Im Interview: Frank Mühlbauer, WL-Bank-Chef

31.07.15 08:49

„Die Politik leistet dem kurzfristigeren und risikoreicheren Geschäft Vorschub“

Von Katharina Gail

Ein Drittel des hierzulande über Pfandbriefe abgedeckten inländischen Staatsfinanzierungsgeschäfts entfällt auf Städte und Gemeinden. Vor fünf Jahren betrug dieser Anteil noch 18 Prozent. Im Interview erläutert der Vorstandsvorsitzende der WL Bank, Frank Mühlbauer, wie es zu dieser Verschiebung gekommen ist und welchen Einfluss die Regulierungsvorhaben aus Brüssel auf das Geschäft mit den Kommunen haben könnten.

Frank Mühlbauer , Vorsitzender des Vorstands der WL Bank, im Interview

WL Bank

Frank Mühlbauer , Vorsitzender des Vorstands der WL Bank

Herr Mühlbauer, Sie haben vor kurzem Kommunalkredite als Stabilitätsanker für Pfandbriefbanken bezeichnet – im Gegensatz zum Geschäft mit Bund und Ländern, für das Sie einen Bedeutungsverlust feststellen. Wie erklären Sie sich das?

 

Insgesamt ist der Umlauf öffentlicher Pfandbriefe seit 2004 rückläufig. Ein wesentlicher Treiber hierbei ist, dass die EU-Kommission am Anfang der Nullerjahre darauf gedrängt hat, die Gewährträgerhaftung für öffentlich-rechtliche Banken abzuschaffen. Neuemissionen von Landesbanken und Sparkassen mit einer Laufzeit über den 31. Dezember 2015 hinaus sind deshalb nicht mehr deckungsstockfähig und können nicht mehr als Sicherung für den Pfandbrief verwendet werden. Das Geschäft mit Bund und Ländern hat zudem wegen der seit Jahren niedrigen Rendite- und Spreadniveaus für die Deckungsmassen des Pfandbriefes an Attraktivität verloren. Darüber hinaus wurde das Auslandsgeschäft im Zuge der Finanzkrise massiv zurückgefahren. Die inländische kommunale Deckungsmasse ist hingegen trotz der Krise konstant geblieben.

 

Warum sind gerade die Kommunen als Kreditnehmer für Sie interessant?

 

Der Vorteil des Pfandbriefes ist ja, dass man ihn mit relativ klein gebündelten Darlehensgeschäften besichern kann, um diese kapitalmarktfähig zu machen. In dieser Größenordnung fragen Kommunen Darlehen nach. Kredite bei Pfandbriefbanken sind für diese Zielgruppe interessant, weil wir uns aufgrund unserer günstigeren Refinanzierungsbasis im Gegensatz zu den Kreditbanken vor allem im langfristigen Bereich engagieren können. Für uns sind Kommunen auch attraktiv, weil sie neben den Darlehen auch anderer Dienstleistungen bedürfen, wie zum Beispiel in den Bereichen Zahlungsverkehr, Geldanlage oder Versicherungen. Dahingehend versuchen wir Verbindungslinien herzustellen.

 

Und kooperieren deshalb mit den Volksbanken und Raiffeisenbanken?

 

Die WL Bank ist Dienstleister für die Volksbanken und Raiffeisenbanken vor Ort. Wenn ein Kämmerer beispielsweise einen Kredit ausschreibt, kann die Primärbank entscheiden, ob sie selbst ein Angebot erstellt oder die Ausschreibung mit der Bitte um Angebotserstellung an die WL Bank weiterleitet. Wir versuchen daneben gezielt, das Filialnetz der Volksbanken und Raiffeisenbanken zu nutzen, um vor Ort persönliche Kontakte zu Kämmerern und Bürgermeistern aufzubauen bzw. zu pflegen.

 

Anfang des Jahres schrieben die Autoren einer DIW-Studie, die zur Diskussion stehende Bankenregulierung – Stichwort Leverage Ratio – könne zum Rückzug der Realkreditinstitute aus dem Kommunalgeschäft führen. Wie ist da der Stand der Dinge?

 

Wenn die Leverage Ratio so kommt, wie angekündigt, werden die Geschäfte, die risiko- und margenarm sowie langfristig angelegt sind, aus Sicht der Banken herausfordernder. Das wird zur Folge haben, dass sich die Angebotsseite tendenziell aus dem langfristigen Kreditgeschäft weiter zurückzieht. Der Politik sollte bewusst sein, dass sie mit ihrem Vorhaben dem kurzfristigeren und risikoreicheren Geschäft Vorschub leistet. Letztlich ist noch nicht in Stein gemeißelt, wie die Leverage Ratio ausgestaltet sein wird. In der Beobachtungsphase bis Ende 2017 ist sie bei 3 Prozent angesiedelt. Es gibt aber Diskussionen, diese Quote generell weiter zu erhöhen. Zudem wird darüber nachgedacht, die Leverage Ratio institutsspezifisch festzusetzen.

 

Anfang Juni wurde in NRW die dritte Gemeinschaftsanleihe am Kapitalmarkt platziert. Ein Vertreter der Stadt Essen, die daran beteiligt war, sagte damals, die Konditionen würden sich für Kommunen im Abgleich zum Kommunalkredit nicht unterscheiden. Angesichts des Regulierungsszenarios, welchen Stellenwert würden Sie Anleihen in der Zukunft beimessen?

 

Wir sehen Anleihen als zusätzliches Refinanzierungsinstrument für Kommunen ab einer bestimmten Größenordnung. Nach unserer Einschätzung, wird der Bedarf wachsen, aber auf niedrigem Niveau, vielleicht in einer Größenordnung von 5 bis 10 Prozent des Gesamtvolumens. Nicht jede Kommune hat einen so hohen Finanzierungsbedarf wie die Städte, die in NRW die drei Gemeinschaftsanleihen emittiert haben. Für die überwiegende Mehrheit der Kommunen wird dieses Instrument nicht greifen. Dafür ist ein Kommunaldarlehen aufgrund der leichteren Handhabung und höheren Flexibilität deutlich besser geeignet. Die Anleihe erfordert einen gewissen Aufwand und lohnt sich in der Regel erst ab einem Emissionsvolumen von 100 Millionen Euro. Wenn eine Kommune diesen Weg gehen will, haben wir als Institut die Möglichkeit, das zu begleiten.

 

k.gail@derneuekaemmerer.de