Interview mit Saarbrückens Kämmerer

12.12.14 09:48

„Wir wollen ein hohes Zinsrisiko vermeiden“

Von Ina Bullwinkel

Die Stadt Saarbrücken hat einen 100 Millionen Euro schweren Schuldschein emittiert. Mit dem Geld sollen Kassenkredite abgelöst werden, sagt Finanzdezernent und Bürgermeister Ralf Latz im DNK-Interview. Dabei setzt er auf Laufzeiten bis zu zehn Jahren.

Saarbrücken

Auf zu neuen Ufern: Die Stadt Saarbrücken hat erstmals einen Schuldschein emittiert. Auch in Zukunft will die Stadt auf diese Finanzierungsmöglichkeit setzen.

Herr Latz, Anfang November hat Saarbrücken das allererste Schuldscheindarlehen emittiert. Warum haben Sie sich jetzt dazu entschieden?


Zum einen möchten wir uns die aktuell sehr niedrigen Zinsen für die Zukunft sichern. Unser Schuldschein besteht aus Tranchen mit fünf, sieben bzw. zehn Jahren Laufzeit bei fester Verzinsung. Außerdem bemerken wir in letzter Zeit, dass sich auf Ausschreibungen größerer Tranchen im Bereich der Kassenkredite nicht mehr so viele Banken mit zielführenden Angeboten bei uns melden.

 

Hätten Sie die 100 Millionen Euro über Kommunalkredite nicht bekommen?


Es ist immer noch möglich, der Kommunalbereich ist ja immer noch mit „Triple A“ geratet, aber wir sehen, dass es weniger Angebote gibt. Wenn wir vor ein paar Jahren einen Kredit mit 50 Millionen Euro ausgeschrieben haben, haben wir vielleicht 12 bis 15 Angebote bekommen, heute sind es deutlich weniger. Wir möchten mit dem Schuldschein auch durch Streuung Klumpenrisiken vermeiden.

 

Welche Investoren haben denn mitgemacht?


Die Investoren sind in Gänze inländische Vertreter aus dem Finanzbereich.


Und meinen Sie, dass Sie die Investoren auch langfristig gebunden haben?


Das wird sich zeigen. Ich habe zumindest die Hoffnung, dass eine mittel- und langfristige Bindung zu Investoren bestehen bleibt. Aktuell sind wir in einem ersten Schritt mit 50 Millionen Euro an den Markt gegangen und die Nachfrage war überraschend groß. Daher haben wir die Genehmigung des Stadtrats, bis 100 Millionen Euro zu gehen, voll ausgeschöpft.


Was machen Sie mit dem frischen Geld?

 

Uns geht es in erster Linie um die Zinssicherung bei Kassenkrediten. Wir haben im größeren Umfang  Kassenkredite im Tagesgeschäft und wir können diese jetzt ablösen und langfristig sichern – auf einem sehr niedrigen Zinsniveau. Das ist der Vorteil. Wenn die Zinsen perspektivisch ansteigen, wird es  teurer für uns, deswegen macht es Sinn diese Kassenkredite langfristig abzusichern.

 

Mit bis zu zehn Jahren haben die Kredite eine sehr lange Laufzeit. Ist das noch der Sinn eines Kassenkredits?


Im Saarland ist das durchaus möglich. Zinssicherung bis zu zehn Jahren ist auch bei Kassenkrediten von der Kommunalaufsicht genehmigt, und wenn man die Chance hat, einen sehr niedrigen Zinssatz für zehn Jahre festzuschreiben, ist das auf jeden Fall besser als jedes Jahr ein hohes Zinsrisiko einzugehen, falls die Zinsen steigen.


Wie genau ist der Zinskupon ausgefallen?


Wir konnten am unteren Rand unserer vorgegebenen Zinsspanne preisen. Die Zinshöhe des Schuldscheins ist mit der eines Kassenkredits absolut vergleichbar.


Planen Sie für die Zukunft bereits weitere Schuldscheinplatzierungen?


Im Frühjahr werden wir diskutieren, ob wir einen zweiten Schuldschein auflegen. Dazu brauche ich die Zustimmung des Rats.


Wie hoch ist der Anteil der Schuldscheinfinanzierung am Gesamtverschuldungsvolumen?


Wir haben im kurzfristigen Tagesgeschäft etwa 450 Millionen Euro und das Schuldscheindarlehen geht über 100 Millionen Euro. Die Gesamtkassenkreditlage der Stadt liegt bei rund 850 Millionen Euro. Wir haben einige auch langfristig und mittelfristig abgesichert. Die Gesamtverschuldung inklusive Investitionskrediten liegt bei 1,18 Milliarden Euro, was eine ziemliche Belastung darstellt.


i.bullwinkel@derneuekaemmerer.de