Fremdfinanzierte Ausschüttungen

05.11.15 11:04

Stadtwerke kommen immer schwerer an Kredite

Von Markus Dentz und Katharina Schlüter

Stadtwerke galten jahrelang als die Cashcows der Kommunen. Inzwischen haben der Rückgang der Strompreise und die Energiewende ihre Spuren hinterlassen. Die Kreditqualität spreizt sich deutlich – einige liegen sogar im ausfallgefährdeten Bereich, hat eine Studie der Ratingagentur Scope ergeben. Besonders bedenklich: Einige Stadtwerke finanzieren ihre Ausschüttungen an die Kommunen inzwischen komplett über Kredite.

Stadtwerke haben es zunehmend schwer, sich zu finanzieren. Zwar bleiben Insolvenzen wie in Gera vorerst Einzelfälle. Doch immer mehr Kommunalversorger haben so schwache Finanzrelationen, dass sie nicht mehr den Stempel „Investmentgrade“ bekommen können. Zu diesem Ergebnis kommt die Ratingagentur Scope, die die Kreditqualität von 30 Stadtwerken auf Basis öffentlicher Daten untersucht hat. Es handelt sich um kommunale Versorger mit unterschiedlichen Umsatzgrößen, aus unterschiedlichen Regionen und mit unterschiedlichen Integrationsgrad.

 

Über den Zeitraum der vergangenen vier Jahre ist die Entwicklung dramatisch: Trotz eines Umsatzwachstums von rund 2 Prozent ist die Profitabilität, gemessen am Ebitda, im Schnitt um 4 Prozent gesunken. Gleichzeitig ist die absolute Verschuldung gestiegen. „Die abnehmende Profitabilität aus dem Kerngeschäft, geringere Cashflows aus Beteiligungen sowie die zunehmende Außenfinanzierung schlagen sich entsprechend negativ in zum Teil deutlich negativen Free Cashflows nieder“, sagt Scope-Analyst Sebastian Zank. Der Leverage habe sich im Mittel von 2,0x auf 3,4x erhöht. Besonders für Stadtwerke mit Ergebnisbelastungen aus Anlagen zur konventionellen Stromerzeugung gelte dieser Trend. „Das ist aus Ratingsicht eine sehr negative Entwicklung“, ergänzt Zank.

Ausschüttungen an Kommunen werden fremdfinanziert

Bedenklich sei, dass nur wenige Stadtwerke ihre Dividendenpolitik an die schrumpfenden Gewinne anpassen. Wo freie Cashflows fehlen würden Ausschüttungen an Kämmerer inzwischen zum Teil sogar komplett fremdfinanziert. „Aus Ratingsicht sind derartig finanzierte Dividendenausschüttungen kreditnegativ und dürften zukünftige Finanzierungsmöglichkeiten stark einschränken“, heißt es in der Mitte Oktober veröffentlichten Scope-Studie.

 

All dies führe dazu, dass Fremdkapitalgeber Stadtwerke inzwischen deutlich kritischer prüfen würden: „Stadtwerke mit Beteiligung an konventioneller Stromerzeugung mit der Aussicht auf sich nicht kurzfristig erholende Stromgroßhandelspreise liegen zum Teil deutlich im Non-Investmentgrade-Bereich“, sagt Zank. Es gebe aber viele Stadtwerke, besonders diejenigen ohne eigene Erzeugung, die besser dastehen.

 

Banken nicken Finanzierungen aufgrund der Gemengelage nicht mehr so einfach ab wie früher. „Stadtwerke brauchen eine ausgewogene Finanzierung“, betont Sebastian Zank. Zum Instrumentarium, das spannender wird, zählt etwa der Schuldschein. Dieser steht bei herkömmlichen Unternehmen derzeit ebenfalls hoch im Kurs. In Einzelfällen haben Stadtwerke auch schon Anleihen emittiert. Allerdings fehlt den allermeisten die kritische Größe für einen Bond. Zudem verfügen nur wenige bisher über ein öffentliches externes Rating. Analyst Zank glaub aber, dass durch die diversifizierte Finanzierung der Anteil der gerateten Versorger zunehmen wird. „Investoren drängen darauf, dass Emittenten entsprechende Ratings vorlegen“, sagt er.

 

Bei all dem sei es aber nicht so, dass sich alle Stadtwerke negativ entwickeln würden. Lediglich Einzelfälle weisen alarmierende Finanzkennzahlen auf, heißt es in dem Report. „Etliche haben den Trend erkannt und reagieren inzwischen“, sagt Zank. Die Ausschüttungspolitik werde zunehmend überprüft. Bei Investitionen achten die Stadtwerke-CFOs auf eine schnellere Rentabilität. Dabei steht etwa die Kraftwärmekoppelung hoch im Kurs. Alte, nicht profitable Segmente oder Kraftwerke legen sie hingegen still.

 

k.schlueter@derneuekaemmerer.de

2. Stadtwerke-Finanzforum
Spannendes rund um die Finanzierung von Stadtwerken diskutieren Teilnehmer am 3. Dezember 2015 im Rahmen des 2. Stadtwerke-Finanzforums in Köln. Sprecher auf der Veranstaltung sind unter anderen Dr. Peter Langner (Stadtkämmerer von Duisburg), Gabriele Klug (Stadtkämmerin von Köln), Alexander Fromme (Leiter Finanzen bei STEAG), Hans-Günther Meier (Vorstand Personal und Finanzen der Stadtwerke Düsseldorf), Carsten Finke (Leiter Konzernfinanzierung der LVV Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft) sowie Dr. Klaus Weimer (Geschäftsführer der Stadtwerke Iserlohn). Auch Scope-Analyst Sebastian Zank nimmt an einer Diskussionsrunde teil. Zum Programm und zur Anmeldung der Veranstaltung von „FINANCE“ und der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ geht es hier.