Auf die Städte kommen Klimarisiken in Milliardenhöhe zu. Ein Stadtumbau soll in Offenbach das Schlimmste verhindern.

Die deutschen Städte und Gemeinden müssen sich auf den Klimawandel einstellen. Im Südwesten und Osten Deutschlands machen sich Hitze und Trockenheit besonders bemerkbar, in Küstengebieten drohen Sturmfluten und in engen Ortslagen Überschwemmungen durch Starkregen. Dagegen sollten sich die Kommunen wappnen, empfahl der Deutsche Städte- und Gemeindebund in einem Positionspapier. Bund und Länder müssten den Kommunen Beratung und Finanzmittel zur Verfügung stellen. Eine gute Gelegenheit zum Austausch bietet die „Woche der Klimaanpassung“ vom 12. bis 16. September, die das Bundesumweltministerium und das Zentrum Klimaanpassung bundesweit veranstalten.

Umbau muss gezielt erfolgen

Viele Städte achten bei der Planung ihrer Investitionen zunehmend auch auf Klimarisiken. Sturm und Starkregen auf der einen, Hitze und Trockenheit auf der anderen Seite bedeuten neue Anforderungen an Straßen und Entwässerung sowie Gebäude und Freiflächen. Der Investitionsbedarf für die Klimaanpassung trifft in den Kommunen jedoch auf ein schwieriges Umfeld aus Zinsanstieg, hohen Baukosten, fehlenden Kapazitäten und knapper werdenden Mitteln. Eine kluge Auswahl der Investitionsvorhaben wird immer wichtiger. Hinzu kommen die Regulierung und Förderung privater Maßnahmen, die gezielt zu einem Umbau der Städte und Gemeinden genutzt werden können.

Die Bundesregierung stellt seit 2008 im Rahmen des Programms „Deutsche Anpassungsstrategie“ (DAS) Fördermittel für diesen Umbau bereit. In der aktuellen Förderrunde will das Bundesumweltministerium vor allem den Aufbau eines systematischen Anpassungsmanagements in Kommunen unterstützen. Bundesumweltministerin Steffi Lemke erläuterte den Ansatz im Februar 2022: „Unsere vorsorgende ⁠Anpassungsstrategie⁠ wird klare Ziele vorgeben, das Klimaanpassungsgesetz einen sicheren Rechtsrahmen schaffen. Städte und Gemeinden unterstützen wir in ihrer Arbeit: mit Expertenberatung, mit der Förderung von lokalen Anpassungsmanagern und Anpassungsmanagerinnen und mit Finanzierung für innovative Projekte und Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen.“

Risikoanalysen bieten Orientierung

Als Orientierung für die Analyse der drohenden Gefahren bietet das Umweltbundesamt unter dem Titel „Klimarisikoanalysen auf kommunaler Ebene“ Handlungsempfehlungen zur Umsetzung der ISO 14091. Demnach sollten zunächst die relevanten Informationen recherchiert und anschließend die Stakeholder identifiziert und beteiligt werden. Schließlich müssen die verfügbaren Ressourcen und die erforderlichen Budgets ermittelt werden. In beispielhaft ausgewählten Städten lagen die Kostenschätzungen für Anpassungskonzepte zwischen 100.000 Euro (Pforzheim) und 500.000 Euro (Hagen).

Die Studie listet 31 Städte und 15 Regionen auf, die bereits Klimarisikoanalysen durchgeführt haben, und stellt Praxisbeispiele aus Bamberg, Bremen, Jena und Kaiserslautern vor. In Kaiserslautern wurde bereits 2019 ein Klimaanpassungskonzept vorgelegt. Ein Stadtklimamodell ermittelte Punkte hoher Hitze- und hoher Starkregenbelastung. Auch die Erreichbarkeit von Grünflächen wurde untersucht. Im Anschluss wurden vier Hauptziele definiert: Hitze mindern und Grün schaffen, Schäden durch Starkregen minimieren, Klimaanpassung organisieren sowie Bürger und Unternehmen aktiv einbinden. Daraus wurden dann konkrete Maßnahmen abgeleitet.

Klimainvestitionen klug finanzieren

Zur Finanzierung der notwendigen Investitionen schlägt der Deutsche Städtetag feste Budgets über mindestens zehn Jahre vor. Sie sollen von Bund und Ländern gemeinsam finanziert und den Kommunen zur Verfügung gestellt werden. Die Budgets sollen die Vielzahl bisheriger Förderprogramme ersetzen, die mit hohem Verwaltungsaufwand und ausufernden Nachweispflichten verbunden sind. Durch eine wirkungsorientierte Förderung würde mehr Gewicht auf die zu erwartende CO2-Reduktion gelegt. Zudem würden dadurch neue, innovative Lösungen einsetzbar, die bei einer Förderung mit statischen Vorgaben nicht berücksichtigt würden, heißt es in der Studie.

Am Beispiel der Stadt Offenbach am Main wird klar, welche Investitionen im Raum stehen. Die Stadt hat in ihrem „Klimakonzept 2035“ Maßnahmen mit einem Mittelbedarf von 6,7 Millionen Euro aufgelistet. Davon kommt lediglich 1 Million Euro aus Fördermitteln. Die Stadt am Main legt dabei den Schwerpunkt auf Wasser und Boden. Offenbach soll eine Schwammstadt werden, die Wasser speichert, statt es abfließen zu lassen. Kernpunkte des Klimaanpassungskonzepts der Stadt sind die Entsiegelungsrichtlinie und die Niederschlagswassersatzung. Danach soll das Niederschlagswasser in der Regel auf dem eigenen Grundstück versickern, verdunsten oder in anderer Weise genutzt werden.

Offenbach will Wasser speichern

Für die Entsiegelung von Flächen stehen seit Jahresbeginn 2022 Förderungen von maximal 50 Euro je Quadratmeter und 5.000 Euro je Maßnahme und Grundstück zur Verfügung. Bürgermeisterin und Umweltdezernentin Sabine Groß möchte mit der Entsiegelungsrichtlinie erreichen, dass Regenwasser vor Ort versickert und nicht über die Kanalisation abfließt. „So kann es beispielsweise Grundwasser anreichern, und es steht Bäumen zur Verfügung, die es aufgrund des wenigen Regens dringend brauchen und es zum Teil über Verdunstung wieder abgeben und damit die Temperatur in der Umgebung absenken.“

Ein Beispiel für eine erfolgreiche Förderung ist die Umgestaltung eines Hinterhofs in Offenbach. Die komplett versiegelte Fläche wurde bepflanzt und mit Rasengittersteinen befahrbar gemacht, denn ein Teil der Fläche wird weiterhin von den Mietern des Mehrfamilienhauses unter anderem als Laufweg und Abstellfläche für Fahrräder genutzt. In einem besonders hitzeanfälligen Teil der Stadt gelegen, hatte sich der Hinterhof zuvor schnell aufgeheizt. Das Niederschlagswasser wurde direkt in den Kanal abgegeben und führte bei Starkregen zu starken Belastungen für die Kanalisation.

Klimarelevanz als Pflichtkriterium

Anfang August 2022 fasste der Offenbacher Magistrat einen weiteren Beschluss, der im September von der Stadtverordnetenversammlung beraten werden soll. Er sieht vor, dass „alle Anträge des Magistrats einen öffentlich zugänglichen Bericht zur Klimarelevanz enthalten müssen.“ Groß erklärte dazu: „Der Klimawandel gefährdet durch Hitzestress, Starkregen, Dürre oder invasive Arten auch in Offenbach die Lebensqualität und Gesundheit der Menschen. Die Bäume und Grünflächen leiden unter der Hitze und Trockenheit, und wir müssen damit rechnen, dass fehlende Niederschläge zunehmend unsere Trinkwasserversorgung beeinträchtigen.“

Während der Trockenperiode im Sommer rief der Zweckverband Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO) zum Trinkwassersparen auf. Das zur Trinkwasseraufbereitung genutzte Grundwasser werde zunehmend knapper. Oberbürgermeister Felix Schwenke sagt dazu: „Es sind unruhige Zeiten, sowohl der Krieg in der Ukraine als auch der Klimawandel sind globale Themen, die natürlich auch an Offenbach nicht spurlos vorbeigehen. Aktuell hat der ZWO uns informiert, dass es nicht mehr nur noch um die Frage gehen wird, ob noch Gas da ist, sondern auch um die Frage, ob noch ausreichend Wasser für alle da ist.“

g.schilling@derneuekaemmerer.de

Info

Der Beitrag ist bereits in der aktuellen Zeitungsausgabe von Der Neue Kämmerer 03/2022 erschienen.

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