Foto: Commerzbank AG

Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main

Niedrigzinspolitik der EZB

09.02.16 11:27

Commerzbank erhebt Strafzinsen

Von Katharina Schlüter

Parken Kommunen überschüssige Liquidität bei der Commerzbank, könnten zukünftig Strafzinsen anfallen. Die Commerzbank gibt die von der EZB verlangten Negativzinsen damit auch an den öffentlichen Sektor weiter.

Seit Ende 2014 verlangt die Commerzbank von einzelnen Großkunden Guthabengebühren. Diese Praxis will die Privatbank nun ausweiten – betroffen werden wohl auch Kommunen sein.

 

Nikola Köller, Leiterin Kompetenzzentrum Öffentlicher Sektor Deutschland der Commerzbank, sagte gegenüber DNK: „Bei Firmenkunden, großen Konzernen, institutionellen Kunden und Kunden des öffentlichen Sektors, die hohe Guthaben als Einlagen bei uns parken, vereinbaren wir verstärkt für die überschüssige Liquidität eine individuelle Guthabengebühr.“

 

Ziel sei es dabei aber nicht, diese Gebühr tatsächlich zu erheben, sondern in Gesprächen mit den Kunden gemeinsam alternative Anlagekonzepte zu entwickeln.

 

Mit dieser Ankündigung werden nun weitere Kommunen auch verstärkt die negativen Auswirkungen der Niedrigzinspolitik der EZB zu spüren bekommen. Denn bisher profitieren die meisten Kommunen – ebenso wie die anderen föderalen Ebenen – von der Niedrigzinspolitik der EZB stark: Dank der historisch niedrigen Zinsen können sie sich sehr günstig verschulden, die Zinslasten sinken in den meisten Kommunalhaushalten deutlich.

 

Seit Sommer 2014 erhebt die EZB Strafzinsen auf die bei ihr geparkten Einlagen, so soll das Kreditangebot ausgeweitet und damit die Wirtschaft im Euroraum angekurbelt werden.

 

Laut der DNK-Schwesterpublikation FINANCE ist die Weitergabe von negativen Zinsen an Firmenkunden bei der kurzfristigen Geldanlage bei Weitem keine Ausnahme mehr. FINANCE hatte 14 Banken zu diesem Thema befragt, kein Geldinstitut schließt negative Guthabenzinsen mehr grundsätzlich aus. Acht der 14 befragten Banken räumen ein, dass negative Zinsen für Firmenkunden in bestimmten Fällen möglich sind. Zwei Banken erheben sie nach eigenen Angaben aktuell zwar nicht, schließen sie aber für die Zukunft nicht aus. Vier Banken – RBS, BNP Paribas, BNY Mellon sowie die Helaba – wollten sich zu dem sensiblen Thema allerdings nicht äußern.

k.schlueter@derneuekaemmerer.de