Wohin geht es beim Anlagemanagement? Das Niedrigzinsunfeld bleibt Kämmerinnen und Kämmerern wohl auch in Zeiten von Corona erhalten.

Asergieiev/iStock/Thinkstock/Getty Images

21.08.20
Finanzmanagement

Wie verändert Corona das Anlagemanagement?

Zwar wirbeln die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie die kommunalen Haushalte durcheinander, doch die Rahmenbedingungen auf den Zinsmärkten werden sie wohl nicht ändern. Niedrig- und Strafzinsen dürften bleiben – ebenso das Thema Nachhaltigkeit.

Derzeit bleibt kaum ein kommunaler Bereich von der Coronakrise verschont. Die Finanzlage vieler Kommunen hat sie über Nacht auf den Kopf gestellt, Pläne und Prognosen sind Makulatur. Jetzt, da Kämmerer um die Einnahmeseite ihrer Kommunen bangen, könnte das Anlagemanagement auf der Prioritätenliste nach unten rutschen. Tatsächlich habe die aktuelle Krisensituation vermutlich wenig Einfluss auf langfristige Anlagen, vermutet Christoph Drewek, Direktor und Gruppenleiter Firmenkunden bei Union Investment. Schließlich bleiben die Rahmenbedingungen bestehen. „Das Niedrigzinsumfeld wird uns noch viele Jahre erhalten bleiben,“ vermutet Drewek.

Die Coronapandemie hat „erhebliche gesamtgesellschaftliche Auswirkungen und beeinträchtigt insofern unsere Volkswirtschaft vollumfänglich“, beobachtet Christine Zeller, Kämmerin der Stadt Münster. Auch im Anlagemanagement seien diese zu spüren. Während 2019 einige Geldanlagegeschäfte getätigt worden seien, profitiere die Stadt jetzt angesichts wegbrechender Steuereinnahmen von den Rückflüssen aus diesen Geschäften. Der Blick richtet sich laut der Kämmerin „auf die Versorgung mit Liquidität.“ Münster könne sich den Marktgegebenheiten nicht entziehen: „Unsere städtischen Fonds müssen wie alle anderen langfristigen Kapitalanlagen den stürmischen Zeiten trotzen.“  

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Nicht überall sind Aktien erlaubt

In Krisenzeiten sei es wichtig, flexibel und schnell auf sich verändernde Marktbedingungen reagieren zu können. Münster hat daher die städtische Anlagerichtlinie aktualisiert. „Zukünftig lassen wir unter anderem mehr Anlageklassen zu“, sagt Zeller. Diese Öffnung soll dazu beitragen, gezielt einzelne Anlageformen beimischen zu können, wenn dies unter Risikogesichtspunkten vertretbar ist. Basis bleibe der ministerielle Runderlass zu kommunalen Kapitalanlagen in NRW.

Deutschlandweit rechnet Banker Drewek auf dem Gebiet der kommunalen Anlagerichtlinien jedoch nicht mit Veränderungen. In einigen Bundesländern sind beispielsweise keine Aktien erlaubt: „Das ist sehr bedenklich“, sagt er. Letztendlich seien Kämmerern, wenn sie nicht in Aktien investieren dürften, dadurch die Hände gebunden, Renditechancen wahrzunehmen. Dies führe zu „Geldvernichtung“.

Hoher Stellenwert für die Nachhaltigkeit

Die Forderung, dass Kommunen ihr Geld „sicher und rentabel“ anlegen müssen, hat sich laut seiner Einschätzung sogar zu einem Widerspruch entwickelt. Statt für ein pauschales Verbot spricht er sich für eine „vernünftige“ Aktienbeimischung aus – von höchstens 30 und maximal 50 Prozent bei langfristigen Pensionsrückstellungen. Aktiv gemanagte Fonds hätten zudem den Vorteil, dass ihr Aktienanteil marktbedingt nach unten angepasst werde – so geschehen auch in der Coronakrise.

Während mancher bereits fürchtet, dass das Thema Nachhaltigkeit angesichts der aktuellen Herausforderungen an Bedeutung verlieren wird, geht der Banker davon aus, dass es im Anlagebereich seinen hohen Stellenwert behalten wird. Schließlich sei den Kommunen die nachhaltige Ausrichtung rechtlich auferlegt worden.  

ak.meves(*)derneuekaemmerer(.)de

Bei dem hier veröffentlichten Text handelt es sich um einen Ausschnitt aus dem Artikel „Anlagemanagement in Zeiten von Corona“, der in der DNK Zeitung 2/2020 erschienen ist.

Über das Thema „Nachhaltige Geldanlagen für Kommunen“ diskutieren wir auch beim Digitalen Deutschen Kämmerertag 2020. Hier geht es zum Programm und zur Anmeldung

Weitere Hintergründe finden Sie zudem auf den Themenseiten Anlagemanagement und Coronakrise.