nur noch eingeschränkt mit Privatbanken zusammenarbeiten könnten.

2014: Greensill Capital übernimmt Bremer Nordfinanz Bank

2014 übernimmt Greensill Capital die Bremer Nordfinanz Bank und firmiert sie um. Über die neu entstandene deutsche Greensill Bank sammelt die Gesellschaft Gelder ein, um Geschäfte der Muttergesellschaft abzusichern und zu refinanzieren.

2011: Gründung Greensill Capital Pty Ltd

Der Banker Lex Greensill gründet das Finanzdienstleistungsunternehmen Greensill Capital Pty Ltd., den späteren Mutterkonzern der deutschen Geensill Bank. Der Sitz der Holding ist in Australien. Das operative Kerngeschäft ist in der britischen Firmenzentrale gebündelt. Der Finanzdienstleister ist auf Lieferkettenfinanzierung spezialisiert. Damit werden unter anderem Forderungen von Lieferanten an Unternehmen vorfinanziert.

Info

Mehr zum Thema erfahren Sie auf unserer Themenseite Greensill Bank.

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