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Von der Erstaufnahme bis zur Integration der Flüchtlinge ist es ein weiter Weg.

Flüchtlingsunterbringung

03.02.16 10:33

Berliner Senat will 10.000 Flüchtlinge in Hotels unterbringen

Von Ariane Mohl

Für insgesamt 600 Millionen Euro will der Berliner Senat 10.000 Asylbewerber über mehrere Jahre in Hotels unterbringen. Neben dem hohen Preis – 50 Euro pro Tag – führen auch die dubiosen Vertragspartner zu Diskussionen in der hochverschuldeten Hauptstadt.

Der Berliner Senat will bis zu 10.000 Flüchtlinge in Hotels der Gesellschaft Grand City Hotels (GCH) unterbringen. Nach Informationen der FAZ geht es um einen mehrjährigen Vertrag im Gesamtvolumen von 600 Millionen Euro. Der Senat befindet sich in Gesprächen mit der in London ansässigen Firma Hampton Holding Ltd., die für die Hotelkette die Verhandlungen übernommen hat. Laut FAZ verlangt die GCH für die Unterbringung der Flüchtlinge je Platz und Nacht 50 Euro. Das wären 1.500 Euro Miete pro Monat und pro Person. Eine stolze Summe, die weit über dem liegt, was Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen eigentlich zu zahlen bereit ist. „Normalerweise streben wir an, Flüchtlinge für etwa zehn Euro pro Tag unterzubringen", sagte der SPD-Politiker der Tageszeitung Die Welt.

 

Doch der Preis für die Unterbringung der Flüchtlinge ist nicht das einzige Problem. Wie FAZ-Recherchen belegen, ist der Hintergrund zweier Firmen, mit denen GCH zusammenarbeitet, mehr als dubios. So soll es sich bei der Hampton Holding Ltd., immerhin dem direkten Gesprächspartner des Senats, um eine hochverschuldete Briefkastenfirma handeln.

 

Für Skepsis bei einigen Mitarbeitern des Berliner Senats sorgt auch der potentielle Projektpartner, den der deutsche Geschäftsführer der Hampton Holding Ltd. ins Spiel gebracht hat. Generalbetreiber der Hotels und damit direkter Vertragspartner des Senats wäre ein Europäisches Integrationszentrum (EIZ) – eine Organisation, die zumindest laut eigener Homepage über keinerlei Erfahrung im Bereich der Flüchtlingsunterbringung verfügt. Interne Dokumente, die der FAZ vorlegen, zeigen, dass auch der Senat an der Eignung der EIZ-Betreiber zweifelt. Endgültig vom Tisch sind die Pläne des Senats aber offenbar noch nicht: Es sei noch zu prüfen, „inwieweit das EIZ personell und fachlich in der Lage ist, bis zu 10.000 Menschen in mehreren Notunterkünften zu betreuen“, zitiert die FAZ aus einem Sachstandsbericht. 

 

Aktualisierung vom Freitag, 05.02.2016:

Die Hotelkette GCH hat inzwischen auf die scharfe Kritik an ihrem Angebot an den Berliner Senat reagiert. Das Unternehmen will nun nur noch mit Blick auf zwei kleine Hotels in Reinickendorf mit dem Senat verhandeln. Das sagte eine Unternehmenssprecherin der FAZ. Auch beim Mietpreis rudert die GCH offenbar zurück. Fordern wolle man statt der ursprünglichen 50 Euro pro Nacht und Person das, "was von Berlin für vergleichbare Leistungen gezahlt wird".   

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de