Probelauf für Gratis-Nahverkehr

04.06.18 16:15

Augsburg will Gratis-ÖPNV testen

Von Ariane Mohl

In der Augsburger Innenstadt sollen Fahrgäste ab dem kommenden Jahr den ÖPNV nutzen können, ohne dafür zu bezahlen. Fördergelder sollen helfen, die Mindereinnahmen auszugleichen. Doch längst nicht alle sind von der Idee überzeugt.

Was bundesweit für heftige Debatten gesorgt hat, soll nun in der Stadt Augsburg getestet werden: Voraussichtlich ab Ende kommenden Jahres wollen die Stadtwerke der bayerischen Kommune rund um den Königsplatz eine sogenannte City-Zone einrichten. Dort sollen Fahrgäste kostenfrei Busse und Straßenbahnen nutzen können. Nach Angaben der Stadt wolle man mit diesem bundesweit einmaligen Projekt zur „Luftreinhaltung“ beitragen.

 

Der Gratis-ÖPNV ist Teil eines neuen Mobilitätskonzepts der Stadt, das unter anderem vorsieht, den Parksuchverkehr in der Innenstadt einzudämmen. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, gehen die Stadtwerke davon aus, dass ihnen durch den Kostenlos-Nahverkehr Einnahmen in Höhe von rund einer halben Million Euro pro Jahr entgehen werden. Fördermittel vom Freistaat Bayern und dem Bund sollen helfen, wenigstens einen Teil der Mindereinnahmen zu kompensieren.

Wer zahlt, ist der Dumme?

Die Pläne der Stadt sorgten für kontroverse Reaktionen. Begeistert zeigte sich der Fahrgastverband Pro Bahn, der davon ausgeht, dass viele Autofahrer ihren Wagen stehen lassen und auf den ÖPNV umsteigen werden. Einzelne Augsburger Stadträte gaben hingegen zu bedenken, dass Inhaber einer Monatskarte sich durch das Gratis-Angebot benachteiligt fühlen könnten, weil sie für etwas zahlen, das andere kostenlos erhalten. Der Verkehrsclub Deutschland wiederum ist überzeugt, dass die Einrichtung der City-Zone lediglich dazu führen werde, dass stattdessen die Außenbezirke stärker belastet würden.

 

 

„Wir gucken mit großem Interesse auf Versuche, kleinräumig vergünstigte oder kostenlose Nahverkehrsangebote einzuführen, so wie jetzt in Augsburg“, sagte Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages. Wer eine flächendeckende Einführung des Gratis-ÖPNV wolle, müsse allerdings zugleich die Frage beantworten, wie das „konkret vor Ort finanziert werden soll“, sagte Dedy mit Blick auf einen Anfang des Jahres von der Bundesregierung geäußerten Vorstoß.

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de