Zinsprognose des Bundesverbandes öffentlicher Banken

11.05.17 10:58

VÖB rechnet mit langsamer Abkehr von der EZB-Niedrigzinspolitik

Von Ariane Mohl

Bereitet die EZB den Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik vor? Die Experten des Bankenverbandes rechnen mit einem baldigen Kurswechsel der Notenbank. Den hatte EZB-Chef Draghi vor wenigen Wochen jedoch noch ausgeschlossen.

Die Zinsexperten des Bundesverbandes öffentlicher Banken (VÖB) erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in den kommenden zwölf Monaten einen strafferen Kurs in der Geldpolitik einschlagen wird. Erste Entscheidungen der Notenbank für einen langsamen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik seien um den Jahreswechsel 2017/2018 zu erwarten, teilte der VÖB am Mittwoch in Frankfurt am Main mit. So könnte die EZB beispielsweise die Anleiheankäufe einstellen oder den negativen Einlagensatz für Banken erhöhen. „Während die Fed die Leitzinsen bereits erhöht hat und dies auch weiterhin tun wird, muss die EZB zunächst die Märkte kommunikativ auf einen Kurswechsel einstimmen“, erläutert der Verband. Ulf Krauss, Volkswirt bei der Helaba, sagte dem Handelsblatt, dass EZB-Chef Mario Draghi es nicht eilig habe, seinen Kritikern aber etwas anbieten müsse.

 

Was die wirtschaftliche Lage in Deutschland angeht, rechnen die VÖB-Experten für das kommende Jahr mit einer etwas schwächeren Dynamik. Grundsätzlich bleibe das Wachstum in Europa aber „robust“ und bewege sich zwischen 2,0 und 2,9 Prozent.

 

 

Erst Ende April hatte Draghi betont, seinen vor allem von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kritisierten Kurs fortsetzen zu wollen. Es sei weiter nötig, die Konjunktur zu beleben, sagte er im niederländischen Parlament. Die Geldpolitik der EZB habe zwar erste Früchte getragen. „Dennoch ist es noch zu früh, einen Erfolg zu verkünden.“

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de