Berlin ist die deutsche Metropole mit den besten Zukunftsaussichten. Ausruhen kann sich die Hauptstadt aber nicht.

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08.11.19
Haushalt

Deutschlands größte Städte stehen vor Umbruch

Berlin ist laut einer aktuellen Studie die deutsche Metropole mit den besten Zukunftsaussichten. Ausruhen kann sich die Hauptstadt aber nicht: Die kommenden fünf Jahre könnten einen Umbruch für Deutschlands größte Kommunen mit sich bringen.

Berlin ist die deutsche Stadt mit den besten Zukunftsaussichten. Wie eine gemeinsame Analyse des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) und der Privatbank Berenberg ergeben hat, ist die Bundeshauptstadt die deutsche Metropole, die am besten auf die künftigen Herausforderungen vorbereitet ist. 

Die Studie führen HWWI und Berenberg alle zwei Jahre durch, das nun veröffentlichte Ranking ist die sechste Auflage. Untersucht werden die nach der Einwohnerzahl 30 größten Städte der Republik. Dafür wurden die Parameter Leistungsfähigkeit (Trendindex), die künftige demografische Entwicklung (Demografieindex) sowie wichtige Standortfaktoren wie Bildung, Innovation, Internationalität und Erreichbarkeit (Standortindex) ausgewertet, was den Studienautoren zufolge zu möglichst objektiven Ergebnissen führen soll.

Berlin verweist Leipzig knapp auf Platz zwei

Auch wenn Berlin in keiner dieser drei Indizes Platz eins belegt, hat sich die Hauptstadt dennoch im Gesamtranking an die Spitze gesetzt. Berlin punktet laut HWWI und Berenberg mit einem hohen prozentualen Bevölkerungsanstieg von 4,1 Prozent, dem höchsten Wachstum der Erwerbstätigkeit aller 30 Städte (6,8 Prozent) sowie einer deutlichen Verbesserung der Produktivität. 

„Berlin hat sich zu einer der dynamischsten Städte Deutschland entwickelt.“

Hans-Walter Peters, Berenberg

„Berlin hat sich zu einer der dynamischsten Städte Deutschland entwickelt. Gute Standortfaktoren, insbesondere die Internationalität und Erreichbarkeit, tragen zur positiven Entwicklung bei“, sagt Hans-Walter Peters, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter von Berenberg. Ein längerfristiger Vergleich macht das deutlich: 2008 rangierte Berlin nur auf Platz 24.

Auf Rang zwei schafft es eine weitere Ostmetropole: Leipzig. Die Sachsen belegen beim Trend- und Demografieindex sogar den ersten Platz, da die Stadt ein enormes Bevölkerungswachstum verzeichnet – insbesondere bei den volkswirtschaftlich wertvollen unter 20-Jährigen und den Erwerbspersonen. Den Spitzenplatz verpasst Leipzig knapp, weil die Stadt beim Standortindex nur auf dem 26. Platz rangiert. „Die unterdurchschnittlich ausgeprägten Standortfaktoren Bildung und Innovation, Internationalität und Erreichbarkeit in Leipzig haben deutliches Entwicklungspotential nach oben“, kommentiert HWWI-Direktor Henning Vöpel.

Städteranking: München fällt auf Platz 3

 

 

München, Spitzenreiter aus den Jahren 2015 und 2017, landet in der aktuellen Auswertung nur auf Rang drei. Die bayerische Landeshauptstadt beginnt, an Wachstumsgrenzen zu stoßen. Allerdings sind die Zukunftsaussichten von München immer noch exzellent. Frankfurt am Main schafft es aufgrund des Standortvorteils und der guten demografischen Entwicklung auf Platz vier.

Im Ranking gibt es auch Aufsteigerstädte: So konnten sich Wuppertal (Rang 14) und Augsburg (8) um satte elf respektive zehn Plätze verbessern. Wuppertal profitiert von einer sehr positiven Produktivitäts- und Erwerbstätigenentwicklung und hohen Geburtenraten.

Den Augsburgern gelingt der Sprung in die Top 10, da sich die demografische Prognose deutlich verbessert hat.

Metropolen am Tabellenende könnten aufholen

Allerdings gibt es auch Verlierer unter Deutschlands 30 größten Städten. Wiesbaden (minus neun Plätze) sowie Braunschweig und Bielefeld (jeweils minus sechs) stürzen im Ranking ab und finden sich im unteren Mittelfeld wieder. Die rote Laterne behält indes Gelsenkirchen. Die Stadt landet noch hinter Bochum und Duisburg, hat somit derzeit die schlechtesten Zukunftsaussichten. 

Die kommenden fünf Jahre werden entscheidend sein.

Das bedeutet aber keineswegs, dass es keinen Grund zur Hoffnung gibt. Wie Studienautor Vöpel vom HWWI bei der Präsentation der Studie in Frankfurt am Main betonte, werden die kommenden fünf Jahre für Deutschlands größte Städte entscheidende sein. Aufgrund des großen technologischen Wandels könnten Kommunen eine große Dynamik erzeugen, wodurch sich einige Städte im Ranking nach vorne katapultieren könnten. Das Aufholpotential ist enorm.

Kommunen sollten daher darauf achten, dass sie in den kommenden Jahren genug investieren, um nicht den Anschluss zu verlieren. Denn wo große Chancen bestehen, existiert naturgemäß auch ein größeres Risiko. Wer den technologischen Wandel verschläft, könnte auf Jahre einen massiven Wettbewerbsnachteil haben, der nur schwer aufzuholen sein wird, warnen die Studienautoren.

j.eich(*)derneuekaemmerer(.)de