Ergebnisse der DNK-Kämmererbefragung 2015

26.02.15 11:55

Keine verstärkten Anzeichen für Kreditklemme

Von Tobias Schmidt

Nach beunruhigenden Berichten der Kämmerer in 2013 signalisiert die aktuelle DNK-Befragung keine verschärften Anzeichen für eine drohende Kreditklemme. Die Kämmerer setzen inzwischen weniger auf Zinsabsicherung. Das allerdings könnte gefährlich sein.

Nach einem gravierenden Anstieg zwischen 2011 und 2013 geben nun wieder anteilig etwas weniger Kämmerer an, von einzelnen Banken keine Kredite mehr zu bekommen. n=556

Die Kämmerer sehen die allgemeine Lage im Bereich der Kommunalfinanzierung heute etwas entspannter als noch vor zwei Jahren. Das ist eines der Ergebnisse der DNK-Kämmererbefragung 2015. Die Redaktion dieser Zeitung hat über 2.000 kommunale Finanzentscheider deutscher Kommunen online angeschrieben. Bei einer Rücklaufquote von gut 27 Prozent liegen 556 vollständige Antwortsätze vor.


Im Jahr 2013 hatten die Befragungsergebnisse Befürchtungen bestärkt, dass sich Kommunalfinanzierer zunehmend aus dem Geschäft zurückziehen könnten. Ein Viertel der Befragten gab an, dass ihnen innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens eine Partnerbank keine weiteren Kreditangebote gemacht bzw. sie mit ungünstigen Konditionen gezielt abzuwehren versucht hat. Im Vergleich zum Jahr 2011 waren das anteilig mehr als doppelt so viele Kämmerer. Inzwischen hat sich die Lage aber nicht weiter verschärft. Mit 23 Prozent der Befragten gab es 2015 sogar einen leichten Rückgang gegenüber 2013 (siehe Graphik).


Keine Angst mehr vor der Zinsfalle?


Das aktuell niedrige Zinsniveau macht es aus Sicht klammer Kommunen relativ attraktiv, weitere Schulden aufzunehmen. Allerdings ist ungewiss, wie lange die Zinsen noch auf dem derzeitigen niedrigen Niveau bleiben werden. In diesem Zusammenhang wird häufig vor einer drohenden Zinsfalle gewarnt, in die Kommunen mit hohen Schuldenbergen geraten könnten. Im Vergleich zum Jahr 2013 sehen die Kämmerer heute aber offenbar keine verstärkte Notwendigkeit, sich abzusichern. Im Gegenteil: Mit gut 42 Prozent geben etwas mehr Befragte als vor zwei Jahren an, dass sie keine besonderen Maßnahmen zur Absicherung gegen einen möglichen Zinsanstieg einleiten. Und: Wollten sich vor zwei Jahren noch rund 10 Prozent der Befragten verstärkt durch Zinsswapverträge absichern, sagen dies aktuell nur noch rund 6 Prozent der Befragten. Verstärkt auf langfristige Kreditaufnahmen setzt derzeit gut die Hälfte der Kämmerer bei leicht rückläufiger Tendenz.


Ein Grund für die Gelassenheit könnte sein, dass inzwischen viele mit langfristig niedrigen Zinsen rechnen. Spätestens gilt das seit dem im Januar bekanntgegebenen billionenschweren Anleihekaufprogramm der EZB. Seitens der Analysten wird diese Grundstimmung weitgehend geteilt, es gibt aber auch durchaus ein differenziertes Bild. Mit Spannung schauen die Marktbeobachter derzeit auf die USA, wo viele mit einer Zinsanhebung noch im Sommer rechnen. Äußerungen von Vertretern der FED sowie eine solide US-Konjunktur sprächen dafür, so die Begründung. Und ein Zinsanstieg in den USA könnte dann auch auf den Euro-Raum wirken.


t.schmidt@derneuekaemmerer.de


Mehr zu den Ergebnissen der DNK-Kämmererbefragung 2015 erfahren Sie in der Märzausgabe von „Der Neue Kämmerer“ (Erscheinungstermin: 27. Februar 2015)