Erste kommunale Gemeinschaftsanleihe

17.05.13 09:27

„Wollten Spielraum nach unten nicht überreizen“

Von Tobias Schmidt

Die Städte Nürnberg und Würzburg haben die erste kommunale Gemeinschaftsanleihe platziert. Gleich zu Beginn war das Papier 4,5-fach überzeichnet.

Bemerkenswert ist, dass rund die Hälfte der Investoren Versicherer, Vermögensverwalter und Retailanleger sind. Und das zu Kommunalkreditkonditionen. Doch in dieser Rechnung tauchen die Gebühren für die vier Arrangeure noch nicht auf.

 

Das primäre Ziel, den Gläubigerkreis über die üblichen Kommunalfinanzierer hinaus zu erweitern, haben die Stadtkämmerer Harald Riedel aus Nürnberg und Christian Schuchardt aus Würzburg mit ihrer Anleihe erreicht. Versicherungen waren mit 36,8 Prozent beteiligt, Vermögensverwalter und Retailinvestoren immerhin mit 8 beziehungsweise 7 Prozent. Ausländische Investoren zeichneten insgesamt 8 Prozent des Emissionsvolumens. Über ein elektronisches Orderbuch konnten die Kämmerer live bis auf den Namen nachverfolgen, welche Investoren zeichnen. Außerdem konnten sie bei der Auswahl unter den Geboten mitreden. Da die Anleihe schon nach kurzer Zeit 4,5-fach überzeichnet war, stellt sich die Frage, ob die Kupon-Spanne nicht etwas zu konservativ angesetzt worden ist. „Wir haben das Thema im Vorfeld mit den beteiligten Banken intensiv diskutiert“, sagt Nürnbergs Stadtkämmerer Riedel. „Insbesondere vor dem Hintergrund, dass wir institutionelle Anleger und nicht bloß Banken erreichen wollten, wollten wir den Spielraum nach unten nicht überreizen.“ (Siehe zu diesem Aspekt auch die Replik von Clemens Stoffers, Leiter Vermögens- und Schuldenmanagement der Stadt Essen, am Ende dieses Beitrags)

 

Ob man den Investoren nun noch mehr hätte abverlangen können oder nicht: Bei einer Laufzeit von zehn Jahren bewegt sich die Emission mit einer Verzinsung von 1,965 Prozent ohnehin genau im Rahmen der üblichen Kommunalkreditkonditionen. „Wir haben anhand indikativer Angebote die Konditionen unserer Platzierung mit den Kommunalkreditkonditionen verglichen“, sagt Christian Schuchardt, Stadtkämmerer von Würzburg. „Im Ergebnis liegen wir nicht darüber.“

 

In dieser Rechnung sind die Gebühren, die die Arrangeure kassiert haben, allerdings noch nicht berücksichtigt. Es waren immerhin vier Banken an der fränkischen Gemeinschaftsanleihe beteiligt. Eine Anleihe lässt sich auch mit weniger Helfern platzieren. Aber: „Mit der Beteiligung von gleich vier Instituten wollten wir uns möglichst breit aufstellen, um so viele Investoren wie möglich erreichen zu können“, sagt Riedel. „Dadurch fielen die Gebühren insgesamt aber nicht höher aus.“ Die Höhe der Gebühren ließ sich Nürnbergs Stadtkämmerer nicht entlocken. Er sagte lediglich, dass die Zahlungen an die Banken insgesamt in einem annehmbaren Bereich lägen.

 

Eine Aufstockung der Anleihe schließen Riedel und Schuchardt nicht aus. Geplant sei aber noch nichts. „Wir haben jetzt ein neues Finanzierungsinstrument an der Hand, auf das wir jeder Zeit zurückgreifen können“, sagt Riedel. Dass dieses neue Instrument nicht in der Mottenkiste enden wird, ist wahrscheinlich. Schließlich hätte sich erst bei weiterer Nutzung der anfängliche Aufwand so richtig gelohnt. „So eine Emission bedeutet viel Arbeit für den Kämmerer in Persona. Da muss man sich schon die Frage stellen, ob sich das lohnt. Bei möglichen folgenden Emissionen wird der Aufwand für uns aber deutlich geringer sein. Schließlich ist die Pionierarbeit bereits geleistet“, so Schuchardt.

 

Das Konzept „Gemeinschaftsanleihe“ könnte Schule machen. Der private Anbieter Kandler arbeitet derzeit bereits an einer Gemeinschaftsanleihe im großen Stil, an der sich auch kleinere Kommunen beteiligen könnten. Insgesamt wird ein Volumen ab 400 Millionen Euro angepeilt. „Erste Vorgespräche mit interessierten Kommunen haben wir bereits geführt“, sagt Geschäftsführer Stefan Friedrich. Gebühren sollen die Kommunen laut Projektidee nicht zahlen. Sie leisten demnach – wie bei einer Kreditaufnahme – lediglich Zinsen und Tilgung auf das Kapital. Dagegen erhalten die Investoren am Kapitalmarkt einen leicht geringeren Zins. Aus dieser Differenz soll – so die Idee – die Kommunale Finanzagentur sämtliche Kosten begleichen. „Bei einem entsprechend großen Gemeinschaftsvolumen können dadurch günstige Zinskonditionen angeboten werden“, so Friedrich. Ab Juni werde man das Projekt den Kommunen im Detail vorstellen.

Leserbrief

Sehr geehrte DNK-Redaktion,

 

es ist Ihnen nicht unbekannt, dass sich die Finanzierungssituation vieler Kommunen nicht mehr so gut darstellt, wie es früher einmal war. Daher ist jede Anstrengung von Kommunen zu begrüßen, die hier eine Lösungsmöglichkeit erkennen lässt. Zwei Beispiele aus jüngster Zeit sind der Schuldschein aus Dortmund und die Anleihe aus Nürnberg/Würzburg. Es wächst damit ein zartes Pflänzchen heran, welches man hegen und nicht gleich dem rauen Klima des Kapitalmarkts aussetzen sollte.

 

Die Berichterstattung im DNK-Newsletter empfand ich in beiden Fällen dem Ansinnen der beteiligten Kommunen nicht entsprechend. Es ging und geht darum, neue Kapitalquellen für Kommunen zu erschließen. Und zwar so, dass die beabsichtigten Emissionen mit größter Wahrscheinlichkeit zum Erfolg führen; denn negative Schlagzeilen wegen missglückter Platzierungsversuche würden diese Finanzierungsalternative zunichte machen, noch bevor sie sich am Markt etablieren kann.

 

Die kritischen Anmerkungen zur Kupon-Spanne mögen aus einer ex-post-Betrachtung richtig sein. Doch der vielleicht zu hohe Preis, den die Pioniere dieser Finanzierungsform zahlen, öffnet weiteren Kommunen die Tür zu einem hoffentlich großen Markt, der dann mit niedrigeren Spannen auskommen könnte. Dies gilt auch für die Anmerkungen zu einem Bankenkonsortium, welches die Transaktion begleitet hat und sich wohl die Gebühren teilen muss.

 

Im Sinne aller Kommunen sollten wir diese Prozesse positiv begleiten und uns freuen, wenn der Kapitalmarkt durch mehrfache Überzeichnungen den deutschen Kommunen diesen Vertrauensbeweis noch erbringt.


Clemens Stoffers, Leiter Vermögens- und Schuldenmanagement, Stadt Essen