Die Coronakrise lässt die öffentlichen Schulden über allen Ebenen hinweg steigen.

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09.07.20
Haushalt

Öffentliche Schulden steigen

Die Coronakrise treibt die Schuldenstände sowohl auf Ebene des Bundes, der Länder und Kommunen in die Höhe. Doch es gibt auch Ausnahmen, zeigen die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Bereits im ersten Quartal 2020 zeigte die Coronakrise ihre Auswirkungen auf die öffentlichen Haushalte. Laut der Meldung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zur vierteljährlichen Schuldenstatistik waren Bund, Länder und Gemeinden zu dem Zeitpunkt jeweils stärker verschuldet als am Ende des 4. Quartals 2019.

Zum Ende des 1. Quartals 2020 war demnach der öffentliche Gesamthaushalt mit 1.955,4 Milliarden Euro verschuldet. Damit sei der Schuldenstand gegenüber dem 4. Quartal 2019 um 3 Prozent beziehungsweise um 56,2 Milliarden Euro angestiegen. Im Vergleich zum 1. Quartal 2019 erhöhte sich der Schuldenstand um 1,5  Prozent oder 28,3 Milliarden Euro. Die Zahlen basieren jedoch auf vorläufigen Ergebnissen.

Kommunen bauen Schulden auf

Auch der Schuldenstand der Gemeinden und Gemeindeverbände stieg gegenüber dem 4. Quartal 2019 um 1,4  Prozent beziehungsweise 1,8 Milliarden Euro auf 132,6 Milliarden Euro. Doch es zeigen sich durchaus regional unterschiedliche Entwicklungen. So stiegen die Schulden auf kommunaler Ebene besonders stark in Hessen (+4,5 Prozent), Schleswig-Holstein (+3,7 Prozent) und Rheinland-Pfalz (+3,1 Prozent).

Es gibt jedoch auch Bundesländer in denen die Schuldenstände im gleichen Zeitraum sanken. Dazu zählen Sachsen (-8,7 Prozent), das Saarland (-5,3 Prozent) und Bayern (-1,5 Prozent). Der Rückgang in Sachsen ist laut Destatis jedoch wesentlich auf eine Änderung des Berichtskreises zurückzuführen. 

Corona-Maßnahmen sorgen für mehr Schulden

Die Länder waren zum Ende des 1. Quartals 2020 mit 602,4 Milliarden Euro verschuldet. Das entspricht laut Destatis einem Anstieg um 4 Prozent oder 23,3 Milliarden Euro gegenüber dem Vorquartal. Die Entwicklung verlief jedoch auch hier in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich.

In Bremen stiegen die Schulden um 27,1 Prozent, in Sachsen um 22 Prozent und in Bayern um 19,5 Prozent. Der starke Anstieg in diesen Ländern ist der Mitteilung zufolge mit dem Einsatz von Finanzinstrumenten zur Abfederung der Coronakrise begründet. So habe Bremen Schulden für die Bereitstellung von Barsicherheiten für Derivate und den Aufbau von Rücklagen aufgenommen. Sachsen habe mit Blick auf zukünftige Liquiditätsengpässe vorsorglich Kassenkredite aufgenommen. In Bayern seien hingegen zur Bewältigung der Coronakrise 2,5 Milliarden Euro Wertpapierschulden zusätzlich aufgenommen worden.

Sondervermögen „Saarlandpakt"

Die Schuldenaufnahme des neu gegründeten Sondervermögens „Saarlandpakt“ in Höhe von 115 Millionen Euro zur Tilgung von Kassenkrediten saarländischer Gemeinden und Gemeindeverbände hat sich laut Mitteilung in einem Anstieg der Verschuldung des Saarlandes um 1,1 Prozent beziehungsweise 149 Millionen Euro niedergeschlagen. 

Ähnlich wie bei den Kommunen verzeichnen auch manche Bundesländer Rückgänge der Schuldenstände. So beispielsweise Schleswig-Holstein (-1,4 Prozent) sowie Hamburg und Brandenburg mit jeweils -0,7 Prozent. 

ak.meves(*)derneuekaemmerer(.)de

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