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10.01.19
Beteiligungsmanagement

Sachsen: Steuerung von Wohnungsunternehmen mangelhaft

Eine aktuelle Studie bescheinigt dem Beteiligungsmanagement von vielen Kommunen in Sachsen eine mangelhafte Steuerung ihrer Wohnungsunternehmen. Dabei hätten diese mit großen Risiken zu kämpfen. Einige stünden finanziell am Abgrund.

Die Steuerung kommunaler Wohnungsunternehmen durch das Beteiligungsmanagement der Städte und Gemeinden in Sachsen lässt in vielen Fällen zu wünschen übrig. Eine aktuelle Studie kommt zum Ergebnis, dass es in diesem Bereich eine Vielzahl struktureller und organisatorischer Probleme gibt. Kommunale Wohnungsunternehmen mit weniger als 500 Wohneinheiten seien kaum in der Lage, ihre Aufgaben wirtschaftlich oder profitabel zu erfüllen, heißt es in der Untersuchung. Viele Wohnungsunternehmen im Freistaat hätten mit Leerstand zu kämpfen. Leerstandsquoten von über 10 Prozent seien keine Seltenheit. Probleme sieht Studienautorin Laura Oelmann auch beim Umgang mit dem eigenen Wohnungsbestand. Eine nicht unerhebliche Zahl der untersuchten Unternehmen nimmt demnach zu wenig Geld in die Hand, um die Wohnungen instand zu halten.     

Einer Mehrzahl der Unternehmen, die zumeist im ländlichen Raum liegen, attestiert die Studie „strukturelle Defizite im Bereich des Immobilienportfolios“. Diese Unternehmen leiden demnach massiv unter den Folgen des demografischen Wandels, zu denen unter anderem die Abwanderung zumeist junger Menschen gehört – mit dramatischen Folgen. Immerhin drei der 15 untersuchten Unternehmen stuft Oelmann als bestandsgefährdet ein.

Kommunen steuern nicht

Teil des Problems sind laut Studie auch die Kommunen. Insbesondere kleine Kommunen hätten oftmals kein professionelles Beteiligungsmanagement. Die kommunalen Unternehmen würden nicht oder nur unzureichend kontrolliert bzw. gesteuert. Zielvereinbarungen oder auch nur eine einfache Kennzahlenanalyse der Jahresabschlüsse sind laut Studie nur selten vorhanden.  

Ein positives Zeugnis stellt die Studie hingegen den Wohnungsunternehmen aus dem Umland der Oberzentren aus. Diese hätten kaum Leerstand und eine gute Ertragslage. Sie profitieren demnach maßgeblich vom Wachstum der Großstädte.

Vorausschauend planen

Die Studie spricht auch Empfehlungen aus, mit denen die Effizienz der kommunalen Wohnungsunternehmen gesteigert werden kann. „Vor allem das Auslagern von Servicetätigkeiten, die Optimierung des Unternehmensaufbaus und der Ausbau der informationstechnischen Möglichkeiten“ seien vielversprechende Ansätze. „Um die Wirtschaftlichkeit der kommunalen Wohnungsgesellschaften auch für die Zukunft zu sichern, bedarf es einer realistischen langfristigen Planung von Stadtentwicklung“, heißt es weiter. Dies umfasse die realistische Prognose der Bevölkerungs- und Haushaltszahlen sowie künftiger Leerstände und Neubauten.

Für die Studie wurden die Jahresabschlüsse der kommunalen Unternehmen sowie die Beteiligungsberichte der Kommunen aus den Jahren 2014 bis 2016 analysiert. Anhand eines von der B & P Management- und Kommunalberatung in Kooperation mit der Professur für BWL der Technischen Universität Dresden entwickelten Kennzahlensets hat Studienautorin Oelmann die wirtschaftliche Lage von 15 Wohnungsunternehmen in kommunaler Hand unter die Lupe genommen.

In Mecklenburg-Vorpommern haben kommunale Wohnungsunternehmen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, zeigt der im Dezember 2018 veröffentlichte Kommunalfinanzbericht des Rechnungshofes. Während in Mecklenburg-Vorpommern viele kommunale Unternehmen unter hohen Altschulden leiden, scheinen die Unternehmen in Sachsen das Verschuldungsproblem laut der Studie aus Dresden weitgehend im Griff zu haben.  

a.mohl(*)derneuekaemmerer(.)de