Investitionen in zukunftsfähige Infrastruktur – wie z.B. Ladestationen für E-Bikes – können Kommunen über Leasing finanzieren.

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09.03.21
Finanzmanagement

Leasing als alternative Finanzierung für Kommunen

Das Leasing beweglicher Sachen spielt in Kommunen bislang oft keine Rolle. Dabei bietet es als alternative Finanzierungsform viele Vorteile – und kann sich besonders in Krisenzeiten bezahlt machen.

In Zeiten von Covid-19 bekommen die Optimierung und der Ausbau von digitalen Abläufen, Strukturen und Ressourcen eine besondere Bedeutung. Selbst Kommunen, die ihre Investitionen in die Digitalisierung bislang aufgeschoben haben, verspüren nun einen akuten Handlungsbedarf.

Ob vom kontaktlosen E-Government über den Ausbau von Ladestationen für E-Bikes bis zu cloudbasierten Netzwerken für Tele-und Homeoffice-Arbeitsplätzen: Die Kommunen sind gefordert, ihre strategische Herangehensweise in Zeiten des digitalen Wandels aktiv zu gestalten und zusammen mit den Unternehmen der Kommunalwirtschaft wie z.B. Stadtwerken, Nahverkehr oder Ent- und Versorgungsbetriebe umzusetzen. Aber: Wie lassen sich Investitionen am besten finanzieren?

Leasing schont Liquidität

Eine Möglichkeit, die in vielen Kommunen bislang praktisch keine Rolle spielt, ist das Leasing beweglicher Sachen. Es bietet eine Vielzahl von Vorteilen: Der Leasingnehmer spart sich zum einen hohe Anschaffungskosten. Damit werden vorhandene Haushaltgelder geschont und können für andere, nicht leasingfähige, Investitionen wie die Erhaltung von Gebäuden, Straßen oder Fortbildung von Mitarbeitern eingesetzt werden.

Zum anderen reduziert sich die finanzielle Belastung der Kommune auf monatliche Leasingraten, sodass sie sich über die gesamte Laufzeit verteilt. Dies erhöht die wirtschaftliche Flexibilität der Kommune und schafft eine größere Unabhängigkeit in Bezug auf andere Investitionsentscheidungen.

Leasing: die größten Vorteile

Spielarten von Leasingverträgen

Es gibt zwei wesentliche Vertragsarten beim Leasing. Die erste ist der Teilamortisationsvertrag. Diese Leasingform empfiehlt sich, wenn das Leasingobjekt besonders wertbeständig oder im Restwert genau vorher bestimmbar ist. Die Anschaffung- und Herstellungskosten werden während der Grundlaufzeit nur zu einem vorher festgelegten Prozentsatz amortisiert. Am Ende verbleibt ein Restwert, weshalb man auch vom „Restwert-Leasing“ spricht. Den Restwert garantiert in der Regel der Leasingnehmer oder der Lieferant. Darum ist es wichtig, den Restwert möglichst marktgerecht und realistisch zu kalkulieren.

Im Gegensatz zur Teilamortisation ermöglicht die Vollamortisation dem Leasingnehmer vor allem eine schnelle Tilgung der Kosten über einen kurzen Zeitraum und bietet sich damit für weniger wertbeständige Investitionen, z.B. im Bereich IT an. Für die Leasingdauer ist hierbei die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer gemäß der amtliche Afa-Tabelle ausschlaggebend. Sie darf nicht weniger als 40 Prozent und nicht mehr als 90 Prozent der Afa-Zeit betragen. Ist die Leasingdauer beendet, hat der Leasingnehmer die Möglichkeit, das Objekt zurückzugeben, zu kaufen oder den Mietvertrag zu verlängern.

Pool-Leasing: Investitionen im Paket

Wenn Kommunen mehrere Geräte benötigen, wie bspw. PCs, Server und Software, lohnt sich oftmals ein Pool-Leasing. Dabei wird die Vielzahl kleinerer Investitionen über einen festgelegten Zeitraum zusammengefasst und in einen Leasingvertrag eingebunden. Aufgrund des höheren Volumens verbessern sich dadurch die Leasingkonditionen.

Wichtig bei allen Vertragsformen: Kommunen müssen Leasingverträge ausschreiben, allerdings nur, sofern das Vorhaben einen Schwellenwert von 214.000 Euro überschreitet. Der Auftragswert entspricht der geschätzten Gesamtvergütung. Diese ist allerdings gerade im Bereich des Leasings eindeutig ermittelbar, da es über die vereinbarte Grundmietzeit fixe Leasingraten bis zum Vertragsende gibt. 

Darüber hinaus sollten Kommunen die Laufzeit mit Bedacht und nah an der tatsächlichen wirtschaftlichen Nutzungsdauer wählen. Die Länge der Laufzeit beeinflusst die Höhe der monatlichen Raten. Zum Ende der Vertragslaufzeit muss die Kommune die Kündigungsfriste beachten. Hier gilt es, rechtzeitig zusammen mit dem Leasinggeber darüber zu entscheiden, wie es nach Ablauf der „Grundlaufzeit“ weiter gehen soll.

redaktion(*)derneuekaemmerer(.)de

Ralf Marquardt ist Geschäftsführer von FML Finanzierungs- und Mobilien Leasing.

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