Versuch einer umfassenden Gemeinschaftsanleihe

09.09.13 10:16

Erste kommunale „Riesenanleihe“ in den Startlöchern

Von Tobias Schmidt

Lange wurde über die Pläne spekuliert, jetzt ist es amtlich: Der erste konkrete Versuch einer umfassenden kommunalen Gemeinschaftsanleihe geht an den Start. Ab 19. August können sich die Kommunen anmelden. Damit steht eine Anleihe erstmals auch kleineren Kommunen offen.

Insgesamt um die 500 Millionen Euro Refinanzierungsnachfrage will das bayerische Unternehmen Kandler Gruppe GmbH ab dem 19. August bei den Kommunen einsammeln und gesammelt über den Kapitalmarkt refinanzieren. Nur wenn der zusammengetragene Bedarf deutlich unter 400 Millionen Euro liegt, stünde das Projekt zumindest vorerst auf der Kippe. Doch daran glaubt Stefan Friedrich, Kandler-Chef und Initiator der Anleihe, nicht. Bis Ende Oktober gibt Friedrich den Kommunen Zeit, sich anzumelden. Dann will er auf die Investoren zugehen. „Das werden aber keine schwierigen Gespräche, weil wir uns das grundsätzliche Interesse der Investoren schon in ersten Vorgesprächen bestätigen haben lassen“, so Friedrich gegenüber der DNK-Redaktion. Anfang 2014 soll dann alles in trockenen Tüchern sein, sodass das eingesammelte Geld schon Anfang Februar an die Kommunen fließen kann.

Misserfolg vermeiden

Eigentlich will Friedrich eine Plattform für alle interessierten Kommunen bieten. Doch für die Erstemission sind nur Kommunen mit mindestens 50.000 Einwohnern und einer Pro-Kopf-Verschuldung von unter 6.000 Euro zugelassen. Damit will er zunächst auf Nummer sicher gehen, denn eine misslungene Emission will er unbedingt vermeiden.

 

Langfristig sollen aber alle Schranken fallen. „Dann soll jeder mitmachen können, der die Mindestbeteiligungssumme von 5 Millionen Euro im Portfolio gebrauchen kann“, so Friedrich. Wenn sich das Instrument etabliert hat, soll es weitere Emissionen im Quartals-Takt geben.

 

Um aufwendige Genehmigungsverfahren müssen sich die Kämmerer nicht sorgen. „Da die Kommunen nicht direkt mit den Investoren in Kontakt treten und ganz im Sinne eines Kredits Geld bekommen bei gleichzeitiger Verpflichtung, Zins und Tilgung zu leisten, ist weder eine gesonderte Genehmigung des Rates noch der Kommunalaufsicht einzuholen“, sagt Friedrich. Die Zustimmung der Bafin habe sich sein Unternehmen gesichert, indem es mit der Frankfurter Investmentbank equinet ein Finanzinstitut an der Abwicklung beteiligt habe.

Stolperstein Gebühren?

Bleibt noch die Frage, was das alles kosten soll. Insgesamt werde man auf Kommunalkreditniveau bleiben, so Friedrich. Schließlich profitierten alle von dem hohen Emissionsvolumen. Unterschiedliche Konditionen für unterschiedliche Kommunen werde es zwar nicht geben. Bei Abnahmevolumina unter 15 Millionen Euro werde aber etwas mehr verlangt, als bei größeren Volumina. Die Zinsen, die die Kommunen zahlen, werde das Unternehmen vollständig an die Investoren weiterreichen. Die Plattform selbst dagegen finanziere sich über einen Abschlag bei Ausgabe der Kreditsumme an die Kommunen (Disagio). Dieser werde „spürbar unter einem Prozent“ liegen.