Kommunale Unternehmen wie Stadtwerke oder ÖPNV-Anbieter leiden unter Corona. Sie müssen besonderen Wert auf die Liquiditätsplanung legen.

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03.06.20
Finanzmanagement

Wie kommunale Unternehmen die Liquidität planen sollten

Kommunale Beteiligungen leiden genauso unter der Coronakrise wie Städte und Gemeinden. Umso wichtiger ist eine Liquiditätsplanung, die frühzeitig Probleme aufzeigt.

Die Coronapandemie setzt kommunale Beteiligungen wie Stadtwerke oder ÖPNV-Anbieter finanziell enorm unter Druck. Umso wichtiger ist in diesen Zeiten eine krisenfeste Liquiditätsplanung, um sich für die kommenden Monate zu wappnen.

Die Experten der Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberatungsgesellschaft KPMG haben in einem Webinar unlängst Einblicke gegeben, wie ein gutes Liquiditätsmanagement auszusehen hat. Denn: „Auch Unternehmen mit ausreichenden Liquiditätsreserven können sich in dieser Krise in einer Situation wiederfinden, in der die Liquidität knapp wird“, sagt Philipp Volmer von KPMG.

So klappt die Liquiditätsplanung

Hierfür haben die Experten vier essentielle Schritte definiert, die ein jedes Unternehmen befolgen sollte: So ist es zunächst wichtig, sich einen Überblick über den Finanzstatus der Firma zu verschaffen. Der Finanzstatus beinhaltet alle frei verfügbaren Kontostände und Kontokorrentlinien abzüglich der aktuell fälligen Verbindlichkeiten.

Im zweiten Schritt der Liquiditätsplanung, welche üblicherweise für einen Zeitraum von 13 Wochen erstellt wird, folgt ein genauer Blick auf die Zuflüsse. Hier sind zum einen die sicher erwarteten Einzahlungen zu identifizieren. KPMG betont, dass es aufgrund der Coronakrise besonders wichtig sei, erwartete Zahlungsverzüge bzw. -ausfälle bei Haushalts- und Gewerbekunden zu antizipieren und zu berücksichtigen. Diese wirkten sich in den kommenden Monaten deutlich auf die Liquidität aus.

Im nächsten Schritt werden Liquiditätsabflüsse genau unter die Lupe genommen. Wichtig hier: Diese Analyse beinhaltet bekannte sowie geschätzte Auszahlungen. Zentral sei hier, analog zu den Zuflüssen, dass Geschäftsführer möglichst genau eingrenzen, zu welchem Zeitpunkt die Zahlung zu leisten sei.

Cash-Analyse jede Woche durchführen

Im finalen Schritt werden die zuvor getätigten Analysen zusammengeführt – also der Finanzstatus zuzüglich der Ein- und Auszahlungen errechnet. Dabei können Unternehmen auch auf das altbewährte Excel zurückgreifen. Das Ergebnis stellt dann den Endbestand der verfügbaren Liquidität eines Unternehmens über einen 13-Wochen Zeitraum dar. In Krisenzeiten ist es besonders wichtig, dass Unternehmen diese Analyse wöchentlich durchführen, betont KPMG.

Die Berechnungen können dann als Basis dienen, um verschiedene Szenarien zu ermitteln, wie sich die Liquidität in den kommenden Monaten entwickeln könnten. So können Geschäftsführer kommunaler Unternehmen frühzeitig mögliche finanzielle Engpässe prognostizieren – und rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten.

Die detaillierte Planung der Liquidität hilft Unternehmen letztlich bei Verhandlungen mit Banken, die aktuell mit einer hohen Arbeitsbelastung aufgrund der Corona-Soforthilfen konfrontiert sind. Mit einer professionellen Liquiditätsplanung schaffen Geschäftsführer Transparenz und somit letztlich Vertrauen.

Banken können in der Krise unterstützen

Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Geldhäuser Kunden im Rahmen ihrer Möglichkeiten – beispielsweise mit Zinsstundungen oder dem Beibehalten offener Kreditlinien – unterstützen. Unter Umständen kann durch die vertrauensbildenden Maßnahmen sogar die Aufnahme weiterer Kreditlinien gelingen.

Hier schickt KPMG-Experte Volmer jedoch eine Warnung hinterher: „Zusätzliches Fremdkapital verschlechtert die Eigenkapitalquote und führt mit den erforderlichen Tilgungen zu Liquiditätsbelastungen in der Zukunft.“ Diese müssen Unternehmen auch in Nachkrisenzeiten stemmen können, „sonst verschiebt sich ein Teil des Problems einfach in die Zukunft.“

j.eich(*)derneuekaemmerer(.)de

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